Kinderportrait - Charaktermerkmale und Stimmungen

Kleiner Turner Bildgalerie betrachten Blende ,“Kleiner Turner”
Bernd F Robers

Kinder gehören zu den bevorzugten Photomotiven, aber leider werden sie viel zu selten portraitiert. Millionen von Schnappschüssen beweisen das Anliegen der Eltern, die schönen Seiten der Kindheit ihrer Sprößlinge festzuhalten - dagegen ist auch nichts einzuwenden. Die meisten dieser Familienaufnahmen vermitteln jedoch oft nur einen flüchtigen Blick auf das Kind zu irgendeinem Zeitpunkt seiner Entwicklung. Wie das Kind wirklich zu dem Zeitpunkt der Aufnahme war, bleibt dem Erinnerungsvermögen überlassen. Anders verhält es sich beim Kinderportrait, das neben dem flüchtigen Augenblick auch die wesentlichen Charaktermerkmale festhalten sollte. Dieses Kunststück hängt nicht nur von der Scharfeinstellung, der richtigen Belichtung oder der Wahl des Objektivs ab.

Das Kinderportrait sollte in jedem Fall nicht nur Aussage zum Alter des Modells zulassen. Gute Portraits gewähren dem Betrachter einen tiefen Blick in das Wesen des Kindes - auch wenn er das Kind selbst gar nicht kennt. Wenn die Aufnahme des Kindes darüber hinaus auch noch ästhetische Qualitäten besitzt, die es eventuell zum Kunstwerk erheben, so erfüllt das Portrait die höchsten Anforderungen, die man daran stellen kann.

Kinder sind sehr dankbare Portraitmodelle, weil sie so viele Dinge zum erste Mmal entdecken und dennoch das Ritual der Wiederholung lieben; weil sie auf unbegrenzte Weise spontan sind, selbst wenn sie von Vorschriften in ihrer Entfaltung eingeengt werden; weil die Kindheit eine Welt für sich ist. Kinderportraits gehören zu den dankbarsten Themen in der Photographie.

Die traditionelle Art, ein Kind abzulichten, ist der direkte Weg. Man stellt oder setzt den Sprößling vor die Kamera und photographiert von vorn. Ein ausdrucksvolles Portrait verlangt aber mehr als das. Requisiten, Pose und Kostüme sowie die sorgfältige Abstimmung mit dem bewußt gewählten Hintergrund sind wesentliche Hilfsmittel für die Darstellung des kindlichen Charakters. Und sie sind passender für das Kinderportrait als für das eines Erwachsenen, weil Kinder Kostüme und Staffagen von sich aus in ihren alltäglichen Spielen verwenden. Kinder verkleiden sich ausgesprochen gerne, posieren mit lebhafter Phantasie und fügen sich beispielsweise bereitwillig in jede Kulissenwelt ein. Kinder haben die Gabe, auf die Spiele einzugehen, die ihnen der Photograph vorgibt. Dies ist auch ein Grund dafür, warum sie so ideale Modelle sind. Unbewußt enthüllen Kinder ihre individuellen Charakterzüge, die man nur noch mit der Kamera einfangen muß. Teleobjektive oder Telezooms bieten den großen Vorteil, daß der nötige Abstand zum Kind eingehalten werden kann, wodurch es auch nicht abgelenkt wird. Das Licht ist entscheidend für die Bildwirkung. Derzeit liegen Aufnahmen mit starken Schattenbereichen voll im Trend. Für die Wirkung spielt es keine Rolle, ob das Licht durch sorgfältig positionierte Blitzeinheiten erzeugt wird oder ob es sich um natürlich einfallendes Seitenlicht handelt. Eine neutrale Ausleuchtung mit drei Blitzeinheiten, die rechts und links seitlich versetzt vom Modell plaziert werden sowie von vorne aus etwas erhöhter Position, garantiert harmonisches Licht ohne Schattenwurf. Wichtig ist das Spiel mit Photolampen oder Blitzeinheiten, denn schon kleine Veränderungen im Aufbau rufen eine andere Stimmung im Bild hervor und können die Charaktermerkmale des Kindes auf unterschiedlichste Art zum Ausdruck bringen.
 

Fotografieren in der Praxis 09 / 2005

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