Früher - Heute: Was Fotografien sichtbar machen

Die Fotografie hat unendlich viele Aufgaben zu erfüllen. Sie ist heute das Kommunikationsmittel – Bilder sind die Sprache, die jeder versteht und die keiner Worte bedürfen. Die Fotografie konserviert Erlebtes und hält damit Erinnerungen dauerhaft fest. Die Fotografie dient zudem der Dokumentation von Veränderungen – gleich welcher Art – um sie sichtbar und damit greifbar zu machen. Im Endeffekt ist jede Aufnahme eine Dokumentation des gesehenen Moments. Doch erst in der Gegenüberstellung von Einzelaufnahmen, zu unterschiedlichen Zeiten fotografiert, werden die Veränderungen sichtbar. Sehr beliebt ist die bildliche Gegenüberstellung in Collagen mit mehreren Einzelaufnahmen aus unterschiedlichen Zeiten. Der „Blende“-Teilnehmer Daniel Gerlach hat in seinem „Blende“-Wettbewerbsbeitrag „never forget where you came from“, eingereicht zur diesjährigen thematischen Vorgabe „Urbanität – Großstädte – Streetfotografie“ mit der Integration einer „alten“ Aufnahme in eine aktuell aufgenommene, einen anderen visuellen Weg gewählt, um die Veränderung greifbar zu machen.

© Fotograf: Daniel Gerlach, never forget where you came from, Blende-Fotowettbewerb
Daniel Gerlach, never forget where you came from, Blende-Fotowettbewerb

Bildserie – Dokumentation von Veränderungen

Veränderungen prägen das Leben in allen Bereichen. Nicht alle lassen sich bildlich konservieren, aber sicherlich über 90 Prozent. Nehmen wir nur allein das eigene Ich vom Säugling bis heute – jedes Jahr wenigstens eine Aufnahme in nahezu der gleichen Pose fotografiert ist eine wundervolle Langzeitfotoserie. Übrigens ein toller Fototipp für alle, die gerade Eltern geworden sind: Fotografieren Sie Ihren Nachwuchs in regelmäßigen Abständen auf dem Sofa sitzend mit Teddybär oder auch ohne. Wichtig hierbei ist die Konstante Sofa und der nahezu identische Aufnahmestandpunkt. Über Jahre festgehalten macht die Bildserie deutlich, wie der Nachwuchs mit jeder Aufnahme an Größe gewinnt und das Sofa scheinbar daran verliert. Je länger das Zeitfenster einer solchen Bildserie ist, umso imposanter ist sie.

Zeitintervall der Bildserie

Das Zeitintervall der bildlichen Dokumentation von Veränderungen hängt vom Sujet ab. Geht es einem beispielsweise darum, die im Tagesverlauf festgehaltenen Menschenströme eines belebten Platzes zu dokumentieren, dann ist sicherlich ein Zeitraffervideo die beste Wahl. Baut man indess ein Haus so erstreckt sich die visuelle Dokumentation über mehrere Monate. Oder um auf das Anfangsbeispiel zurückzukommen und das Festhalten von Veränderungen in dem Dorf oder der Stadt in der man lebt – dies ist ein Langzeitprojekt über mehrere Jahrzehnte. Ist man als Familie dort schon lange ansässig, so ist es lohnenswert, die Fotoalben der Eltern und Großeltern nach Straßenansichten zu durchstöbern und die gleichen Aufnahmestandpunkte heute aufzusuchen und zu fotografieren. Wichtig sind bei solchen Bildserien Konstanten wie der immer nahezu identische Aufnahmestandpunkt.

Ein ebenfalls tolles Langzeitprojekt ist das Fotografieren von Lebensmittel oder anderen Konsumgütern im Handel. Wer kennt nicht „Kinder der 70 und 80 Jahre“ mit Aufnahmen von angesagten Produkten jener Zeit. Heute als Spielzeug absolut angesagt sind Fidget Spinners – irgendwann wie der Zauberwürfel wird man darüber nichts mehr hören oder sehen. Aber spätestens in 20 oder 30 Jahren wird dieses Produkt auf Portalen landen, die sich mit zurückliegendem beschäftigen.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2018

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