Der andere Blick - Kinder hinter der Kamera

In weiter Ferne Bildgalerie betrachten

Blende ,“In weiter Ferne”
Claudia Steinbrecher ,18 Jahre

Aufnahmen von Kindern und Jugendlichen überzeugen durch grenzenlose Lebensfreude, den - für Erwachsene - oftmals unkonventionellen Blickwinkel und durch Motive, die den Älteren verborgen sind, weil diese von ihnen nicht wahrgenommen werden. Mit Hilfe der Photographie, deren vorrangige Aufgabe es ja ist, Augenblicke einzufangen, bevor sie vorüber sind, und Erlebnisse dauerhaft zu konservieren, können sich Kinder und Jugendliche über die Photographie für jeden verständlich mitteilen. Wie drückte es der Photograph Andreas Feininger so treffend aus: „Photographie, die Sprache des Sehens, ist mein Medium. Indem sie die Kluft zwischen Sprache und Buchstaben überbrückt, wird sie zum idealen Mittel der weltweiten Kommunikation."

Überaus lohnenswert ist es, Kindern, selbst wenn sie den Wunsch noch nicht ausgesprochen haben, eine Kamera in die Hand zu geben. Der Markt bietet eine Reihe an kindgerechten Kameras, und digitale Modelle haben den Vorteil, dass die Folgekosten geringer ausfallen, als in früheren Zeiten. Zudem werden Kinder und Jugendliche in ihrem Tatendrang nicht begrenzt, weil der Film schon voll ist - außer man hat sich fürs erste für eine Single Use Camera entschieden. Beim Kauf einer Kamera, übrigens macht man damit bereits Vierjährigen eine große Freude, sollte darauf geachtet werden, dass die Bedienelemente für Kinderhände gut erreichbar sind und die Kamera auch eine gewisse Abhärtung gegen rauen Umgang mitbringt. Die Kameraausstattung ist entsprechend der Altersklasse zu wählen. Während Vier- bis Sechs-Jährige sicherlich noch keinen Wert auf viele Features legen, können diese für Kinder ab neun und älter durchaus von Interesse sein, weil sich damit besser experimentieren lässt. Von Vorteil ist ein großer Sucher, damit den Kinderaugen ein schneller Durchblick auch ohne Display garantiert ist. Speicherkarten mit großen Kapazitäten sind empfehlenswert, da Kinder und Jugendliche vieles aufspüren, was für sie photographierenswert ist. Kameramodelle, bei denen das Objektiv beim Ausschalten automatisch geschützt ist, haben den Vorteil, dass der Objektivschutz nicht verloren gehen kann beziehungsweise das Objektiv bei nicht Gebrauch auch geschützt ist. Ein 3-fach optisches Zoom sollte die Kamera in jedem Fall mitbringen, denn Kinder und Jugendliche möchten auch wieter entfernte Motive aufspüren. In der Regel ist es nicht notwendig, mit Kindern und Jugendlichen lange die Bedienungsanleitung zu studieren, denn vieles erfolgt bei ihnen intuitiv richtig. Ratsam ist es auf den achtsamen Umgang hinzuweisen, damit das Photovergnügen des Nachwuchses auch von Dauer ist. Klebrige oder gar schlammige Finger gehören gereinigt, die Kamera sollte nicht ohne Schutz, beispielsweise im Schulranzen, herum fliegen oder gar umher geworfen werden.

Gerade wenn die photographierenden Kinder noch etwas kleiner sind, dann benötigen sie natürlich auch etwas Unterstützung von den Eltern, wenn es beispielsweise um die Bildarchivierung und -ausgabe geht. In jedem Fall sollten es sich die Eltern verkneifen, Bilder zu löschen, die ihrer Ansicht nach nicht gelungen sind. Auch sollte man mit den Kindern keine großen Diskussionen um ein Bild führen, denn der Sprössling wird schon seinen Grund gehabt haben, warum der Auslöser betätigt wurde. Gerade wenn das Kind mit dem Photographieren beginnt, heißt es, es gewähren zu lassen und ihm keine Vorschriften zu machen oder gar die eigene Sichtweise aufzuzwängen. Besteht schon länger eine Affinität zur Photographie, dann ist der Nachwuchs sicherlich gegenüber Tipps, beispielsweise zur Bildgestaltung, aufgeschlossen.
 

Fotografieren in der Praxis 11 / 2006

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