Fototipp: Richtig scharfe Fotos - knackscharfe Fotos

Aufnahmegeräte – erst recht die aktuellen Kameras – liefern allein rein technisch gesehen die Basis, um zu richtig scharfen Aufnahmen zu gelangen. Was sich in den letzten Jahren in Punkto Schärfe getan hat, ist sehenswert und der Unterschied ist sichtbar. Ein Vergleich macht diesen übrigens augenfällig mit Aufnahmen, die mit einem älteren Aufnahmegerät gemacht wurden. Die Voraussetzungen für scharfe Aufnahmen sind also brillant. Dennoch passiert es immer wieder, dass es Fotografien an Schärfe fehlt. Es sind oftmals nur Kleinigkeiten die jedoch einzeln oder in der Summe große Wirkung zeigen können. Immer häufiger begegnet man übrigens der Begrifflichkeit „Knackscharf“. Damit wird schlichtweg die ultimative Schärfe zum Ausdruck gebracht. Und diese sollte immer unser Ziel sein, ist sie doch ein Qualitätsmerkmal. Profifotografen nutzen übrigens gern den Begriff „tack sharp“, der sich aus einem Akronym herleitet. TACK steht für „Technically Accurate Cibachrome Kelvin“ – bezieht sich auf die Farbtemperatur – und SHARP steht für „Shutter Hyperfocal At Refracted Polarization“. Aber zurück zur Schärfe – sie entscheidet auch mit darüber, wie die Wettbewerbsbeiträge, die zum Fotocontest „Blende“ eingereicht werden, auf Zeitungs- und Bundesebene abscheiden. Dass die „Blende“-Teilnehmer die Klaviatur des Bildermachens verstehen und wie wichtig es ist, das Augenmerkt auf die Schärfe zu legen, zeigen die hier exemplarisch veröffentlichten Aufnahmen. Heute entscheiden bei Fotowettbewerben oftmals nur noch Nuancen.

Helmut Plaha, Ruhepause, Blende-Fotowettbewerb
Helmut Plaha, Ruhepause, Blende-Fotowettbewerb

Stativ – Mehr als nur eine Stütze

Wir alle haben eine gewisse Handunruhe auch, wenn wir uns dieser mitunter nicht immer bewusst sind. Gerade wenn man keine optimale Kamerahaltung einnimmt und die Arme von sich mit der Kamera in der Hand wegstreckt, dann stellt sich mit der Zeit ein immer stärker werdendes Zittern ein. Ein Stativ ist mehr als nur eine wertvolle Stütze für den Fotografen, denn mit ihm gelingt es, die Kamera wirklich still zu halten. Das Stativ muss auf die Kamera und die örtlichen Begebenheiten ausgelegt sein. Und Qualität hat ihren Preis und dieser zahlt sich schlichtweg aus. Im Hinterkopf sollte man immer haben, dass ein Stativ einen über ein langes Zeitfenster begleiten wird. Das relativiert schnell die Anschaffungskosten.

Auslöseknopf kontra Kabelauslöser, Fernauslöser, Tablet, Smartphone

Ruht die Kamera auf einem Stativ oder halten wir sie in der Hand und betätigen den Auslöseknopf, so sind damit schon leichteste Unruhen verbunden, die zu unscharfen Fotos führen können. Wann immer es geht und erst recht dann, wenn mit einem Stativ fotografiert wird, sollte die Kamera über einen Kabel- beziehungsweise Fernauslöser, das Tablet oder das Smartphone ausgelöst werden. Nahezu alle aktuellen Kameras verfügen über die Option, mit ihnen kabellos in Verbindung treten zu können. Das ist nicht nur interessant im Zusammenhang mit dem Bilddatentransfer, sondern auch in Bezug auf die Kamerabedienung. Man muss lediglich entsprechende Kamera-App herunterladen und schon kann die Kamera über das Tablet oder Smartphone ausgelöst werden. Ein weiterer Punkt der für das Tablet spricht ist, dass die Anzeige hier deutlich größer ist als beim Smartphone. Das ist dann von Vorteil, wenn man noch die Kameraeinstellung ändern möchte. Ist die Kamera noch nicht „Connectivity-tauglich“ – sie lässt sich übrigens mit entsprechenden Speicherkarten nachrüsten – dann ist der Kabel- beziehungsweise Fernauslöser ein wichtiges Fotozubehör, mit dem sich Vibrationen durch Betätigung des Auslöseknopfes verhindern lassen.

Rudolf Bauer, Schwarzer Strand, glühender Himmel, Blende-Fotowettbewerb
Rudolf Bauer, Schwarzer Strand, glühender Himmel, Blende-Fotowettbewerb

ISO – Sensorempfindlichkeit nicht zu hoch

Sind die Lichtbedingungen schwach und wird unter Zuhilfenahme eines Stativs fotografiert, so neigt man gern dazu, die Sensorempfindlichkeit zu erhöhen, um noch mit einer moderaten Belichtungszeit fotografieren zu können. Auch, wenn die Kamerahersteller das Bildrauschen bei ISO-Erhöhung deutlich reduzieren konnten, so ist es dennoch ratsam, mit ISO-Werten von 200, 100 oder sogar 50 – letztgenannte geht nicht bei allen Kameras – zu fotografieren. Grund dafür ist, dass mit höheren ISO-Werten es zum Verlust von feinen Details kommen kann. Damit verlieren die Fotos automatisch an Schärfe. Wird aus der Hand fotografiert, so hat man nicht die Wahl und muss sich für einen höheren ISO-Wert entscheiden, um die Belichtungszeit so kurz wie nur möglich zu halten.

Kamerahaltung – A und O

Fotografiert man nicht unter Zuhilfenahme eines Stativs aus der Hand heraus, so ist auf die Kamerahaltung zu achten. Wichtig sind die eigene Stabilität und die der Kamera. Die Ellenbogen gehören angelegt – man sollte also nicht mit ausgestrecktem Arm fotografieren. Sofern die Kamera über einen Sucher verfügt, sollte über diesen das Motiv anvisiert werden. Grund dafür ist, dass man automatisch eine bessere Kamerahaltung einnimmt. Wird im Stand fotografiert, so gehören die Beine leicht auseinander, weil dies mehr Stabilität gibt.

Vibrationsreduzierung – Deaktivierung von VR- oder IS-Funktion

Zahlreiche Objektive sind mit einem Bildstabilisator ausgestattet, der der Handunruhe entgegenwirkt, wenn aus der Hand fotografiert wird. Fotografiert man nun unter Zuhilfenahme eines Stativs, dass die Wahrscheinlichkeit für Vibrationen nahezu auf Null setzt, dann sollte die VR- beziehungsweise IS-Funktion deaktiviert werden. Grund dafür ist, dass die Objektive nach „Bewegungen“ suchen und das kann zu minimalen Erschütterungen führen. Diese können dann für eine mögliche Unschärfe verantwortlich sein.

Georg Schuh, Allee zum Kloster Banz, Blende-Fotowettbewerb
Georg Schuh, Allee zum Kloster Banz, Blende-Fotowettbewerb

Schärfe kontrollieren – Ins Bild hineinzoomen

Obwohl die Kameradisplays immer brillanter werden, ist es aufgrund ihrer Kleinheit nicht wirklich möglich, über sie die Bildschärfe zu kontrollieren. Zahlreiche Kameras bieten einen Zoom oder auch eine Lupe an. Damit kann man in die Aufnahme hineinzoomen und den Fokus überprüfen. Sofern es die Situation zulässt, sollte man das Foto unmittelbar nach der Aufnahme überprüfen. Um die Schärfe auch wirklich beurteilen zu können ist es natürlich notwendig, dass man als Fotograf mit gutem Sehvermögen ausgestattet ist. Dem kann mit Kontaktlinsen und einer Brille nachgeholfen werden.

Manuelle Schärfe – Scharf wenn es die Augen zulassen

Wird die Schärfe manuell festgelegt so setzt dies auch voraus, dass der Fotograf mit gutem Sehvermögen ausgestattet ist. Einer regelmäßigen Augenkontrolle sollte man sich übrigens unterziehen, denn mögliche Fehlsichtigkeiten weiß unser Gehirn sehr gut auszugleichen ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Muss man eine Brille tragen, so empfinden diese viele Fotografen als hinderlich. Zahlreiche Kameras lassen aus diesem Grund einen Dioptrienausgleich an der Kamera zu.

Objektive – Die Augen der Kameras

Kamerabody und Objektiv sollten – nein müssen – eine Einheit bilden. Fotografiert man mit einer Kompaktkamera, so bekommt man vom Kamerahersteller eine Einheit an die Hand. So manch einer wird sich eventuell in der Vergangenheit gewundert haben, wie Preisunterschiede bei nahezu der gleichen Ausstattung zu erklären sind. Oftmals ein Grund dafür ist die verwendete Optik. Bei Kameras für Wechseloptik (kompakte System- und Spiegelreflexkamera) kann man aus einem breiten Angebot an Objektiven auswählen. Wie schon bei den Stativen hat auch bei den Objektiven Qualität ihren Preis. Man sollte nicht am falschen Ende sparen oder Kompromisse eingehen – darüber ärgert man sich im Nachhinein schneller als man denkt.

Doris Weißschnur, Die Mühlen von Kinderdijk, Blende-Fotowettbewerb
Doris Weißschnur, Die Mühlen von Kinderdijk, Blende-Fotowettbewerb

Autofokus gegebenenfalls ausschalten

Es gibt Situationen, wie beispielsweise in der Makrofotografie oder wenn die Lichtbedingungen schwierig sind, wo es durchaus ratsam ist, für mehr Schärfe den Autofokus auszuschalten und die Schärfe manuell festzulegen. Dies setzt natürlich auch entsprechendes Sehvermögen voraus. Wichtig ist – wird nicht auf unendlich fotografiert – den Schärfepunkt exakt zu bestimmen. Sehr hilfreich ist hier bei vielen aktuellen Kameramodellen, dass der Schärfepunkt über das Display per Fingerdruck festgelegt werden kann.

Schärfe durch Bildbearbeitung

Hat man bereits scharfe Aufnahmen so ist ein weiterer Schritt zu knackscharfen Aufnahmen die Bildbearbeitung. Profifotografen geben den Tipp, alle Fotos in Punkto Schärfe nachzubearbeiten. Kommt die Bildbearbeitung Photoshop zum Einsatz so kommt der Filter unscharf maskieren zum Einsatz.

Fotografieren in der Praxis 02 / 2017

2 Kommentare

Ein sehr hilfreicher Artikel. Insbesondere AF ausschalten wenn Stativ dand ich äußerst informativ.

Brenner Johannes

von Brenner Johannes
22. Februar 2017, 20:53:32 Uhr

Der Artikel ist sehr gut . Viele nicht so fortgeschrittene Fotografen meinen das Stativ sei nicht so wichtig ! Auch wenn so mancher meit er hätte eine ruhige Hand , dann macht den Versuch mit und ohne Stativ . Das Ergebnis ist überraschend . Mit besten Grüßen Hans-Gerhard bude

Richtig scharfe Fotos - Knackscharfe Fotos

von Richtig scharfe Fotos - Knackscharfe Fotos
22. Februar 2017, 17:36:34 Uhr

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