Hilfe, meine Bilder sind nicht scharf

Hilfe, meine Bilder sind nicht scharf
Aktuelle Kameramodelle liefern atemberaubende Bildqualitäten – wie gut diese sind, zeigt ein Blick in das eigene Bildarchiv und der Vergleich mit Aufnahmen von vor beispielsweise fünf Jahren, die mit einem älteren Kameramodell entstanden sind. Auch, wenn Kameras für perfekte Bildqualität stehen, so wird jeder früher oder später beim Betrachten seiner Aufnahmen am Monitor und auf Papierbildern feststellen, dass möglicherweise etliche Bilder nicht wirklich scharf sind. Das setzt natürlich auch ein Gespür für Unschärfe voraus. So haben wir vielfach schon die Erfahrung machen dürfen, dass uns die Schärfe in Aufnahmen fehlte und es der Fotobegeisterte gar nicht registrierte. Hat man die Erkenntnis, dass Aufnahmen unscharf sind, so sollte man sich auf die Fehlersuche begeben. Wir zeigen, wie Sie die Ursache(n) systematisch aufspüren und beheben können.

1. Prüfung in 100%-Ansicht

Zunächst einmal gilt es, zweifelsfrei zu prüfen, ob die Aufnahme schon als solche nicht scharf ist oder sich das Schärfeproblem erst im Wiedergabemedium eingeschlichen hat. Dazu kann als Hilfsmittel schon beim Fotografieren der Kameramonitor genutzt werden. In der Betrachtung als Ganzes erscheinen jedoch die meisten Aufnahmen auf dem kleinen Bildschirm zunächst einmal ausreichend scharf. Das kann allerdings leicht täuschen. Daher muss man auf 100%-Ansicht hineinzoomen.

Entscheidend ist, dann zu schauen, ob sich überhaupt eine scharfe Stelle im Bild befindet und erst anschließend zu prüfen, ob sie sich an der gewünschten Stelle befindet. Ist das Bild mindestens an einer Stelle scharf, springen Sie direkt zu Punkt 4. Ist es sogar an der gewünschten scharf und nur im Ausgabemedium problematisch, springen Sie zu Punkt 5. Ist das Bild jedoch generell nicht scharf, wie unser Beispielfoto, prüfen wir als nächstes die Aufnahmedaten:

2. Aufnahmedaten prüfen: Belichtungszeit kurz genug?

Bildinformationen
Bei vielen Kameras können die Aufnahmeparameter einfach über mehrfaches Drücken der Bildwiedergabetaste oder entsprechender Zusatztasten („Info“) angezeigt werden. Wer mit der Aufnahmetechnik nicht so versiert ist, wird mit den Werten zunächst wenig anfangen können. Aber keine Angst! In der Fülle der Informationen sind vor allem zwei wichtig: Die Belichtungszeit und der ISO-Wert. Die Belichtungszeit ist in der Regel ein Wert ab 60 (manchmal auch als 1/60 angegeben) und kann je nach Kameramodell bis zu 8.000 beziehungsweise 1/8.000 reichen.

Liegt die Zahl unter 100, sollte man die Schärfe sorgfältig prüfen. Nur ruhigen Händen gelingt es, darunter die Kamera noch still genug für ein verwacklungsfreies Bild zu halten. Bei schweren Teleobjektiven können die Werte sogar noch deutlich über 100 liegen. Ist das Foto nicht scharf, war es in diesen Fällen also in der Regel nicht die falsche Autofokus-Einstellung, sondern die zu lange Belichtung beim Fotografieren aus der Hand. Man hat nun die Option ein Stativ zu nutzen, mit dem sich Verwacklungen vermeiden lassen. Ist dieses nicht zur Hand, dann gilt es, die Belichtung zu korrigieren, indem die Blende weiter geöffnet oder der ISO-Wert erhöht wird. Sofern die Kamera darüber verfügt, aktiviert man die Bildstabilisierung, die der Handunruhe bis zu einem gewissen Grad entgegenwirkt. Ist das alles nicht möglich, hilft bei statischen Motiven nur ein stabiler Stand, den vor allem ein Stativ sichert. Bei dynamischen Motiven hilft bei maximaler Blende und höchstem ISO-Wert jedoch nur mehr Licht.

3. Aufnahme-/Schärfepriorität richtig gewählt?

Autofocus S
Ist die Belichtungszeit kurz genug, kann die Ursache für eine Unschärfe vor allem bei Kameras mit Wechseloptik auch der Autofokus-Modus sein. Er bietet in der Regel die Wahl zwischen Schärfe- oder Aufnahmepriorität. Die Einstellungen dazu lauten „Einzel-AF“/„Single AF“, „One-Shot-AF“ sowie alternativ „Kontinuierlicher AF“/„Continuous AF“. Beim kontinuierlichen AF führt die Kamera den Autofokus ständig nach und ist meist so voreingestellt, dass auch ausgelöst werden kann, wenn kein Schärfepunkt gefunden wurde.

Das Umstellen auf den Einzel-AF bzw. die Schärfepriorität bringt meistens die Lösung, da dort in der Regel nicht ausgelöst werden kann, wenn kein Schärfepunkt gefunden wird. Beim kontinuierlichen AF dagegen kann auch eine unscharfe Aufnahme gemacht werden. Eine detaillierte Erläuterung des Phänomens finden Sie in unserem Beitrag „Einzel- oder kontinuierlicher AF“. Um das Ganze noch etwas verwirrender zu machen, kann man bei Profi-Kameras sogar selbst bei kontinuierlichem Autofokus noch wählen, ob man Schärfe- oder Auslösepriorität bevorzugt und könnte dann eventuelle Probleme über die Kombination von kontinuierlichem Autofokus und Schärfepriorität lösen.

4. Schärfe an der falschen Stelle? – Autofokus korrigieren!

Findet sich mindestens eine scharfe Stelle im Bild, sitzt die aber nicht am gewünschten Platz, müssen ebenfalls die Autofokus-Einstellungen korrigiert werden. Beim Vollautomatik-Modus nimmt der Autofokus in der Regel einen der Kamera am nächsten liegenden Punkt. Das können bei einem Porträt aber statt der Augen auch die Hände sein. In einem solchen Fall empfiehlt es sich, die Autofokus-Felder gezielt auszuwählen, den Fokus zu speichern und dann zu verschwenken oder manuell scharf zu stellen. Wem das zu mühsam ist, der kommt bei Porträts oft auch mit dem Gesichtserkennungs-Modus des Autofokus weiter – wenn die jeweilige Kamera denn einen solchen anbietet. Bei aktuellen Kameras sehr hilfreich ist das Setzen des Autofokus über das Display. Mit dem Finger geht man auf dem Monitor auf die Stelle, die scharf sein soll.

5. Schärfe nur im Ausdruck mangelhaft?

Ist die Schärfe nur bei der Bildwiedergabe mangelhaft, könnte es daran liegen, dass die Auflösung nicht ausreichend war für die gewählte Druckgröße. Lesen Sie dazu im Detail unseren Beitrag „Fotodruck – die richtige Auflösung für den Druck“.

6. Optik verschmutzt

Ist das Objektiv, also das Auge der Kamera, verschmutzt, so kann die Ursache für fehlende Schärfe auch darin begründet liegen.

Fotografieren in der Praxis 02 / 2015

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