Fototipps für die Berge

© Fotograf: Gertraud Schollwöck, Ein neuer Tag erwacht, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Gertraud Schollwöck, Ein neuer Tag erwacht, Blende-Fotowettbewerb
Berge, und da muss man noch nicht einmal ein großer Fan von ihnen sein, sind überaus reizvoll, auch wenn sie manchmal so überaus steinig daherkommen und bei der Erstürmung einen die letzte Kraft kosten können. Die Motivbandbreite in den Bergen ist gewaltig und egal welchen Fotoschwerpunkt man hat, jeder kommt in den Bergen auf seine Kosten. Imposante Aufnahmen jenseits der üblichen Bergpostkarten setzen auch im Smartphonezeitalter entsprechendes Fotoequipment ebenso voraus wie den Spaß am kreativen fotografischen Spiel.

1. Fotoequipment – Was sollte mit?

Was an Fotoausrüstung mit soll – beziehungsweise mit muss – hängt davon ab, was man fotografiert und welchen kreativen fotografischen Spielraum man haben möchte. Wenn es einem nur um das Selfie mit den Bergen im Hintergrund geht, dann reicht das Smartphone absolut aus. Will man aber die Tierwelt wie Gämsen und Almkühe ablichten, dann braucht man eine Kamera, mit der man Distanzen überbrücken kann. Das sind zum einen Kompaktkameras mit einem großen Zoombereich oder aber Spiegelreflex- beziehungsweise kompakte Systemkameras mit entsprechender Teleoptik von wenigsten 70mm-200mm. Geht es einem hingegen um die Darstellung der Weite des Bergpanoramen, dann kann man dieses eindrucksvoll mit weitwinkliger Optik in Szene setzen. Wer es noch extremer mag, der greift zum FishEye. Liebt man die Tier- und Pflanzenwelt im Kleinen dann gehört natürlich das Makroobjektiv in die Fototasche. Und für all die restlichen Motive bietet sich ein Objektiv mit 24mm-105mm Brennweite an. Dann kommen noch Ersatzakkus und -speicherkarten in die Fototasche, ebenso wie ein Blitzgerät und ein Reflektor für die bessere Ausleuchtung der kleinen Pflanzenwelt. Und wie sieht es mit dem Stativ aus – das sollte in jedem Fall auch noch mit.

2. Jedes Kilo zählt

© Fotograf: Rita Gilk, stimmungsvoller Schnappschuß, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Rita Gilk, stimmungsvoller Schnappschuß, Blende-Fotowettbewerb
Was man an Fotoequipment so alles in die Fototasche packt hängt also von der fotografischen Leidenschaft ab. Will man sich nicht festlegen und packt vom Makro- über das leichte und starke Tele- bis hin zum Weitwinkel- und sogar noch das FishEye-Objektiv in die Fototasche beziehungsweise in den –rucksack, dann kommt man schnell auf 8 Kilo und mehr. Kommt dann noch ein Dreibeinstativ und ein Blitzgerät mit, dann ist man schnell bei 10 Kilo und mehr – und das ohne Proviant und Getränke. Unten im Tal mögen 10 Kilo und mehr nicht ins Gewicht fallen – geht es aber zu Fuß steil bergauf, dann kann jedes Kilo mehr zur Qual werden. Darüber muss man sich einfach vorab bewusst sein und entsprechend das Fotoequipment zusammenstellen. Etwas Gewicht kann man abspecken, wenn statt eines Dreibeinstativs ein Seilstativ – oftmals auch als Schnurstativ bezeichnet – mitkommt. Diese sind klein und leicht und lassen sich sogar in der Hosentasche verstauen. Mit ihnen kann im Quer- und Hochformat gleichermaßen fotografiert werden. Stabilität wird erzielt, indem das Seil gespannt wird und beide Oberarme am Körper anliegen. Etwas Übung braucht man am Anfang schon mit diesem Stativtyp der dann eine Alternative darstellt, wenn Gewicht eingespart werden soll.

3. Fototasche oder Fotorucksack

In den Bergen, wo man gegebenenfalls auch mal auf allen Vieren herumkraxelt oder mit den Wanderstöcken unterwegs ist, ist Hand-/Armfreiheit von Vorteil. Der Fotorucksack bietet das in jedem Fall und ein weiterer Pluspunkt ist die gleichmäßige Gewichtsverteilung. Beide Schultern werden gleichmäßig belastet, was sich gerade bei längeren Touren auszahlt. Auf eine gute Polsterung ist beim Kauf zu achten. Von Vorteil sind auch separate Fächer für den Proviant. Ob nun Fototasche oder -rucksack – wichtig sind der Tragekomfort und eine gute Innenaufteilung, so dass man ohne großes Wühlen das gewünschte griffbereit hat. Überaus nützlich sind integrierte Regenhüllen, die sowohl Tasche als auch Rucksack und somit die Fotoausrüstung bei Starkregen vor jeglicher Feuchtigkeit schützen.

In man im Besitz einer/s schon in die Jahre gekommenen Fototasche/-rucksacks so sollte man den Tragekomfort immer mal wieder einer Prüfung unterziehen. In den letzten Jahren hat sich eine Menge in Punkto Material als auch bei der Polsterung getan – beides möglicherweise Argumente für eine Neuanschaffung.

4. Beste Tageszeit für eindrucksvolle Fotos

© Fotograf: cmoon view, flower bath, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: cmoon view, flower bath, Blende-Fotowettbewerb
Geht es einem um Bergpanoramen, dann sind die beste Fotozeiten der Morgen, wenn die Sonne aufgeht, der frühe Vormittag und dann wieder der späte Nachmittag bis hin zum Abend, wenn die Sonne untergeht. Die Lichtstimmung ist in diesen Zeitfenstern atemberaubend, was natürlich auch den Aufnahmen zugutekommt. Durch den schrägen Lichteinfall entsteht Räumlichkeit, Kanten und Konturen des Bergmassivs werden verstärkt. In der Mittagszeit kann man beruhigt einkehren – da ist das Licht für stimmungsvolle Aufnahmen nicht optimal. Die Sonne steht in der Mittagsstunde senkrecht und daraus folgen zum einen harte Schatten und zum anderen verlieren die Berge ihre Räumlichkeiten. Aufnahmen in der Mittagszeit fehlt es mit ihrer fahlen Anmutung dementsprechend an Brillanz.

Prädestiniert für idyllisch anmutende, und damit emotional aufgeladene Aufnahmen, ist die Blaue Stunde – ein sehr kurzes Zeitintervall das oftmals nicht mal eine Stunde nach Sonnenaufgang und vor Eintritt der Nacht misst. Die Dauer in Mitteleuropa schwangt je nach Jahreszeit zwischen zirka 30 Minuten im Winter und 50 Minuten im Sommer. Im Gegensatz zur Blauen Stunde umfasst die Goldene Stunde nahezu exakt eine Stunde. Das Licht ist in diesen Zeitfenstern besonders warm und damit imposant ausgeprägt und sorgt für einen meist goldenen Schimmer. Sowohl die Blaue als auch die Goldene Stunde sind der Grund dafür, warum sich eine Übernachtung auf einer Berghütte immer lohnt. Wird während der Blauen/Goldenen Stunde fotografiert dann ist ein Stativ Pflicht. Um Erschütterungen beim Auslösen der Kamera zu vermeiden empfiehlt sich ein Fernauslöser oder aber die Steuerung über das Smartphone, wenn das Aufnahmegerät dies unterstützt.

5. Schlechtes Wetter gibt es für Fotografen nicht

Jede Jahreszeit und jedes Wetter hat so seine fotografischen Reize und diese gilt es für sich als Fotograf zu nutzen. Reiner blauer Himmel ist aus fotografischer Sicht eher Langweilig. Sehr viel interessanter ist es, wenn der blaue Himmel mit Wolken durchzogen ist. Bei Regen muss man sich nicht in eine Berghütte verziehen. Vom Lichtspiel noch eindrucksvoller sind Gewitter – doch Achtung, denn in Gefahr sollte man sich zu keiner Zeit bringen. Lohnend ist auch Nebel der aus dem Tal emporsteigt und dieses verhüllt oder der von oben herabfällt und den Gipfel einhüllt. Imposant ist auch Föhn – ob nun vom Norden (warmer) oder vom Süden (kalter) als Fallwind kommend, sorgt er für klare Sicht und die charakteristischen Linsenwolken, die sogenannten Föhnfische.

6. Zeitrafferaufnahmen

© Fotograf: Stanislav Szilagyi, Tre Cime di Lavaredo, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Stanislav Szilagyi, Tre Cime di Lavaredo, Blende-Fotowettbewerb
Lässt es die eigene Zeit zu, dann sind Zeitrafferaufnahmen über ein längeres Zeitfenster durchaus lohnenswert – sie visualisieren eindrucksvoll, wie sich binnen weniger Minuten die Stimmungen verändern. Hat man die Gelegenheit, so sollte man vom Sonnenauf- bis zum -untergang einen ganzen Tag in den Bergen im Zeitraffer festhalten.

7. Sich Zeit nehmen und kreativ sein

Überzeugende Aufnahmen setzen voraus, sich auf die Landschaft einzulassen und sie gedanklich auch für sich zu erobern. Das braucht Zeit, aber auch eine Offenheit sowie Begeisterung gegenüber dem was man wahrnimmt. Gerade wenn man von Hektik getrieben ist, dann verliert man die Sicht auf die Dinge und geht mitunter sogar an tollen Motiven achtlos vorbei. Es kommt in der Fotografie nicht darauf an, mit einer möglichst hohen Anzahl an Aufnahmen heimzukehren. Entscheidend ist, dass die gemachten Aufnahmen Unikate sind, die die ganz persönliche Stimmung zum Ausdruck bringen. Dazu ist es auch notwendig, sich nicht nur auf das Motiv einzulassen, sondern es auch wirkungsvoll in Szene zu setzen. Dafür kann es durchaus auch mal notwendig sein, sich auf den Bauch zu legen oder aber einen weiter rechts beziehungsweise links liegenden Fotostandpunkt einzunehmen. Das kreative Spiel mit den zur Verfügung stehenden Aufnahmefeatures tut sein übrigens auf dem Weg zu beeindruckenden Aufnahmen.

8. Den Schutz der Natur im Blick haben

© Fotograf: Maximilian Loer, Einsame Spitzen, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Maximilian Loer, Einsame Spitzen, Blende-Fotowettbewerb
Jeder Bergtourist trägt Verantwortung und so natürlich auch die Fotobegeisterten unter ihnen. Für ein Motiv ist es mitunter ratsam, eingetretene Pfade zu verlassen. Dabei sollte man jedoch stets den Schutz der Natur im Blick haben. Dieser gilt es mit dem größten Respekt entgegenzutreten und dementsprechend die Pflanzenwelt mit seinen Schuhen nicht niederzuwalzen. Die Tierwelt verdient ebenso unserer Achtung – auch hier gilt es, Grenzen nicht zu überschreiten. Sobald vorgegebene Wege verlassen werden ist besondere Vorsicht geboten, um einen Unfall auszuschließen.

9. Kritik darf geübt werden

Fotografen kommt eine große Verantwortung zu – sie tun dementsprechend oftmals mehr für den Naturschutz als man auf den ersten Blick denkt. Mit der Kraft und der Macht ihrer Bilder rütteln sie wach. Dazu gehört auch, nicht nur das Schöne abzulichten, sondern auch die Zerstörung. Beides gegenübergestellt sollte Mahnung genug sein.

10. Bergtour planen

© Fotograf: Alina Schmajew, Wanderung, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Alina Schmajew, Wanderung, Blende-Fotowettbewerb
Bei aller geliebten Spontanität ist es gerade in den Bergen wichtig, seine Tour zu planen und sich bereits im Vorfeld über das Wetter und die Aussichten zu informieren. In Reiseführern, aber auch auf Portalen, erhält man wichtige Informationen über den Schwierigkeitsgrad der ins Auge gefassten Tour. Die Wegangaben sind oftmals dennoch nicht korrekt und auch in Punkto Schwierigkeitsgrad gehen die Meinungen gern einmal auseinander. Sofern die Möglichkeit mit einer Berghütte besteht, sollte man sich wenigstens eine Übernachtung gönnen, denn so ist man mit dem Sonnenauf- beziehungsweise -untergang gleich an Ort und Stelle. In der Regel muss man vorher reservieren. Wichtig ist, sich nicht selbst zu überschätzen. Gerade in den Bergen kann einem das schnell zum Verhängnis werden. An die richtige Kleidung ist ebenso zu denken wie an bergtaugliches Schuhwerk. Immer wieder sichtet man Personen, die mit FlipFlops oder Absatzschuhen meinen, die Berge für sich erobern zu wollen. Gerade wenn man allein unterwegs ist, so sollte man Informationen über sein Vorhaben und die geplante Tour hinterlassen. An das geladene Smartphone ist natürlich zu denken. Über das kann man bei einem Unfall einen Notruf absetzen. Zudem kann man es zur Fernsteuerung der Kamera nutzen, sofern diese es zulässt. In den Bergen sollte man immer darauf gewappnet sein, dass das Wetter jederzeit umschlagen kann – aus fotografischer Sicht macht das die Berge natürlich noch reizvoller. Sicherheit hat jedoch immer höchste Priorität und dazu gehört auch, andere und sich für ein tolles Foto nicht in Gefahr zu bringen. Auch von irgendwelchen verrückten Trends ist Abstand zu nehmen.

Fotografieren in der Praxis 05 / 2016

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