Faszination pur - Irreale Farben

Rote Stunde Bildgalerie betrachten Blende ,“Rote Stunde”
Kirsten Kummetat

Mit Farben zu experimentieren ist eine der vielen Optionen, die Photographen nutzen, um ihren Aufnahmen eine andere Anmutung zu verleihen. Entsprechen die abgebildeten Farben nicht der Realität oder dem gewohnten, so ist einem der Blick des Betrachters garantiert. Wird mit der Farbe gespielt, so sollte die Manipulation nicht Selbstzweck sein, sondern das Motiv unterstreichen und die Stimmung intensivieren.

Wie die Farben eines Motivs wahrgenommen werden, ist abhängig von der Farbtemperatur des Lichtes sowie von der Oberfläche des Motivs, das bestimmte Wellenlängen reflektiert. In der analogen Photographie kann die Farbwiedergabe durch die Wahl der Filmart - Tages- oder Kunstlichtfilm - sowie durch Filter manipuliert beziehungsweise korrigiert werden. Mit der digitalen Photographie sind die Möglichkeiten der Einflussnahme auf die Farbe weitaus größer, dementsprechend viele Optionen stehen dem Photographen offen. Vor der Aufnahme kann beispielsweise der Weißabgleich so verändert werden, dass Farben intensiviert werden. Ist das Motiv ein Sonnenuntergang, so führt die Einstellung „Tageslicht“ zu einer Verstärkung des Rottons. Entscheidet man sich hingegen für die Einstellung „Kunstlicht“, erhält man weitgehend neutrale Farben. Einen noch größeren gestalterischen Spielraum haben die Photographen, die im Besitz einer Kamera sind, bei der die Möglichkeit besteht, die Farbtemperatur in Kelvin schrittweise zu verändern - meist in 100er Schritten. Durch den bewusst gewählten Weißabgleich können fast schon einfarbige (monochrome) Photos das Resultat sein. Einige Digitalkameras können mit Hilfe des so genannten Weißabgleich-Bracketing eine Aufnahme automatisch mit verschiedenen Weißabgleicheinstellungen abspeichern. Das ist besonders in schwierigen Mischlichtsituationen eine gute Option, farblich die gewünschte Aufnahme zu erhalten, ohne manuell immer wieder eingreifen zu müssen. Bei dieser Methode drückt man nur einmal auf den Auslöser, die Kamera speichert jedoch drei Versionen des Photos mit unterschiedlichen Farbnuancen. Filter bieten auch dem Digitalphotographen die Möglichkeit, auf die Farbgebung während der Aufnahme Einfluss zu nehmen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die Kamera über ein Filtergewinde verfügt. Für welches Filter man sich entscheidet, ist von der gewünschten Intension abhängig.

Viele Analog- und Digitalphotographen ziehen es vor, ihre Aufnahmen erst nachträglich mittels digitaler Bildbearbeitung zu manipulieren - hier sind die Möglichkeiten je nach Software schier grenzenlos. Zu beachten ist, dass Veränderungen am Bild immer nur an der Kopie erfolgen sollten. Um eine gute Bildqualität zu gewährleisten, muss man sich für ein Bildformat entscheiden, das nicht mit jedem Abspeichern zu einem Verlust an Bildinformationen führt. Bei den meisten Bildbearbeitungsprogrammen kann eine Voransicht gewählt werden, damit man sich die Veränderungen vor Augen führen kann.
 

Fotografieren in der Praxis 03 / 2007

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