Hilfe, meine Kamera ist verstellt!

Hilfe, meine Kamera ist verstellt!
Wurde eine neue Kamera erworben, ist man noch nicht so vertraut mit seiner Kamera, hat man seine Kamera an Freunde einmal verliehen, hat man wie wild irgendwelche Tasten gedrückt oder war man schlichtweg schusselig, so können sich schnell falsche Einstellungen einschleichen, die natürlich Einfluss auf die Bildqualität haben. Der erste Schritt ist, mögliche falsche Kameraeinstellungen zu erkennen und diese natürlich zu korrigieren. Zum besseren Verständnis haben wir die nachstehenden Ausführungen anhand eines Kameramodells entsprechend bebildert. Bezeichnungen und Menüeinstellungen ähneln bei den Kameramodellen zwar, unterscheiden sich aber beispielsweise in der Benutzerführung.

Orientierung: Liegt ein Problem vor?

Zunächst muss man erkennen, dass sich überhaupt eine problematische Einstellung eingeschlichen hat. Das ist bei der Fülle der Möglichkeiten moderner Kameras gar nicht so einfach. Manchmal fällt es aber schlicht deshalb auf, weil die Kamera nicht tut, was man von ihr erwartet. (siehe dazu auch unsere Liste weiter unten)

Funktioniert der Auslöser nicht?

Autofokus
Ein nicht selten auftretendes Problem – vor allem bei Kameras mit Wechseloptik – ist etwa, dass sich der Auslöser manchmal nicht durchdrücken lässt beziehungsweise schlicht kein Bild gemacht wird. Manche sorgen sich dann schon, dass die Kamera kaputt ist. In der Regel ist die Ursache aber nur die Einstellung des Autofokus-Modus. Bei entsprechenden Kameras besteht die Wahl zwischen „Einzel-AF“ beziehungsweise „Single AF“ oder „One-Shot-AF“ sowie alternativ „Kontinuierlicher AF“ oder „Continuous AF“. Bei manchen Herstellern läuft die Einstellung auch unter den Begriffen „Auslöse-Priorität“ und „Schärfe-Priorität“.

Das Umstellen auf die Auslöse-Priorität beziehungsweise kontinuierlichen AF bringt meistens die Lösung für das Auslöseproblem, da dort in der Regel auch ein Bild gemacht werden kann, wenn kein Schärfepunkt gefunden wird. Allerdings können dann leicht auch unscharfe Aufnahmen entstehen. In der Regel empfiehlt es sich daher eher, vereinzelte Auslöseprobleme als Hinweise auf ein Scharfstellproblem zu akzeptieren und den kontinuierlichen AF nur in besonderen Situationen (z.B. in der Sportfotografie) gezielt zu aktivieren. Manche Kameras bieten auch eine Automatik für die AF-Moduswahl, die in den meisten Situationen sehr gut funktioniert.

Blick auf die Bildergebnisse

Neben offensichtlichen Funktionsproblemen sind es vor allem die fertigen Bilder, die Hinweise darauf geben, dass womöglich irgendetwas an der Kamera nicht richtig eingestellt ist. Man sollte daher generell nicht nur drauflos schießen, sondern sich den regelmäßigen Blick auf die Ergebnisse angewöhnen. Obwohl der relativ kleine Monitor der Kamera immer nur einen ersten Hinweis geben kann, sind dort erkennbare Schwächen ein deutliches Warnzeichen. Noch besser ist es, sich die Fotos mit eingeblendeten Aufnahmeparametern anzuschauen und auch auf sie immer ein Auge zu haben. Belichtungszeiten von unter 1/60 etwa sollten einen misstrauisch machen, da es schwer bis unmöglich ist, dabei Bilder aus der Hand zu schießen, die nicht verwackelt sind. Sofern die Kamera über eine Lupenfunktion verfügt, kann über sie die Bildschärfe besser kontrolliert werden.

Notlösung: Zurück auf Vollautomatik-Modus

Automatik
Hat man den Eindruck, dass etwas nicht stimmt, ist die erste Notlösung die Rückkehr zum Vollautomatik-Modus, da dies ohne Zeitverlust sehr schnell vollzogen werden kann und oft das Problem zunächst schon einmal löst. Die Vollautomatik ist bei vielen Kameramodellen mit dem Buchstaben „A“ oder „iA“ (für „intelligente Automatik“) gekennzeichnet.

Der Teilautomatik-Modus „P“ kann eine mögliche Fehlerquelle darstellen, da darin meist individuelle Einstellungen etwa zur Empfindlichkeit (ISO) berücksichtigt werden. Ist das Bild im Vollautomatik-Modus deutlich besser, spricht einiges dafür, dass die Einstellungen vorher nicht optimal waren.

Woran es genau hängt, ist gar nicht so schwierig herauszufinden, wenn man die als problematisch aufgefallene(n) Aufnahme(n) systematisch prüft. Wir werden hier in den nächsten Wochen detaillierte Anleitungen für die folgenden typischen Aufnahmeprobleme veröffentlichen:

  1. Hilfe, meine Bilder sind zu hell/zu dunkel!
  2. Hilfe, meine Bilder sind unscharf!
  3. Hilfe, meine Bilder haben einen Farbstich!
  4. Hilfe, meine Bilder sind „krisselig“/verrauscht!

Wenn gar nichts stimmt: Reset

Reset
Lässt sich das Problem nicht eingrenzen oder produziert die Kamera selbst im Automatik-Modus fehlerhafte Aufnahmen, sollte man die Aufnahmesituation prüfen: Vor allem bei sehr wenig Licht oder extremen Kontrasten können Kameras möglicherweise überfordert sein. Am besten macht man dann ein Testbild eines „einfachen“ Motivs, wie etwa einer Straßenszene bei mittelhellem Tageslicht und prüft, ob dieses im Vollautomatik-Modus richtig abgebildet wird. Ist das der Fall, kann schlicht die Aufnahmesituation die Kamera vor ein unlösbares Problem gestellt haben. Wird selbst das einfache Motiv im Vollautomatik-Modus nicht korrekt abgebildet, sollte man die Kamera beherzt auf die Werkseinstellungen zurücksetzen. Das ist in der Regel bei allen Modellen möglich.

Das genaue Vorgehen verrät die Bedienungsanleitung. Sicherheitshalber sollte man vorher die Speicherkarte entfernen, damit man nicht versehentlich Bilder löschen kann – was normalerweise beim Reset nicht passiert. Es soll aber schon vorgekommen sein, dass Reset und Formatieren verwechselt wurden. Hat man alle bisher genannten Aspekte geprüft und hilft auch der Reset nichts, dann sollte man seinen Fotohändler aufsuchen und um Rat fragen. Gegebenenfalls muss die Kamera zum Service – wie jedes technische Gerät kann auch ein Fotoapparat mal einen Defekt haben.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2015

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3 Kommentare

Hallo zusammen, Ich stimme euren Ausführungen vollkommen zu, doch gerade wenn man Neueinsteiger in der DSLR / DSLM Fotografie ist, kann es schon mal passieren, dass man sich derart in den vielfältigen Einstellungen "verwurstelt", daß irgendwann wirklich nur ein "Zurück in die Werkseinstellungen" hilft. Mir ging es damals genau so: Als ich voller Stolz meine Lumix G2 in den Händen hielt, hab ich natürlich alles, aber auch wirklich alles ausprobiert, was die Einstellungen so hergeben. "Learning by doing" halt. Irgendwann war der Punkt natürlich erreicht, wo ich dann allles sooo verstellt hatte, daß auch im Automatikmodus nichts mehr ging, so daß wirklich nur noch ein Reset half. Das passiert mir heute natürlich nicht mehr, aber bei absoluten Neueinsteigern sollte man da schon mal etwas verständniss aufbrigen. Grüße, Manfred

von Manfred Radtke
29. Januar 2015, 04:16:44 Uhr

Für mich gilt eins . Meine Kamera verleihe ich nicht ! Es gibt doch ein Sprichwort in Deutschland : "Verleihe nie dein Auto oder deine Frau" und schon gar nicht deine Kamera . Und daran halte ich mich . Grüße aus Santiago de Chile H.-G. Bude

von Hans-Gerhard Bude
28. Januar 2015, 16:58:57 Uhr

Hallo, Artikel wie diese sieht man immer wieder, ich frage mich nur warum eigentlich. Gibt esw in Automobil Foren auch solche Artikel "Hilfe ich habe mich verschaltet, welcher Gang ist der richtige"? Ich glaube, dass ist eine Frage der Grundlagen und deren Verständnis. Wer Auto fahren will wird gezwungen sich mit den Grundlagen auseinander zu setzen, wer sich einen Computer, Handy oder eine Fotokamera kauft muss das nicht, er muss nur genügend Geld besitzen. Ich denke eine richtige oder falsche Kamera Einstellung gibt es nicht wirklich, es kommt immer darauf an was der Fotograf erreichen möchte mit seinem Bild. Wer an seiner Kamera eine EInstellung sucht die immer in jeder Situation gute Bilder macht, der hat sich wohl die falsche Kamera verkaufen lassen, da hätte es wohl auch eine ganz einfache und viel gümstige Kamera getan. Wenn eine Kamera den Bedürfnissen u7nd dem Wissen des Fotografen entspricht wird man verstehen was und warum es so eingestellt ist wie es ist und es ergibt sich erst gar nicht die Situation "Hilfe meine Kamera ist falsch eingestellt!" Gruß Oli

von Oliver Teske
28. Januar 2015, 13:40:41 Uhr

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