Landschafsfotografie - Scharf unscharf

© Fotograf: Yvonne Behn, Geheimnisvoller Wald, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Yvonne Behn, Geheimnisvoller Wald, Blende-Fotowettbewerb
Nicht immer muss alles in einem Bild wirklich scharf sein. Manche Bilder leben vom Reiz des Unscharfen, womit aber weniger eine fehlerhafte Fokussierung gemeint ist als Bewegungsunschärfe. Einfach mal verrückt sein, lange belichten, bei der Autofahrt aus dem Fenster, im Wald zwischen Bäumen, und sonst, wo sich etwas bewegt. Und wenn sich nichts bewegt, muss sich eben der Fotograf bewegen.

Über Wohl und Weh’ entscheidet bei solchen Bildern das richtige Timing. Denn unscharf ist ja eine Sache, die andere ist aber, dass man schon noch erkennen sollte, was denn eigentlich fotografiert wurde. Beim Beispielbild könnte eine Zeit von 1/5 Sekunde schon ausgereicht haben. Und damit das dann nicht wie zwölf Uhr Mittags aussieht, sollte eine solche Fotografie entsprechend belichtet werden, je nach gewünschter Bildwirkung eben. In diesem Fall einfach einmal zwei Stufen weniger belichten als die Kameraautomatik vorgibt.

Wie lange die benötigte Zeit ist, hängt zwar nicht nur, aber auch von der Brennweite des verwendeten Objektivs ab. Wer ein Weitwinkelobjektiv einsetzt, muss die Kamera viel weiter schwenken, um einen Wisch-Effekt zu erzeugen als jemand, der ein Teleobjektiv verwendet.

Prinzipiell ist es natürlich von der Idee des Fotografen abhängig, wie ein Bild belichtet werden muss, damit es auch wirkt. Wer in einem Kornfeld steht, sollte eher ausreichend belichten, während jemand in der Dämmerung im Wald tunlichst darauf achten sollte, dass die Kameraautomatik nicht eine Tageslichtaufnahme daraus macht. Wer sich nicht sicher ist, hält sich beim Fotografieren alle Möglichkeiten offen und verwendet das RAW-Format. Außerdem sind im Zweifelsfall Belichtungsreihen anzuraten.

Ist eine entsprechend lange Belichtungszeit nicht realisierbar, weil es zu hell und das Objektiv bereits abgeblendet ist, greift man zum Graufilter. Neutralgraufilter gibt es in verschiedenen Stärken. Außerdem bieten sich solche ungewöhnlichen Bilder geradezu an, selten genutzte Farbfilter oder auch mal den einen oder anderen Effektfilter zu verwenden.

Wenn ein Fotograf im Wald von oben nach unten schwenkt, muss er das wohl aus der freien Hand machen. Je nach Richtung kann auch ein Drei-Wege-Stativkopf verwendet werden. Der verhindert, dass versehentlich noch in eine weitere Richtung verwackelt wird als in die, in die der Kameraschwenk erfolgt. Damit lässt sich die Kamera auch bequem waagerecht drehen, ohne dass der Fotograf Verrenkungen machen muss, um ruhig stehen zu bleiben.

Fotografieren in der Praxis 05 / 2014

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