Fototipp: Hohe Motivkontraste bewältigen

HDR (High Dynamik Range) und Exposure Blending

Hohe Motivkontraste zwischen Lichtern und Schatten sind eine zu bewältigende Herausforderung auch dann, wenn der Kontrast Blendenstufen von 20 und mehr beträgt und der Sensor von aktuellen Vollformatkameras in der Regel „nur“ 10 bis 13 Blendestufen abdeckt. Hohe Motivkontraste sind unter anderem keine Seltenheit bei Innenraumaufnahmen mit dem Blick aus dem Fenster, bei beleuchteten Industrieanlagen und Städten in der Nacht oder, wenn beispielsweise bei Gegenlicht fotografiert wird. Eine Belichtungsreihe ist der Schlüssel zum Erfolg, mit der man hohe Motivkontraste spielend in den Griff bekommt. Dazu macht man drei oder noch mehr Aufnahmen bei unterschiedlicher Belichtung und führt diese Aufnahmen dann anschließend zu einer Aufnahme zusammen. Die Rede ist einmal mehr von HDR (High Dynamik Range) – zahlreiche Kameramodelle verfügen über dieses hilfreiche Feature. Wenn nicht, dann kann auf eine spezielle HDR-Software zurückgegriffen werden. „Exposure Blending“ gilt allgemein als Alternative und ist die technisch einfachere Variante, hohe Motivkontraste zu bewältigen. Hierbei handelt es sich auch um eine Belichtungsreihe. Jedoch nimmt man von jeder Belichtung nur die richtig belichteten Motivbestandteile und maskiert die zu dunklen beziehungsweise zu hellen Bereiche. Dies erfolgt mittels Software automatisch oder über die Bildbearbeitung mit Masken, wobei der Bereich von 8 oder 16 Bit nicht verlassen wird. Ob man sich für HDR oder „Exposure Blending“ entscheidet ein Stativ ist Pflicht müssen die Aufnahmen deckungsgleich sein.

Kai Meißner, Enten genießen Lichtspiel der Spiegelung, Blende-Fotowettbewerb
Kai Meißner, Enten genießen Lichtspiel der Spiegelung, Blende-Fotowettbewerb

Zurück zu HDR, das in der Vergangenheit oftmals in die Kritik geraten ist, weil die Aufnahmen nichts mehr mit der gesehenen Realität zu tun hätten und dementsprechend wie aus einer anderen Welt wirkten. Zu Beginn von HDR entschieden sich Fotobegeisterte bewusst für das kitschig bunte und somit Unnatürliche. Das lag an dem neuen speziellen HDR-Look der inzwischen weitestgehend out ist und nur noch dann zum Einsatz kommt, wenn dieses Stilelement die Bildaussage unterstreicht. Heute eingereichten Wettbewerbsbeiträgen, wie zu „Blende“ sieht man HDR vielfach nicht an und ist nur über die Beschreibung und/oder den Bildtitel ersichtlich. Wer HDR jetzt erst für sich kennenlernt, dem sollte man ruhig einräumen, sich auch in den Extremen zu versuchen, wird so auch deutlich, welche Optionen in HDR stecken.

Johann Bergsteiner, Die Pfarrkirche St. Sebastian mit der Raumsauer Ache, Blende-Fotowettbewerb
Johann Bergsteiner, Die Pfarrkirche St. Sebastian mit der Raumsauer Ache, Blende-Fotowettbewerb
Die Pfarrkirche Sankt Sebastian liegt im Ortszentrum des Dorfes Ramsau , mit der kleinen Brücke im Vordergrund und dem Massiv der Reiteralpe im Hintergrund. Fotografiert vom Ufer der Ramsauer Ache Nikon D750 – 24.0-70.0 mm f/2.8 42 mm, 1/80, ISO 100, f 6,3, Bearbeitet in Photoshop CS6

Für HDR-Aufnahmen wird also eine Belichtungsreihe benötigt. Sie setzt sich aus mindestens drei deckungsgleichen Aufnahmen bei unterschiedlicher Belichtung zusammen. Immer mehr aktuelle Kameramodelle unterstützen wie bereits ausgeführt HDR – ist man nicht im Besitz einer solchen Kamera, so muss die Belichtungsreihe manuell erfolgen.

Fotografiert werden sollte im RAW-Format, denn das ist mit seiner Farbtiefe von 12 oder 14 Bit, je nach Kamera, wesentlich besser für das Zusammenfügen geeignet als das JPEG-Format mit 8-Bit-Farbtiefe.

Christoph Weber, Morgens in den Lahn Auen, Blende-Fotowettbewerb
Christoph Weber, Morgens in den Lahn Auen, Blende-Fotowettbewerb

Die mit einer Belichtungsreihe entstanden Aufnahmen können mithilfe von Photoshop oder anderer Bildbearbeitungssoftware zu einer Aufnahme mit einer Farbtiefe von 32 Bit zusammengefügt werden. Inzwischen gibt es spezielle HDR-Software wie beispielsweise aus dem Hause Franzis, Unified Color, HDR Soft oder Oloner. Diese aus drei oder noch mehr Aufnahmen zusammengefügte Aufnahme fasziniert am Monitor betrachtet nicht unbedingt. Das ändert sich ab dem Moment, wenn der 32 Bit umfassende Dynamikfarbraum des HDR-Bildes in einen für Standardgeräte darstellbaren Farbraum umgewandelt wird – also in eine Farbtiefe von 8 oder 16 Bit. Dies wird als Tonemapping bezeichnet, für das es unterschiedliche Verfahren gibt. An dieser Stelle entscheidet der Fotograf, ob seine Aufnahme realitätsnah oder aber surreal erscheint. So hat man die Option durch Kontrastanhebung helle und dunkle Säume um kontrastreiche Kanten im Bild entstehen zu lassen. Diese Halos sind übrigens für den typischen HDR-look verantwortlich. Eine weitere Option ist, die Sättigung der Farben zu verändern. Als Fotograf sollte man mit den Möglichkeiten spielen.

Heiko Fritsch, ... mit Volldampf durch den Landkreis, Blende-Fotowettbewerb
Heiko Fritsch, … mit Volldampf durch den Landkreis, Blende-Fotowettbewerb

HDR-Aufnahmen sind auch dann möglich, wenn man keine drei unterschiedlich belichteten deckungsgleichen Aufnahmen hat. In diesem Fall nimmt man seine Bilddatei, zieht von dieser mindestens drei Kopien und unterzieht diese verschiedenen Belichtungskorrekturen. Diese werden anschließend dann wieder zu einer Aufnahme vereint. Bei dieser Vorgehensweise darf man jedoch nicht die gleiche Qualität erwarten, als wenn eine Szenerie mit drei unterschiedlichen Belichtungen eingefangen wurde. Oftmals sind diese Aufnahmen durch das nachträgliche Erhöhen der Belichtung durch Bildrauschen gekennzeichnet.

Fotografieren in der Praxis 05 / 2017

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