Landschaftsfotografie – Die grenzenlose Jagd nach Bildern

© Blende, Konrad Funk, Sellfoss Wasserfall im ersten Morgenlicht (Island) Bildgalerie betrachten

© Blende, Konrad Funk, Sellfoss Wasserfall im ersten Morgenlicht (Island)

Landschaften stehen bei Fotobegeisterten – also bei allen, denn wer fotografiert heute schon nicht – absolut hoch im Kurs, seien es die in der unmittelbaren Umgebung oder jene in weiter Ferne. Letztere üben natürlich einen besonderen Reiz auf uns aus, denn sie sind nicht alltäglich und deshalb ist das fotografische Jagdfieber meist um ein Vielfaches höher. Dieses wird nochmals gesteigert, wenn magische Naturschauplätze, auf die beispielsweise in Reiseführern hingewiesen wird, aufgesucht werden. Da werden in Windeseile Kameras und Smartphones gezückt und die Auslöser nicht weniger schnell betätigt als hätte man die Befürchtung, die Landschaft würde sich sprichwörtlich gleich aus dem Staub machen. Immer häufiger ist zu beobachten, dass dabei das Eintauchen in die Landschaften in den Hintergrund tritt und dafür der fotografische Beleg, dass man da war, ebenso an Bedeutung gewinnt wie die soziale Interaktion, denn mit Smartphones und immer häufiger auch mit Tablets sind wir ständig vernetzt und andere können über Social-Media-Kanäle in Sekundenschnelle an unseren Blicken daran teilhaben.

Natürlich lässt dieses Jagdfieber Fragen aufkommen, denn was ist heute die Motivation, warum wir Landschaften in Sekundenschnelle ablichten und uns für sie keine Zeit mehr nehmen? Ist es die Begeisterung für diese? Ist es der Beleg dafür, dass man da war? Ist es die Bildkommunikation / Interaktion über soziale Netzwerke? Ist es die romantische Vision, die wir mit den erlebten Landschaften verbinden? Es ist womöglich der Mix aus allem, wobei wir derzeit noch die romantische Vision für ausschlaggebend erachten. Die anderen Punkte, und hier vorrangig die Bildkommunikation über soziale Netzwerke, gewinnen jedoch an Relevanz und dies hat natürlich auch Einfluss auf die Qualität unserer Aufnahmen. Unseres Erachtens ist Entschleunigung angesagt und sich Zeit zu nehmen für die großartigen Schauplätze der Natur. Mit der Fotografie, und da erzählen wir nichts neues, schaffen wir es, Augenblicke zu bewahren, aber auch unsere Stimmungen zum Ausdruck zu bringen. Wenn wir Landschaften nicht erleben, so stellt sich die Frage, inwieweit wir sie für uns bei der Bildbetrachtung wieder erlebbar machen, wenn wir ihr nur wenige Sekunden Zeit für unsere romantischen Visionen eingeräumt haben.

Fotografien von Landschaften mit visueller Nachhaltigkeit – auch für einen selbst – sind kein Selbstläufer. Wichtig ist, Landschaften zu erleben – das bedeutet, sich Zeit für sie zu nehmen, sie zu entdecken und romantische Vision zu entwickeln. Neben der verwendeten Ausrüstung spielen der Standort, die Uhrzeit und die Perspektive eine, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle. Bewusst sollte man sich darüber sein, dass die Fototechnik nur Mittel zum Zweck ist, es kommt in erster Linie auf das Auge, die Komposition des Gesehenen an und darauf, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein.

Fotografieren in der Praxis 05 / 2015

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3 Kommentare

Danke für den Beitrag, mal eine ganz andere Sicht und nicht von technischen Ausuferungen getrieben

von Tabea
04. Dezember 2015, 13:10:29 Uhr

Schöne Schleichwerbung.

von lederhose
06. Mai 2015, 13:40:06 Uhr

Wer die Landschaftsfotos von Bernd Rommel sieht, der weiß was "Licht" und "Entschleunigung" bedeutet. Er lässt sich Zeit für seine Fotos, bis er exakt die richtige Stimmung hat. Dies aber nicht einmal im Jahr sondern bei jeder Aufnahme. Wer die Möglichkeit hat - Vortrag von ihm anschauen - keine Sekunde langweilig.

von Detlev Motz
06. Mai 2015, 10:44:17 Uhr

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