HDR-Fotografie - Kontrastreich, sehenswert, abschreckend und noch viel mehr

© Fotograf: Robert Meyer, the red eyecatcher, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Robert Meyer, the red eyecatcher, Blende-Fotowettbewerb
HDR – High Dynamic Range – ist heute aus der Fotografie nicht mehr wegzudenken. Dass dem so ist, ist der weiterentwickelten Kameratechnik ebenso zu verdanken wie der großen Faszination der Fotografen HDR gegenüber. Die Meinungen über HDR – also kontrastreicheren Aufnahmen – gehen mitunter weit auseinander. Das ist wohl menschlich, denn die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Wir stehen HDR auch zwiegespalten gegenüber. Ein wenig HDR, so unsere Meinung, kann für Landschaftsaufnahmen oder beispielsweise nächtliche Stadtimpressionen sehr förderlich sein – zu viel HDR hingegen kann die Szenerie unnatürlich erscheinen lassen, was aber auch reizvoll sein kann, jedoch nicht muss. Bei Industriegebäuden – gerade alten und im Verfall befindlichen – empfinden wir extremes HDR vielfach als aussageunterstützend. Wie viel Kontrast man also der Aufnahme verpasst, hängt zum einen vom Motiv ab, aber auch von der Intention, die man als Fotograf verfolgt. In jedem Fall sollte man sich unseres Erachtens in HDR versuchen, um auch die Vorteile für sich kennenzulernen.

© Fotograf: Medi Bauer, Umland von Aschaffenburg, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Medi Bauer, Umland von Aschaffenburg, Blende-Fotowettbewerb
Für HDR-Aufnahmen wird eine Belichtungsreihe benötigt. Sie setzt sich aus mindestens drei deckungsgleichen Aufnahmen bei unterschiedlicher Belichtung zusammen. Zahlreiche aktuelle Kameramodelle unterstützen HDR – ist man nicht im Besitz einer solchen Kamera, so muss die Belichtungsreihe manuell erfolgen. 100-prozentig deckungsgleiche Aufnahmen setzen unseres Erachtens voraus, dass die Kamera auf einem Stativ ruht. Es gibt natürlich inzwischen auch Software, mit der sich ein leichter Versatz der Aufnahmen ausgleichen lässt.

© Fotograf: Bernd Gradl, Kitzingen, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Bernd Gradl, Kitzingen, Blende-Fotowettbewerb
Fotografiert werden sollte im RAW-Format, denn das ist mit seiner Farbtiefe von 12 oder 14 Bit, je nach Kamera, wesentlich besser für das Zusammenfügen geeignet als das JPEG-Format mit 8-Bit-Farbtiefe.

© Fotograf: Kay-Uwe Bösche, Eingangshalle Beelitzer Heilstätten, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Kay-Uwe Bösche, Eingangshalle Beelitzer Heilstätten, Blende-Fotowettbewerb
Die mit einer Belichtungsreihe entstanden Aufnahmen können mithilfe von Photoshop oder anderer Bildbearbeitungssoftware zu einer Aufnahme mit einer Farbtiefe von 32 Bit zusammengefügt werden. Inzwischen gibt es spezielle HDR-Software wie beispielsweise aus dem Hause Franzis. Diese aus drei oder noch mehr Aufnahmen zusammengefügte Aufnahme fasziniert am Monitor betrachtet nicht unbedingt. Das ändert sich ab dem Moment, wenn der 32 Bit umfassende Dynamikfarbraum des HDR-Bildes in einen für Standardgeräte darstellbaren Farbraum umgewandelt wird – also in eine Farbtiefe von 8 oder 16 Bit. Dies wird als Tonemapping bezeichnet, für das es unterschiedliche Verfahren gibt. An dieser Stelle entscheidet der Fotograf, ob seine Aufnahme realitätsnah oder aber surreal erscheint. So hat man die Option durch Kontrastanhebung helle und dunkle Säume um kontrastreiche Kanten im Bild entstehen zu lassen. Diese Halos sind übrigens für den typischen HDR-look verantwortlich. Eine weitere Option ist es die Sättigung der Farben zu verändern. Als Fotograf sollte man mit den Möglichkeiten spielen.

© Fotograf: Andreas Dieckmann, Hamburger U-Bahn, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Andreas Dieckmann, Hamburger U-Bahn, Blende-Fotowettbewerb
Eine Alternative zum Tonemapping ist das Exposure Blending. Hier werden beispielsweise in Photoshop unterschiedlich belichtete Aufnahmen in Ebenen angelegt und die über- und unterbelichteten Bereiche der Einzelaufnahmen über eine Maske ausgeblendet. Auf diese Weise werden alle Daten der Ausgangsbilder zu einem Ergebnis überblendet, wobei der Bereich von 8 oder 16 Bit nicht verlassen wird.

HDR-Aufnahmen sind auch dann möglich, wenn man keine drei unterschiedlich belichteten deckungsgleichen Aufnahmen hat. In diesem Fall nimmt man seine Bilddatei, zieht von dieser mindestens drei Kopien und unterzieht diese verschiedenen Belichtungskorrekturen. Diese werden anschließend dann wieder zu einer Aufnahme vereint. Bei dieser Vorgehensweise darf man jedoch nicht die gleiche Qualität erwarten, als wenn eine Szenerie mit drei unterschiedlichen Belichtungen eingefangen wurde. Oftmals sind diese Aufnahmen durch das nachträgliche Erhöhen der Belichtung durch Bildrauschen gekennzeichnet.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2014

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