Landschaftsfotografie - Das Besondere im Alltäglichen

Landschaftliche Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel die im Meer treibenden Eismassen, der Grand Canyon mit seinen Schluchten, die Lavendelfelder in Frankreich oder Bergimpressionen in den Dolomiten sind millionenfach fotografierte Motive. Das dem so ist, liegt mit daran, dass heute nahezu jeder über wenigstens ein Aufnahmegerät verfügt und, weil man das Gesehene und Erlebte in Bildern dauerhaft konservieren möchte – auch als Beleg dafür, dass man an diesen Orten war. Spätestens dann, wenn die eigenen Aufnahmen den persönlichen Raum verlassen und man bei den wachsenden Bilderbergen zum Beispiel in den sozialen Netzwerken oder aber bei Fotowettbewerben wie „Blende“ mit seinen Fotografien aus der Masse herausstechen möchte, dann bedarf es als Fotobegeistertem, das Besondere im Alltäglichen heraus zu modellieren. Dazu braucht es nicht nur fotografische Kreativität, sondern auch besonderes Engagement, wie es der „Blende“-Nachwuchsfotograf Luca Neidhardt aufgebracht hat. Ihm ist mit seinem „Blende 2017“-Wettbewerbsbeitrag „Über den Wolken“ eine Aufnahme gelungen, die einen ins Staunen versetzt und an die man sich lange Zeit zurückerinnern wird. Seine Fotografie, eingereicht zur diesjährigen thematischen „Blende 2017“-Vorgabe „Blickwinkel“ zeigt die Drei Zinnen in den Sextener Dolomiten bei Sonnenaufgang. Luca Neidhardt führt zu seiner Aufnahme aus: „Um dieses Bild zu machen bin ich um 02:00 Uhr nachts aufgebrochen, um auf den Gipfel des 2663m hohen Pfannhorns zu kommen und von dort den Sonnenaufgang und den Drei Zinnen – Blick fernab von den bekannten Touristenhotspots zu genießen“ und dieses Erlebnis in Fotografien zu konservieren. Der gleiche Bildausschnitt am Tag – beispielsweise zur Mittagszeit festgehalten – hätte nicht zu so einer die Blicke anziehenden Aufnahme geführt, wie sie Luca Neidhardt gelungen ist. Der Ehrgeiz unter Fotobegeisterten ist seit langer Zeit geweckt, das zeigt sich auch in ihren Investitionen vornehmlich in hochwertiges Fotoequipment. Dies macht natürlich so eine sehenswerte Aufnahme wie sie Luca Neidhardt gelungen ist, nicht alleine aus. Das zum Einsatz kommende Fotoequipment ist jedoch das notwendige Rüstzeug, um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen.

Luca Neidhardt, Über den Wolken, Blende-Fotowettbewerb
Luca Neidhardt, Über den Wolken, Blende-Fotowettbewerb

Was an Fotoausrüstung mit in die Berge soll – beziehungsweise mit muss – hängt davon ab, was man fotografiert und welchen kreativen fotografischen Spielraum man haben möchte. Wenn es einem nur um das Selfie mit den Bergen im Hintergrund geht, dann reicht das Smartphone absolut aus. Will man aber die Tierwelt mit Gämsen und Almkühen ablichten, dann braucht man eine Kamera, mit der man Distanzen überbrücken kann. Das sind zum einen Kompaktkameras mit einem großen Zoombereich oder aber Spiegelreflex- beziehungsweise kompakte Systemkameras mit entsprechender Teleoptik von wenigstens 70mm-200mm. Geht es einem hingegen, wie dem „Blende“-Teilnehmer Luca Neidhardt, um die Darstellung der Weite des Bergpanoramen, dann kann man dieses eindrucksvoll mit weitwinkliger Optik in Szene setzen. Wer es noch extremer mag, der greift zum FishEye. Liebt man die Tier- und Pflanzenwelt im Kleinen, dann gehört natürlich das Makroobjektiv in die Fototasche. Und für all die restlichen Motive bietet sich ein Objektiv mit 24mm-105mm Brennweite an. Dann kommen noch Ersatzakkus und -speicherkarten in die Fototasche, ebenso wie ein Blitzgerät und ein Reflektor für die bessere Ausleuchtung der kleinen Pflanzenwelt. Und wie sieht es mit dem Stativ aus – das sollte in jedem Fall auch noch mit.

Was man an Fotoequipment alles für die Bergwelt in die Fototasche packt hängt also von der fotografischen Leidenschaft ab. Möchte man sich nicht festlegen und packt vom Makro- über das leichte und starke Tele- bis hin zum Weitwinkel- und sogar noch das FishEye-Objektiv in die Fototasche beziehungsweise in den -rucksack, dann kommt man schnell auf 8 Kilo und mehr. Kommt dann noch ein Dreibeinstativ und ein Blitzgerät mit, dann ist man schnell bei 10 Kilo – und das ohne Proviant und Getränke. Unten im Tal mögen 10 Kilo und mehr nicht ins Gewicht fallen – geht es aber zu Fuß wie für Luca Neidhardt steil bergauf, dann kann jedes zusätzliche Kilo zur Qual werden. Darüber muss man sich vorab bewusst sein und entsprechend das Fotoequipment zusammenstellen. Etwas Gewicht kann man abspecken, wenn statt eines Dreibeinstativs ein Seilstativ – oftmals auch als Schnurstativ bezeichnet – mitkommt. Diese sind klein und leicht und lassen sich sogar in der Hosentasche verstauen. Mit ihnen kann im Quer- und Hochformat gleichermaßen fotografiert werden. Stabilität wird erzielt, indem das Seil gespannt wird und beide Oberarme am Körper anliegen. Etwas Übung braucht man am Anfang schon mit diesem Stativtyp der dann eine Alternative darstellt, wenn Gewicht eingespart werden soll.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2017

1 Kommentare

Tolle Aufnahme und wie immer hier ein lesenswerter Tipp

Karl-Heinz Lutz

von Karl-Heinz Lutz
10. August 2017, 14:08:12 Uhr

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