Gestische Photographien

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Heinz Teufel

„Die Kamera atmet“, so charakterisiert der Photograph Heinz Teufel seine ungewöhnlichen Photographien, die wir anläßlich der Ausstellung „Gestische Photographien“ - noch bis zum 31. März 2006 in der Tantus Photo Galerie, Colonnaden 54 in Hamburg zu sehen - heute in der Photopraxis vorstellen möchten. Die Aufnahmen von Heinz Teufel zeigen anschaulich, daß man sich nicht zwangsläufig immer an die Gesetzmäßigkeiten der Photographie halten muß. Oftmals ist es erst das Experiment mit der Kamera, das Photographien hervorbringt, die den Betrachter einnehmen und eventuell zur Nachahmung anhalten.

Bezeichnend für die Panoramaaufnahmen von Heinz Teufel ist, daß sich die Konturen der Motive in Bewegung und Schwerelosigkeit auflösen, Menschen und Häuser ebenso verwischen wie Formen und Farben - das grundlegende Motiv ist dennoch klar erkennbar. Die gewöhnlichen Orientierungspunkte sind dem Betrachter weitgehend entzogen, alles wird immateriell und das macht den Reiz der außergewöhnlichen Aufnahmen aus. Gestochen scharfe Sequenzen werden nach genau festgelegter Komposition photographischer Bewegungsdynamik entgegengesetzt. Dies klingt einfach, ist es aber nicht. Man muß wissen wie die Kamera geschwenkt werden soll, damit die Strukturen und Konturen des Motivs auch erhalten bleiben und nicht alles in Unschärfe abgebildet wird.

Im Gegensatz zur traditionell statisch-dokumentarischen Arbeit mit der Kamera, befreit sich Heinz Teufel bei der „Gestischen Photographie“ aus den klassischen Zwängen der Photographie und geht einen Dialog mit den mechanischen Abläufen seiner Kamera ein. Er handhabt sie gekonnt aus lockerer Hand, zieht, dreht und schwenkt sie während des Belichtungsvorgangs und läßt eine völlig neue Bilderwelt entstehen, die das Auge fesselt. Gestaltet werden die Aufnahmen mit einer analogen Spiegelreflexkamera nach den optischen Gesetzmäßigkeiten unter Berücksichtigung der Tiefenschärfe mit variierenden Belichtungszeiten. Dem Photographen gelingt es, den Fluß des Lebens in seine Arbeit einzubringen, indem er die eigene Körperbewegung „einfließen“ läßt. Die Beherrschung der Grundlagen der Kameratechnik sind für solche Aufnahmen ebenso unerlässlich, wie die Kenntnisse der unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten und deren photographische Umsetzung. Wer sich an das Thema „Gestische Photographien“ heranwagt, der darf nicht davon ausgehen, dass schon die ersten Aufnahmen zu solchen Resultaten wie bei Heinz Teufel führen. Schritt für Schritt wird man sich Aufnahme für Aufnahme dieses Themengebiet erschließen - Geduld und Experimentierfreude sind also angesagt.
 

Fotografieren in der Praxis 03 / 2006

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