Konzertfotografie: Blues-Konzert - So geht's

© Fotograf: Heinz Jörres, Blue Bass, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Heinz Jörres, Blue Bass, Blende-Fotowettbewerb
Wenn ein Konzertbild außer Farbtönen auch echte Töne wiederzugeben scheint, dann hat der Fotograf alles richtig gemacht. Die Körperhaltung, die Mimik, das blaue Streiflicht vor schwarzem Hintergrund – nichts deutet hier auf Ballermann-Hits hin. Hier liegt Blues in der Luft. Dichte, stimmungsvolle Aufnahmen von Musikern haben ihren besonderen Reiz und zieren nicht grundlos die Wände von Clubs. Doch wie kommen solche intimen Aufnahmen zustande? Die reine Technik ist, wie in der Musik, nur ein Aspekt. Es geht auch um die Frage, wie man sich dem Thema nähert – im wahrsten Sinn des Wortes.

Öffentliche Konzerte gibt es überall. In Bars, Hallen oder unter freiem Himmel. Bisweilen, etwa bei Straßenfestivals, gibt es freies Schussfeld für Fotografen. Andere Konzerte sind schwierig zu fotografieren, entweder weil Fotografieren grundsätzlich verboten ist, weil Künstler nur mit Ausnahmegenehmigungen das Fotografieren gestatten oder weil kein Platz vor der Bühne für Fotografen bleibt, ohne Künstler und Publikum zu stören. Ein Weg zu Bildern kann in diesen Fällen sein, mit dem Clubbetreiber, dem Veranstalter oder direkt dem Künstler Kontakt aufzunehmen. Gerade Betreiber kleinerer Bühnen und weniger berühmte Musiker haben in der Regel nichts gegen Fotografen, wenn diese ein paar Absprachen einhalten. Und natürlich spekulieren sie auf tolle Bilder für die Homepage oder eben die noch leeren Wände im Club. Eine solche Absprache könnte zum Beispiel so aussehen: Der Fotograf hält sich nur während der ersten zwei oder drei Lieder vor der Bühne auf und verzichtet auf störendes Blitzlicht. Das sind in etwa auch die Bedingungen für professionelle Pressefotografen bei vielen großen Konzerten.

Den Blitz abzuschalten, ist auch aus gestalterischen Gründen in der Konzertfotografie ratsam. Die frontale Lichtbombe tötet genau die Stimmung ab, die man einfangen möchte. Es gilt, das natürliche Licht zu nutzen. Je nach Beleuchtungssituation und Bewegungsdrang des Künstlers kann das eine Herausforderung sein. Hilfreich ist, die Empfindlichkeit hoch einzustellen (große Iso-Zahl), die Anti-Verwacklungs-Automatik zu aktivieren und mit sicherem Stand die Kamera ruhig zu halten. Bei schwerer Ausrüstung bietet sich ein Einbeinstativ an. Konzertfotos aus geringer Entfernung meistert man gut mit Standard-Zoom-Objektiven; sie sind aber auch ein ideales Feld, auf dem sich lichtstarke kurze Teleobjektive mit klassischen Festbrennweiten von 85 bis 135 Millimeter (bezogen auf KB-Format) austoben können. Weit geöffnete Blenden sorgen für eine geringe Schärfentiefe. Damit kann man störende Kabel oder Bühnenteile im Hintergrund ausblenden.

Dann heißt es: abdrücken und viele Bilder schießen. Die Lichtsituation auf einer Bühne mit Lichtanlage ändert sich ständig, und so gleicht kaum ein Bild dem anderen. Volltreffer wie dieser mit perfektem Streiflicht auf Gesicht und Schulter kann man nicht immer planen. Das Thema lässt Raum für viele Variationen. Das Porträt kann – je nach Instrument – enger ausfallen und sich vielleicht auf den Kopf konzentrieren. Oder der Fotograf sucht sich ein Detail wie die Hände auf der Gitarre. Was zählt ist Nähe zum Geschehen. In jeder Hinsicht: Mit einem guten Draht zu den Machern von Konzerten ergeben sich womöglich ungeahnte Fotoreportagen inklusive Aufbau, Soundcheck und After-Show-Party.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2016

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden