Landschaftsfotografie: Minimalistisch - Weniger ist oftmals mehr

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Landschaften bieten für uns Fotografen den großen Vorteil, dass sie nicht weglaufen, dass wir uns ihnen immer wieder aufs Neue stellen können und dass sie uns die Möglichkeit einräumen, uns an ihnen fotografisch auszuprobieren. Das macht nicht nur Spaß, sondern es schult auch unser Sehen. Oftmals sind es Nuancen, die über die Wirkung von Fotografien entscheiden. Aber nicht nur das. Aus fotografischer Sicht auf den ersten Blick möglicherweise uninteressante Landschaften können überaus reizvoll sein, wenn wir weniger zeigen als wir sehen, wenn wir mit den natürlichen Linien in der Landschaft spielen und wenn wir uns möglicherweise auch den fotografischen Regeln widersetzen. Ein Beispiel dafür ist der Fixpunkt, ein beliebtes Stilmittel, das Tiefe suggeriert. Man kann es nutzen, muss es aber nicht. Fotografen sind Geschichtenerzähler – wer sagt aber denn, dass man die ganze Geschichte auf einmal preisgeben muss?

Mit diesem Beitrag möchten wir Sie dazu ermuntern, weniger zu fotografieren als Sie sehen und sich somit auf das Wesentliche zu fokussieren. Ein fotografisches Meisterwerk hängt nämlich nicht von der Anzahl der Bildelemente ab. So kann ein einzelner Baum beispielsweise wirkungsvoller sein als eine ganze Baumreihe. Eine Landschaftsaufnahme muss auch nicht zwangsläufig in Farbe sein – warum nicht auch einmal in Schwarzweiß. Damit gelingt die Konzentration auf das Wesentliche oftmals viel eindrucksvoller, als wenn die Farbe ablenkt. Und gerade im Zusammenhang mit Schwarzweiß werben wir an dieser Stelle für FineArt-Papiere. Mit diesen können Sie anschließend noch mehr aus Ihren Fotografien herausholen. Aber bevor dem natürlich so ist, muss man erst einmal die Aufnahme sprichwörtlich im Kasten haben.

Weit reisen muss man für eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen nicht. Gerade als Anfänger sollte man sein Ziel in nächster Umgebung wählen, denn damit hat man immer und immer wieder die Möglichkeit, den gleichen Ort aufzusuchen, und das nicht nur zu unterschiedlichen Tages-, sondern auch Jahreszeiten. Langweilig ist das weiß Gott nicht, denn Landschaften sind enorm wandelbar. Suchen Sie nach einem dominanten Element. Das kann ein Baum ebenso sein, wie beispielsweise ein Zaun, der Bootssteg oder der Felsen inmitten des Wassers. Im nächsten Schritt geht es an die Bildkomposition – und hier entscheiden Kleinigkeiten. Natürlich sollte sich das wichtige Element nicht in der Bildmitte befinden – wir neigen gern dazu. Das macht jedoch jede noch so gute Aufnahme langweilig. Also ein Stückchen weiter nach rechts oder links bewirkt Wunder und erhöht die Spannung. Im nächsten Schritt gilt es, festzulegen, wie viel man eigentlich von der Landschaft abbilden muss und ob es dem Motiv nicht eigentlich mehr entgegen kommt, wenn man dem Himmel mehr Raum schenkt. Dazu neigt man die auf dem Stativ ruhende Kamera schrittweise einfach Stückchen für Stückchen nach oben. Der Himmel gewinnt zunehmend an Dominanz, wodurch das Hauptobjekt dennoch weiter an Bedeutung gewinnt. Damit der Himmel aber nicht vom gewählten Hauptelement ablenkt, ist es wichtig, dass sich nur wenige Wolken an ihm zeigen. Noch besser ist ein leichter Schleier oder wenn er grau und bedeckt ist. Aber auch ein vollkommen blauer Himmel ist genial. Ein, zwei Wolken sind in der Regel also nicht störend. Sind es aber mehr Wolken, dann erzeugen sie Unordnung. Möchte man diese quasi aus seiner Aufnahme verdrängen, dann gelingt dies mit einem Verlaufsfilter (Grauverlaufsfilter) – dunkel oben, hell unten. Mit ihm lassen sich Wolken in weiche Streifen unterschiedlich abgestimmter Farbtöne verwandeln. Es ist natürlich mit ihm auch möglich, den Himmel dramatischer erscheinen zu lassen.

Wichtig ist natürlich auch, dass der Horizont gerade ausgerichtet ist. Die Gitternetzfunktion – nicht alle Digitalkameras verfügen darüber – ist gerade für den Anfänger hier überaus nützlich, um das Motiv anhand der Linien exakt am waagrechten Horizont auszurichten. Da das Sucherbild bei der Gitternetzfunktion horizontal und vertikal gedrittelt wird, hat man damit auch die Möglichkeit, Motive leichter nach der sogenannten Drittelregel im Bild zu platzieren.

Bis dato haben wir uns nur auf den Bereich an Land konzentriert. Wasser ist natürlich prädestiniert für minimalistische Landschaftsaufnahmen, das zugleich einen gleichförmigen Hintergrund abgibt, vor dem man Strukturen in Szene setzen kann. Das kann das Boot ebenso sein wie ein einzelner Baum am Ufer. Um mehr Ruhe in die Aufnahme hineinzubekommen, bietet sich die Langzeitbelichtung an. Gerade, wenn das Aufnahmelicht zu hell ist und die Abblendmöglichkeit des Objektivs nicht ausreicht, so empfiehlt es sich, auf Graufilter zurückzugreifen, weil sich mit ihnen Überbelichtungen vermeiden lassen. Möchte man beispielsweise das Wasser beruhigen und die Wellenbewegungen eliminieren, dann gelingt das perfekt mit dem Graufilter.

Der Handel hat, je nach Aufnahmesituation, unterschiedliche Graufilter im Angebot. So kommen Graufilter mit niedriger Neutraldichte (ND 0,6 und 0,9) dann zum Einsatz, wenn man bei hellem Sonnenlicht mit weit geöffneter Blende arbeiten möchte, um ein Motiv freizustellen. Möchte man hingegen fließendes Wasser ablichten, so wird man je nach Fließgeschwindigkeit auf einen Graufilter mit einer Neutraldichte (ND) von 3,0 zurückgreifen. Je nach Lichtsituation und Blendeneinstellung sowie gewählter ISO-Einstellung kann mit diesem Filter eine Viertelstunde lang belichtet werden.

Fotografieren in der Praxis 09 / 2015

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