Konzertphotographie

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“Konzertphotographie”
Andreas Gugau

Erlebtes in Bildern festhalten zu wollen, das ist der Wunsch eines jeden, der die Photographie für sich entdeckt hat. Wenn dann auch noch das Konzert des Lieblingsinterpreten beziehungsweise der Lieblingsgruppe ansteht, darf die Kamera nicht fehlen, die die eindrucksvollen Momente einfängt und das Idol in Szene setzt.

Bei Rockkonzerten kommt der Hobbyphotograph voll auf seine Kosten, auch wenn er in der Regel die Bühne nicht betreten darf. Er kann sich meist frei bewegen, wodurch er das Gesehene aus unterschiedlichen Blickwinkeln einfangen kann. Doch Achtung vor dem Meer an Kabeln, die oftmals Stolperfallen sind.

Etwas Erfahrung und Geschick für gelungene Konzertaufnahmen sind erforderlich, denn gute Bildergebnisse sind von vielen Faktoren abhängig. Schupsende und kreischende Fans verhindern manchmal die schönste Einstellung oder die Temperaturen, die der einer Sauna entsprechen, verlangen viel von einem ab. Aber auch die rasch wechselnde oder stark kontrastreiche Bühnenbeleuchtung verlangt nach Geschick, um die richtige Belichtung zu finden. Belichtungsmesser können selbst bei gleichbleibender Konzertbeleuchtung unzuverlässig sein, liefern aber wichtige Anhaltspunkte für Belichtungsreihen, die in jedem Fall zu empfehlen sind. Gerade bei Rockkonzerten und den schnellen Bewegungen der Musiker ist oftmals Schnelligkeit angesagt. Um Zeit bei der Ermittlung der richtigen Belichtung zu sparen, kann die Kamera auf Belichtungsautomatik gestellt und mit Hilfe der Korrekturtaste können Belichtungsreihen erstellt werden. Ein unbeleuchteter Meßzeiger ist bei Konzertaufnahmen und eventuell schwacher Beleuchtung nicht zu empfehlen, da er nicht mehr zu sehen ist. Besser ist eine beleuchtete oder selbstleuchtende Anzeige.

Der visuelle Reiz von Rockkonzerten beruht maßgeblich auf den rasch wechselnden Farben und dem bewegten Scheinwerferlicht. Einzelinterpreten oder Musiker der leisen Töne bevorzugen meist eine "ruhigere" Beleuchtung, die mitunter langweilig im Bild wirken kann. Ein Gitterfilter kann hier Abhilfe schaffen.

Wer analog photographiert, darf bei Live-Konzerten keinesfalls an Filmmaterial sparen, denn trotz ausgefeilter Kameratechnik, gehört eine große Portion Glück dazu, die Musiker im richtigen Augenblick mit der Kamera einzufangen. Mit einer Filmempfindlichkeit von ISO 400 erzielt man optimale Ergebnisse. Wer das Korn in der Aufnahme bevorzugt, der wird sicherlich Filme mit einer höheren Empfindlichkeit einsetzen.

Für Digitalphotographen gilt, mindestens eine Ersatzspeicherkarte mit zum Konzert zu nehmen, denn im Nu sind 30 oder 40 Aufnahmen verschossen. In keinem Fall sollte während des Konzertes mit dem Löschen von Aufnahmen begonnen werden, weil das Speichermedium voll ist. Zum einen hat man nicht die Ruhe, die Aufnahmen zu beurteilen und zum anderen können Aufnahmen in diesem Moment als schlecht erachtet werden, die jedoch, mit etwas Abstand betrachtet, gelungen sind. Aber auch die Lichtverhältnisse während eines Rockkonzertes lassen eine Beurteilung der Aufnahmen auf dem kleinen Monitor der Digitalkamera nicht zu.

Konzertaufnahmen gelingen mit jeder Kameraausrüstung, wobei derjenige klar im Vorteil ist, der über eine Kamera mit Zoomobjektiv verfügt, um entferntes nah heranzuholen. Besitzer von Spiegelreflexkameras können sich glücklich schätzen, denn sie können zwischen Weitwinkel- oder Teleobjektiv je nach Aufnahmesituation wechseln. Wenn man nah genug an die Bühne herankommt, stellt das 50 mm Objektiv eine gute Alternative dar, um die komplette Bühne oder nur einzelne Ausschnitte zu photographieren. Als optimal können zwei Kameras angesehen werden, denn dies erspart einem während des Konzertes den lästigen Objektivwechsel. Kommen Teleobjektive zum Einsatz, so sorgt eine Schulterstütze für verwacklungsfreie Aufnahmen bis zu einer Belichtungszeit von 1/15 s. Ein Einbeinstativ erlaubt Verschlußzeiten bis zu 1/8 s. In manchen Konzertsälen sind Stative nicht zugelassen. Aus diesem Grund sollte man sich vorher erkundigen, damit man gegebenenfalls auf die Schulterstütze zurückgreifen kann.

Auf den Einsatz von Blitzgeräten sollte verzichtet werden. Zum einen geht durch den Blitz die Bühnenlichtstimmung verloren, aber auch die Musiker und Konzertbesucher können sich gestört fühlen.

Wer mit außergewöhnlichen Konzertaufnahmen aufwarten möchte, der sollte mit den Kameraeinstellungen experimentieren. Bewegungsunschärfe beispielsweise kann sich durchaus positiv auf die Bildaussage auswirken. Auch sollte mit dem Ausschnitt gespielt werden. Nicht die ganze Gruppe muß auf dem Bild zu sehen sein. Genauso verhält es sich auch mit dem einzelnen Musiker. Die Reduktion auf wenige Bildelemente, wie zum Beispiel auf die Hände des Gitarristen, das Gesicht des Sängers oder aber auf die fliegenden Sticks des Drummers, das alles kann durchaus reizvolle Konzertaufnahmen ergeben.
 

Fotografieren in der Praxis 08 / 2004

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