Warum Kameragurte ein wichtiges und damit nützliches Fotozubehör in der Praxis sind

Kameragurte – Vielfalt für unterschiedliche Einsatzzwecke

In der Regel befindet sich im Lieferumfang jeder Kamera ein Gurt, der zuerst einmal umständlich in die Ösen am Body eingefädelt werden muss. Dann kommt er um den Hals und die Kamera hängt vor dem Bauch, sicher und griffbereit. Warum sind dann Kameragurte überhaupt ein Thema? Leider sind die im Lieferumfang enthaltenen Kameragurte häufig etwas unkomfortabel oder das Design gefällt nicht. Kollidiert die Kamera mit dem Bauch des Trägers, oder möchte man aus einem anderen Grund die Kamera lieber seitlich tragen und den Gurt diagonal über Brust und Rücken, sind die mit gelieferten Kameragurte meist zu kurz. Zudem gibt es etliche Einsatzgebiete bei denen der klassische Nackengurt nicht die optimale Lösung in der Fotopraxis ist.

Welche Gurttypen gibt es nun? Was sind die Vorteile und Nachteile?

Klassischer Nackengurt

Nackengurt © Georg Schuh
Der klassische Nackengurt ist nicht umsonst heute immer noch der meist eingesetzte Typ. Sein Vorteil: Er liegt relativ eng am Körper und hat aufgrund der geringen Länge ein niedriges Eigengewicht. Für Fotografen, die hauptsächlich den Sucher verwenden, ist er weiterhin die ideale Lösung. Setzt man dagegen häufiger die dreh- und kippbaren Displays zum Festlegen des Motivausschnittes aus oft ungewöhnlichen Perspektiven ein, ist man gezwungen, den Kameragurt über den Kopf abzustreifen und er hängt lästig vor der Kamera, bei bodennahen Motiven streift er dann sogar auf dem (schmutzigen) Untergrund.

Slinggurt

Slinggurt © Georg Schuh
Klassiker sind inzwischen die Gurte von Sun-Sniper. Die Kamera baumelt nicht mehr vor dem Bauch, sondern unauffällig, aber griffbereit, seitlich am Körper. Der Gurt, oft mit breiten gepolsterten Auflageflächen liegt diagonal über Rücken und Brust auf der Schulter auf und entlastet, vor allem bei schweren Gehäuse-Objektivkombinationen die Halswirbelsäule. Zusätzlich sorgen je nach Ausführung elastische Gurtelemente für zusätzlichen Tragekomfort. Allerdings ist die Belastung etwas einseitig und bei gleichzeitigem Tragen eines Rucksacks kommen sich die Gurte in die Quere. Zudem kann im Gedränge die Kamera beim seitlichen Tragen leichter irgendwo anstoßen.

Die Befestigung am Gehäuse erfolgt meist am Stativgewinde. Das hat den Nachteil, dass man den Gurt abschrauben muss, möchte man die Kamera am Stativ befestigen. Inzwischen gibt es relativ kompakte Gehäuseverankerungen mit integrierter Stativplatte für gängige Systeme. (Arca-Swiss und Manfrotto). Die Verbindung zum Gurt erfolgt über eine Öse, durch die der Gurt hindurchläuft, so dass die Kamera blitzschnell zum Auge geführt werden kann. Andere Hersteller setzen auf extrem glattes Gurtmaterial, das geschmeidig über die Kleidung gleitet.

Kreuzgurt

Kreuzgurt © Georg Schuh
Er ist die optimale Lösung bei Wirbelsäulenproblemen, denn durch die gleichmäßige Gewichtsverteilung ist er ideal für das Tragen von schweren Kameras. Praktisch ist, wenn die Kamera am Kreuzgurt, wie bei TSOptics oder glüxxtreffer, über leicht zu öffnende Blitzverschlüsse befestigt wird, denn den Kreuzgurt abzunehmen ist im Vergleich mit anderen Gurtsystemem umständlich.

Handschlaufe

Handschlaufe © Georg Schuh
Für leichte Kameras bieten sich Handschlaufen an, die nur mit einer Befestigungsöse an der Kamera befestigt werden. Allerdings sollte man darauf achten, dass der Schlaufendurchmesser leicht verstellbar ist, damit ein Abrutschen über die Hand unmöglich ist. Für schwere Kameraobjektivkombinationen sind die auch oft zusätzlich zum Tragegurt anbringbaren Handschlaufen geeignet, die an zwei Punkten seitlich an der Kamera befestigt werden können. Allerdings ist nur bei wenigen Kameras diese zweite Befestigung vorhanden. Oft befindet sich die zweite Öse am für professionelle Modelle erhältlichen Hochformatgriff. Alternativ gibt es von den Handschlaufenherstellern Befestigungsplatten, die am Stativgewinde angebracht werden können. Diese Art von Handschlaufen ermöglicht einen sicheren festen Griff bei gleichzeitiger maximaler Bewegungsfreiheit. Die meisten Kamerahersteller haben für ihre Modelle Handschleifen im Angebot, die optimal auf den Kameratyp abgestimmt sind.

Capture Clip System © Georg Schuh
Doch wohin mit der Kamera, wenn man zwei Hände frei haben möchte und auch keinen Gurt um den Hals? Hier bietet sich das Capture Clip System von Peak Design an. Mit der Arca Swiss kompatiblen Bodenplatte im Stativgewinde wird die Kamera in einen massiven, am Hosengürtel oder Rucksackgurt, befestigten Clip fixiert. Der lässt sich auch wieder einhändig öffnen und besitzt zusätzlich noch eine Verriegelungsmöglichkeit gegen unbeabsichtigtes Öffnen.

Designgurte

Designgurte © Georg Schuh
Für fast jedes Tragesystem gibt es verschiedene Hersteller, die für jeden Geschmack und Geldbeutel passende Gurte liefern. Vom feinsten Elchleder (Eddycam) bis hin zu individuell angefertigten Gurten (glüxxtreffer) findet das Fotografenherz das Design und den Typ seiner Wahl.

Ein Befestigungssystem ist ratsam

Anchor Links System an Fremdgurt © Georg Schuh
Hat man nun für die verschiedenen Einsatzgebiete unterschiedliche Gurte, ist ein Befestigungssystem sinnvoll, das erlaubt schnell zwischen den Gurten seiner Wahl zu wechseln. Hier bietet sich zum Beispiel das Anchor Links System von Peak-Design an, mit dem man sekundenschnell den Gurt von der Kamera ablösen und austauschen kann. Mit dem System können auch Gurte anderer Hersteller ausgerüstet werden, so dass der edle Designergurt für den Stadtbummel schnell gegen den robusten vom letzten Outdoor-Einsatz gewechselt werdet kann. Auch wenn der Gurt häufig entfernt werden soll, weil er in bestimmten Aufnahmesituationen z.B. in Bodennähe stört, bietet sich dieses System als flexible Lösung an.

Resume: Die eierlegende Wollmilchsau gibt es auch unter den Kameragurten nicht. Dieser Praxistipp gibt einen Überblick über die Systeme und ihre Einsatzgebiete. Trotzdem empfiehlt es sich vor dem Kauf beim Händler die Gurte auszuprobieren.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2018

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