Gefrorene Zeit - Highspeed-Fotografie

© Georg Schuh, Splash Bildgalerie betrachten

Splash und High-Speed war auch für die Finalisten des BIG-Pictures Wettbewerb von Olympus angesagt. Auf der Foto-Convention in Zingst im März 2017 mussten sie im Rahmen von Workshops fotografische Aufgabenstellungen lösen – darunter in einem Splash-Workshop, geleitet von Ralph Man, den richtigen Augenblick erwischen. Die dabei entstanden Bilder und die des Fotowettbewerbs können übrigens im Rahmen des Umweltfotofestivals „horizonte zingst“ ab dem 21.5.2017 im Steigenberger Strandhotel betrachtet werden. Mit dabei war der Blende Teilnehmer Georg Schuh. Er berichtet uns von dem Event und gibt dazu noch ein paar Tipps, wie man auch mit kleinem Budget bunte und kreative Splashfotos realisieren kann.

Voraussetzungen für Hochgeschwindigkeitsfotografie

Für die Hochgeschwindigkeitsfotografie benötigte man bisher sehr viel Zeit für die Vorbereitungen und zudem auch das entsprechende Budget für die notwendige Ausrüstung. Eine Vielzahl an erschwinglichen aktuellen Aufnahmegeräten liefert die technischen Voraussetzungen für die Hochgeschwindigkeitsfotografie. Dazu gehört die Olympus OM-D E-M1 Mark II, die 60 RAW-Bilder in der Sekunde schießt und einen entsprechend großen Pufferspeicher besitzt, um diese auch zu speichern. Mit einer entsprechend schnellen SDHC II Speicherkarte sind dann auch die Pausen zwischen zwei Bildfolgen kurz. Kombiniert mit dem elektronischen Verschluss, lassen sich Belichtungszeiten bis zu 1/32.000 realisieren. Um spritzendes Wasser einzufrieren genügt in Abhängigkeit vom Bildwinkel bereits eine Belichtungszeit von 1/2.000 Sekunde – vorausgesetzt das Licht ist ausreichend. Bei der Wahl der Blende gilt es zu berücksichtigen, dass eine offene Blende bei hoher Lichtstärke des Objektivs zwar sehr kurze Belichtungszeiten ermöglicht, die daraus resultierende geringe Schärfentiefe ist aber gerade bei Splash-Aufnahmen mit farbigem Wasser nicht zu empfehlen. Deswegen muss die Sonne ins Studio geholt werden. Für das dafür notwendige Licht sorgten beim Workshop extrem leistungsfähige Dauerlichtsysteme, denn auf dem Markt gibt es derzeit noch keine Studioblitzanlagen, die so kurze Blitzfolgezeiten schaffen, um mit der Kamera mitzuhalten.

In der Praxis

Mit Hilfe von zwei Assistentinnen wurde das Modell mit flüssiger Farbe (Wasser mit Fingerfarben gemischt) bespritzt. Das erfordert etwas Übung, damit synchron und in der gewünschten Höhe die Farbe das Modell umhüllt. Das Modell sollte also „leidensfähig“ und nicht wasserscheu sein. Rechtzeitig den Auslöser gedrückt, rattert die E-M1 locker bis zu 60 Bilder durch, aus denen dann die optimalen Shots anschließend ausgesucht werden können. Während des Shootings sind übrigens durch den elektronischen Verschluss keinerlei störende Auslösegeräusche zu vernehmen. Als sehr praktisch bei einer etwas langsameren Reaktionszeit erwies sich der Pro Capture Modus – die Kamera speichert bis zu 14 Bilder vor dem Durchdrücken des Auslöseknopfes. Pro Capture beginnt, sobald man den Auslöser halb herunterdrückt, und wird mit einem Puffer ausgeführt, der auf bis zu 14 Bilder in voller RAW-Auflösung eingestellt werden kann. Wird dann der Auslöser vollständig herunter gedrückt, beginnt unterbrechungsfrei die Serienaufnahme und die letzten 14 früheren Bilder werden mit abgespeichert. So verpasst man den entscheidenden Augenblick nie mehr. Die Zahl der Praxisversuche hielt sich durch dieses Kamerafeature in Grenzen und eine hohe Bildausbeute mit dem Moment der Momente war garantiert.

Eine weniger feuchte Alternative ist, statt mit Wasser mit farbigem Sand zu arbeiten. Die dabei erzielten Effekte sind anders, aber genauso spannend und bei entsprechend kreativen Abwandlungen vielgestaltig im Bildergebnis. Auch längere Belichtungszeiten sind dabei einsetzbar, der Sand wirkt dann nicht körnig, sondern hat eher etwas kometenhaftes durch die Schweifwirkung.

Was tun, wenn einem dieses Equipment nicht zur Verfügung steht?

Bei Kameras mit geringeren Bildfolgezeiten ist die Auslösung der Kamera oder des Blitzes mit einer Lichtschranke die Alternative. Das erfordert umfangreiche Vorarbeiten, bei denen die Auslöseverzögerung durch die Positionierung der Lichtschranke kompensiert werden muss. Natürlich kann man es auch manuell ausprobieren, aber die Präzision einer Lichtschranke erreicht man nicht. Allerdings soll auch ein Nachteil der Lichtschranke nicht verschwiegen werden: Fliegt die Farbe oder das ausgewählte Objekt wie beispielsweise mit Wasser gefüllte Luftballons am Lichtstrahl vorbei, wird überhaupt nicht ausgelöst.

Bei günstigen Studioblitzsystemen ist bei voller Lichtleistung die Abbrenndauer des Blitzes zu langsam, um schnelle Bewegungen einzufrieren. Das bedeutet, dass an der Kamera eine kurze Belichtungszeit eingestellt werden muss, die dann wesentlich kürzer als die normale Blitzsynchronisationszeit ist. Da moderne digitale Kameras meist über eine High-Speed Blitzsynchronisation verfügen, ist das kein Problem, wenn das Blitzgerät mitspielt. Die besseren Aufstecksystemblitze unterstützen in der Regel die High-Speed Synchronisation. Allerdings reicht dann die Lichtstärke in der Regel nur für Aufnahmen im Nahbereich aus.

Möchte man Studioblitze verwenden, braucht man dazu eine kompatible High-Speed Fernauslösung. Inzwischen gibt es Studioblitzgerätehersteller, die für ihr Blitzsystem Fernauslöser für alle gebräuchlichen Kameramarken anbieten. Damit ist es möglich, bis zu Zeiten von 1/8.000 Sekunde zu synchronisieren. Auch Kombinationen von Low-Budget-Blitzauslösern und Blitzsystemen sind geeignet, allerdings nicht jede Kombination. Hier sollte man sich auf den Homepages der Hersteller und in den Foren der verschiedenen Fotocommunities informieren.

Als Alternative zur Lichtschranke gibt es für Smartphonebesitzer verschiedene Apps, die zum Auslösen der Kamera via WiFi die Sensorik des Smartphones benützen.

Ist man glücklicher Besitzer einer Kamera mit extrem schneller Bildfolge, dann hat man nur die Herausforderung mit dem Licht. Mit Dauerlichtsystemen in für Amateure akzeptablen Preisregionen müssen allerdings die ISOs hochgedreht werden, so dass das Bildrauschen gegebenenfalls schon im störenden Bereich liegt. Als Lösung bietet es sich an, das Shooting im Sommer bei voller Sonne ins Freie zu verlegen und mit Reflektoren die harten Schatten des Sonnenlichts aufzuhellen. Der nächste Strandurlaub kann somit für die ersten Experimente verwendet werden, aber bitte dann mit Rücksicht auf die Umwelt ohne den Einsatz von Farben.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2017

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