Herbstliche Farbenpracht

Herbststurm Bildgalerie betrachten Blende ,“Herbststurm”
Herwig Spielvogel

Die Kamera sollte gerade im Herbst bei Spaziergängen mit von der Partie sein, denn das, was sich einem in dieser Jahreszeit an Stimmungen und Lichtern offenbart, ist zu keiner anderen Jahreszeit so eindrucks- und stimmungsvoll. Graphisch reizvoll ist besonders der Kontrast von dunklem Holz und dem hellen Herbstlaub, vom saftigen grün bis hin zu rötlichen und gelblichen Farbtönen. Die große Kunst für den Photographen besteht darin, diese so genannten „Allerweltsmotive“ so abzulichten, dass in ihnen das Besondere zum Ausdruck gebracht wird. Hier heißt es, mit der Perspektive zu spielen, aber auch mit den Möglichkeiten der Kamera.

Bei den meisten Motiven kann man sich voll und ganz auf die Programmautomatik - gekennzeichnet meist mit den Buchstaben „P“ oder „A“ - der Kamera verlassen. Sie wählt aufgrund der herrschenden Lichtverhältnisse und der eingestellten Empfindlichkeit die optimale Kombination aus Blende und Belichtungszeit. Letztere wird von der Kamera so kurz vorgegeben, dass verwacklungsfreie Aufnahmen möglich werden, die Blende wird entsprechend korrigiert. Bei längeren Belichtungszeiten, wie man sie oft in Wäldern benötigt, warnen viele Kompaktkameras den Anwender vor der Verwacklungsgefahr oder aktivieren den eingebauten Kamerablitz zur Aufhellung des Motivs. Möchte man seinen Aufnahmen eine gezielte Schärfentiefe geben, so empfiehlt sich die Zeitautomatik, die bei vielen Kameras mit einem „A“ - aus dem Englischen Aperture Priority, übersetzt „Vorgang Blende“ - angegeben wird. Der Photograph stellt dabei die Blende am Objektiv ein und die Kamera reguliert anhand der Messresultate den Verschluss der Kamera. Möchte man bei einer Landschaftsaufnahme die optimale Schärfe über das gesamte Bild, so sollte eine große Blendenzahl - kleine Blendenöffnung - gewählt werden. Bei kleinen Blendenöffnungen lohnt sich der Blick auf die Belichtungszeit, um Verwacklungen zu vermeiden. Der Einsatz eines Stativs kann deshalb bei Landschaftsaufnahmen auch im Zeitalter der Digitalphotographie und trotz eventuell vorhandener Bewegungsstabilisatoren ratsam sein. Wird mit einer großen Blendenöffnung gearbeitet, so spielt für die Qualität der Aufnahme, und somit für ihre Wirksamkeit, die Darstellung des unscharfen Bereiches eine große Rolle. Die Schärfentiefe kann bewusst an einen - auf den ersten Blick - falschen Ort gelegt werden. Indem der Betrachter irritiert wird, gelingt es, der Aufnahme einen besonderen Reiz zu geben.

Für den Photographen ist es vielfach leichter, eine ihm fremde Landschaft abzulichten, denn diese beeindruckt alleine schon durch ihre Fremdheit, weil sie neu ist und man sie ja nicht jeden Tag sieht. Wichtig ist es, ein Gespür für interessante Kompositionen zu entwickeln. Leichter hat man es, wenn man sich vom metaphorisch schon recht strapazierten Motiv einsamer Bäume eventuell löst und sich einer Baumgruppe hingibt. Gerade im Wald kommen noch andere Einflüsse zum Tragen, wie die Lichtführung oder beispielsweise die Einbeziehung von lebenden und abgestorbenen Bäumen. Entscheidend für gute Aufnahmen ist neben der Zeit, die man sich dafür nimmt, die künstlerische Interpretation durch das Stilmittel der selektiven Schärfe. Wird mit ihr gearbeitet, so muss sichergestellt sein, dass die Aufnahme tatsächlich eine Schärfe besitzt. Das beginnt bereits mit der richtigen Fokussierung. Autofokussysteme stellen gerne einfach auf die nächstliegende Ebene scharf, beziehungsweise auf die Bildmitte. Es kann durchaus lohnenswert sein, das AF-Messfeld im Sucher mal an den linken oder rechten Rand zu verschieben. Auch der Kamerastandpunkt sollte nicht außer Acht gelassen werden. Es kann überaus lohnenswert sein, in die Knie zu gehen und Bäume nicht als Ganzes abzulichten, sondern nur einen Teil wie beispielsweise ihre Stämme. Ebenso verhält es sich beim Blick mit der Kamera in die Baumkronen. Entscheidend für die Bildwirkung ist also neben allen Funktionen, die die Kamera zu bieten hat, die Perspektive und aus welcher Höhe die Aufnahme entsteht. Meist ist man geneigt, alles aus Augenhöhe photographieren zu wollen, was an der gewohnten Sichtweise liegt. Es lohnt sich auch mal, in die Knie zu gehen oder sich gar auf den Boden zu legen und den Auslöser zu betätigen oder aber den Hochsitz des Försters für sich zu nutzen.
 

Fotografieren in der Praxis 10 / 2006

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