Fototipp: Konzertfotografie - Fotografische Herausforderung satt

Konzerte von Musikgrößen wie Adel, Justin Bieber, Madonna – um nur einige wenige der zahlreichen zu nennen – sind gefragt. Wer eine Karte ergattert wird meist auch fotografieren wollen. Die Vorgaben der Veranstalter, die das Hausrecht haben, sind streng. Für „einfache“ Konzertbegeisterte ist das Fotografieren oftmals untersagt. Das ist ärgerlich, aber nicht zu ändern. Einen sogenannten Fotopass – also eine Akkreditierung – von den Konzertveranstaltern zu erhalten ist nicht einfach. Oftmals muss man den Nachweis über bereits geleistete und aktuelle Aufträge erbringen. Wer dann solch einen Fotopass sein eigen nennen darf, für denjenigen ist das Zeitfenster sehr eng, darf doch vielfach nur während der ersten drei Musikstücke fotografiert werden. Auf „kleineren“ Konzerten und wenn die Musiker noch nicht weltbekannt sind, ist es für den fotografierenden Musikliebhaber eher möglich, der Konzertfotografie nachzugehen, so wie der „Blende“-Teilnehmer Paul-Richard Kaufmann. Es bedarf einiger Zutaten, um zu solch sehenswerten Aufnahmen, wie sie Paul-Richard Kaufmann mit seinem „Blende“-Wettbewerbsbeitrag „Festival“ gelungen sind, einzufangen.

Paul-Richard Kaufmann, Festival, Blende-Fotowettbewerb
Paul-Richard Kaufmann, Festival, Blende-Fotowettbewerb

Fotoequipment – Was braucht man

Meist sind die Lichtbedingungen in den Konzerthallen und bei einbrechender Dunkelheit auch auf den Festivals nicht gut. Geblitzt werden darf oftmals nicht – davon ist ohnehin abzuraten macht der Blitz doch die Bühnenstimmung zunichte. Optimal für die Konzertfotografie ist eine Kamera mit einem geringen Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten. Schnell und treffsicher sollte zudem der Autofokus sein. Prädestiniert für die Konzertfotografie sind digitale Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras aus dem gehobenen Segment. Schnelligkeit ist die halbe Miete und zahlt sich in Punkto Serienbild aus. Verfügt man bereits über eine Kamera die 4K unterstützt, so steigt die Wahrscheinlichkeit, keinen entscheidenden Moment zu verpassen.

Ein Vollformatsensor spielt seine Vorteile aufgrund der geringeren Anfälligkeit für Bildrauschen aus. Betrachtet man sich aktuelle Kameramodelle, wie sie auf der photokina 2016 und jetzt im Frühjahr 2017 vorgestellt wurden, so wurde die Anfälligkeit für Rauschen bei einem Großteil der Produktneuheiten deutlich reduziert. Kameras für Wechseloptik bieten den großen Vorteil mit der Option des Objektivwechsels. Lichtstark sollten die für die Konzertfotografie verwendeten Objektive sein. Man muss sich immer vor Augen haben, dass die Lichtbedingungen in der Konzertfotografie herausfordernd sind. Je nach Aufnahmestandentfernung zur Bühne erweisen sich lichtstarke Zoomobjektive zwischen 24 und 70 mm als sehr hilfreich. Es gibt jedoch auch Konzerte, bei denen deutlich größere Distanzen überwunden werden müssen. In diesem Fall sind Brennweiten zwischen 200 und 400 mm ratsam. Ein Objektivwechsel während des Konzertes ist übrigens nicht ratsam – dann lieber zwei Kamerabodys, ausgestattet mit unterschiedlichen Objektiven, mit auf Konzert nehmen. Eine Gegenlichtblende gehört ebenso in die Fototasche wie Ersatzakkus und genügend schnelle Speicherkarten. Die Videofunktionen aktueller Kameramodelle im hochpreisigen Segment liefern Filmqualitäten in Hollywoodqualität. Ein Einbeinstativ rundet die perfekte Fotoausrüstung ab.

Aufnahmestandpunkt – wo ist der beste Ort

Je näher man am Bühnengeschehen dran ist desto besser. In der Mitte vor der Bühne postiert bietet den Vorteil, dass man das gesamte Bühnengeschehen wirkungsvoll einfangen kann. Geht es einem um Porträts einzelner Musiker der Band, so ist der in der Mitte gewählte Standpunkt auch optimal. Wichtig bei Musikporträts ist, dass das Gesicht nicht vom Mikrofon zu stark verdeckt ist. Steht der Musiker mit Gitarre im Mittelpunkt, so sollte man den Gitarrenhals nach Möglichkeit nicht anschneiden. Der Aufnahmestandpunkt liegt, wie bei den Aufnahmen von Paul-Richard Kaufmann, in der Regel tiefer, da die Musiker auf der Bühne erhöht agieren.

Der Blitz ist abzuschalten. Die frontale Lichtbombe tötet genau die Stimmung ab, die man einfangen möchte. Es gilt, das natürliche Licht zu nutzen. Je nach Beleuchtungssituation und Bewegungsdrang des Künstlers kann das eine Herausforderung sein. Hilfreich ist, die Empfindlichkeit entsprechend hoch einzustellen (große ISO-Zahl), die Anti-Verwacklungs-Automatik zu aktivieren und mit sicherem Stand die Kamera ruhig zu halten. Bei schwerer Ausrüstung bietet sich in jedem Fall ein Einbeinstativ an. Weit geöffnete Blenden sorgen für eine geringe Schärfentiefe. Damit kann man störende Kabel oder Bühnenteile im Hintergrund ausblenden.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um so sehenswerten Aufnahmen zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2017

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