Gruppenaufnahmen sollten ein festes Ritual sein

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© Fotograf: Paula Rink, Lebensgefühl, Photoglobus

Zeit für Gruppenaufnahmen ist immer. Spätestens wenn Familien wie zu Ostern, das neben Pfingsten und Weihnachten als das älteste und höchste Fest der Christenheit gilt, zusammentreffen, sollten sie fester Bestandteil sein – man weiß ja nie, ob man in dieser Form noch einmal zusammenkommt – wir möchten jetzt aber auch nicht den Teufel an die Wand malen.

Schaut man in die Fotoalben der Großeltern – und je nach persönlichem Jahrgang – in die der Eltern, so begegnen einem immer wieder Gruppenaufnahmen. In den Anfängen der Fotografie, die in diesem Jahr übrigens ihren 175. Geburtstag begeht, war es üblich, in regelmäßigen Abständen mit der gesamten Familie den Profifotografen aufzusuchen. Auch heute wird dieser Weg nach wie vor gewählt, aber nicht mehr so häufig, denn Gruppenaufnahmen entstehen vielfach zu Hause.

Gruppenaufnahmen scheinen vielerorts keine starke Lobby zu haben. Ihnen haftet mitunter sogar etwas Langweiliges an. Das müssen sie aber bei Weitem nicht sein, wenn etwas Regie geführt wird. Gruppenaufnahmen sehen wir als ein wichtiges Zeitdokument an und sie sind alles andere als abgedroschen. In jeder Familie, aber auch im engen Freundeskreis, sollten sie aus unserer Sicht festes Ritual sein. Eine Gruppenaufnahme ist Pflicht, jede weitere in einem Jahr ist die Kür. Beim Rückblick, und das kann schon nach weniger als einem Jahr sein, wird man sie zu schätzen wissen und glücklich sein, sie zu haben.

Gruppenaufnahmen bedeuten nicht zwangsläufig, die Großen nach hinten und die Kleinen nach vorne. Seien Sie kreativ, nutzen Sie beispielsweise eine Treppe für Ihre Gruppenaufnahme. Oder wie wäre es damit, dass sich zum Beispiel die Akteure in Form der Jahreszahl im Garten auf den Rasen legen. Das bringt richtig Laune und sorgt dementsprechend für Heiterkeit. In der Osterzeit kann auch die Form eines Ostereies oder -hasen herauskommen – warum nicht? Als Zeitdokument gewinnen Gruppenaufnahmen zusätzlich, wenn jeder zusammen mit seinem aktuellen Lieblingsgegenstand abgebildet wird. Sie sehen, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, denn natürlich kann man sich auch überlegen, zum Beispiel das neue Auto mit einzubeziehen.

Ob die Gruppe in den eigenen vier Wänden oder aber im Freien abgelichtet wird, hängt schlichtweg von den persönlichen Begebenheiten ab. Wichtig ist in jedem Fall, auf den Hintergrund zu achten. Dieser sollte in Unschärfe versinken und nicht von den Akteuren ablenken. Jetzt in der Osterzeit bietet es sich natürlich an, für die Gruppenaufnahme nach draußen zu gehen. Hat man keinen eigenen Garten, dann geht es zusammen beispielsweise in den Park oder an einen anderen Ort, der wie geschaffen ist, für Gruppenaufnahmen.

Je größer die abzulichtende Gruppe ist, desto wahrscheinlicher ist die Wahl des Querformates – es sollen schließlich ja alle mit aufs Bild. Setzt sich die Gruppe nur aus wenigen Personen zusammen, so kann sich auch das Hochformat anbieten. Die Kinder müssen ja nicht stehen, sondern können sich beispielsweise auf Vaters Schulter setzen. Das spart in der Breite.

Wichtig bei Gruppenaufnahmen ist natürlich die Ausleuchtung – die Gesichter müssen erkennbar sein, damit die Fotografien auch Geschichten erzählen. Wird die Gruppe im Freien abgelichtet, scheinen strahlende Sonne und blauer Himmel die idealen Voraussetzungen für gute Fotos zu sein – für Aufnahmen von Menschen sind diese Lichtverhältnisse wenig geeignet. Direkte Sonne ist zu grell, um die Feinheiten von Oberflächenstrukturen und Hauttönen hervortreten zu lassen, und bei bestimmten Einfallsrichtungen kann hartes Licht beispielsweise feine Fältchen in tiefe Furchen verwandeln. Aber nicht nur das – als Fotograf hat man mit Schlagschatten unter den Nasen ebenso zu kämpfen wie damit, dass die Augen in dunkle Höhlen verwandelt werden. Die Mittagssonne ist also für Gruppenaufnahmen weniger gut geeignet, außer man fotografiert mit Reflektoren. Das schwächere Sonnenlicht in den Morgen- oder späteren Nachmittagsstunden ist wesentlich günstiger. Die Akteure sollten so positioniert werden, dass das Licht etwa im Winkel von 45 Grad auf das Gesicht fällt. Der Blick in die Sonne führt hingegen zu zugekniffenen Augen, was natürlich weniger vorteilhaft ist und zu keinem guten Bildergebnis führt. Wird schräg gerichtetes Tageslicht zur Herausarbeitung charakteristischer Gesichtszüge eingesetzt, tragen Dunst und leichte Wolken dazu bei, das Sonnenlicht weicher zu machen. Dichtere Wolken führen zu noch diffuserem Licht und modellieren die Gesichter sanft heraus. Bedeckter Himmel bietet aber noch den großen Vorteil, dass es wesentlich einfacher ist, die optimale Belichtung zu finden, so dass sowohl die Lichter als auch die Schatten ausreichend durchgezeichnet werden. Gerade bei Gruppenaufnahmen ist die ideale Beleuchtung das gleichmäßige Licht. Dieses bringt alle Details deutlich zum Vorschein. Bei nicht zu hellem Licht kann man auch die Blende etwas weiter öffnen, um die für die selektive Scharfeinstellung die notwendige geringere Schärfentiefe zu erhalten.

Ein Stativ ist in jedem Fall anzuraten und erst recht dann Pflicht, wenn der Fotograf mit aufs Gruppenbild möchte. Stative gelten zu Recht als die dritte Hand des Fotografen – nicht nur bei Gruppenaufnahmen. Nahezu jede Kamera ist mit einer Selbstauslöserfunktion ausgestattet. Wird damit fotografiert, so sorgt das in jedem Fall für Heiterkeit, denn die übrige Gruppe amüsiert es prächtig, wie der Fotograf zu seiner zuvor festgelegten Position rennt. Empfehlenswert ist es auch, die Serienbildfunktion einzuschalten. Die Praxis zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit mit jeder Person mehr steigt, dass irgendeiner die Augen geschlossen hat. Aus diesem Grund sind viele Aufnahmen von der Gruppe notwendig bis alles so ist, wie man es wünscht.

Diese Gruppenaufnahmen gehören nicht nur in das Familienjahrbuch, sondern alle, die mitgewirkt haben, sollten die Aufnahmen erhalten. Das geht natürlich per E-Mail oder auch über Whatsapp, Facebook und Co. Sehr viel schöner aber ist es, über Bilddienstleister Karten mit der Gruppenaufnahme zu erstellen und sich bei den Personen für den unvergesslichen Tag zu bedanken.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2014

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