Fototipp: Landschaftsfotografie - Goldene und blaue Stunde

Noch so visuell ansprechende Landschaften müssen fotografisch ins rechte Licht gerückt werden, sollen sie ihre Wirkung voll entfalten können. Die beste Zeit für herausragende Landschaftsaufnahmen ist gerade für die Langschläfer unter den Fotobegeisterten, wenn das Wetter mit Blitz und Donner Kapriolen schlägt oder wenn sich der Tag langsam verabschiedet und die Dämmerung Einzug hält. Diese ist gekennzeichnet von einem ganz besonderen Licht mit einem einzigartigen Farbenspiel von Orange/Rot über Purpur zu tiefem Blau. Genau das sind die Farben, die Fotografen lieben, lassen sich damit auf besondere Art und Weise Landschaften modellieren.

Philipp Steiger, Ammersee, Blende-Fotowettbewerb
Philipp Steiger, Ammersee, Blende-Fotowettbewerb

Fotobegeisterte die unter anderem alljährlich den Wettstreit und die Herausforderung beim Deutschen Zeitungsleser-Fotowettbewerb „Blende“ suchen und annehmen wissen um die Bedeutung der goldenen sowie blauen Stunde und glänzen hier mit sehenswerten Wettbewerbsbeiträgen wie die hier veröffentlichen Fotografien eindrucksvoll zeigen. Die goldene Stunde umfasst die unmittelbare Zeit nach Sonnenauf- beziehungsweise vor Sonnenuntergang. Das Licht in dieser Zeitspanne ist besonders warm und weich sowie von langen Schatten gekennzeichnet. Die blaue Stunde umfasst das Zeitintervall kurz vor dem Sonnenauf- und kurz nach Sonnenuntergang. Die Bezeichnung für die blaue Stunde resultiert aus der charakteristischen Blaufärbung des Himmels. Die Farbe des Lichtes ist wärmer als am Tag, denn die Strahlen legen einen größeren Weg zurück. Da die kälteren blauen Anteile von der Atmosphäre herausgefiltert werden, enthält das Licht einen größeren Anteil an roten und gelben Strahlen. Schatten erscheinen dagegen blau, weil ihnen goldenes Sonnenlicht fehlt und sie das Blau des Himmels reflektieren.

Heiko Eschrich, Beginn der blauen Stunde am Hintersee in Berchtesgaden, Blende-Fotowettbewerb
Heiko Eschrich, Beginn der blauen Stunde am Hintersee in Berchtesgaden, Blende-Fotowettbewerb

Auf dem Weg zum fotografischen Erfolg ist es überaus nützlich sich mit der sich ändernden Farbnehmung im Tagesverlauf auseinanderzusetzen. Dazu gehört auch, sein Farbsehen zu trainieren. Aufgrund der Reizüberflutung ist dies oftmals verkümmert, besteht doch im täglichen Leben nicht die Notwendigkeit, sich mit dem Farbspiel auseinandersetzen zu müssen.

Andreas Bender, Blaue Stunde über Bremm, Blende-Fotowettbewerb
Andreas Bender, Blaue Stunde über Bremm, Blende-Fotowettbewerb

Sowohl das Zeitfenster der goldenen als auch der blauen Stunde ist kurz. Möchte man also Landschaften in dieser Zeitspanne fotografieren, so bedeutet dies, rechtzeitig vor Ort zu sein. Möchte man auch mehr als nur ein Abbild schaffen, dann ist es hilfreich, die Landschaft zu erobern indem man sich mit ihr auseinandersetzt. Auch dafür sollte man entsprechende Zeit einplanen und sich gegebenenfalls mehrfach auf den Weg machen. Entscheidend ist natürlich auch der Blickwinkel. Dieser wird durch den Kamerastandpunkt festgelegt und beeinflusst durch die Optik, die zum Einsatz kommt. Weitwinkelobjektive stehen für Weite, während mit Teleobjektiven Landschaften verdichtet werden können. Landschaftsfotos leben natürlich vom Bildaufbau – ein Schritt zum Erfolg ist hier, sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Aufgrund der schwachen Lichtverhältnisse ist während der goldenen sowie blauen Stunde ein Stativ Pflicht, möchte man die Sensorempfindlichkeit nicht zu sehr nach oben schrauben, was mitunter das Bildrauschen fördert.

Roland Blanck, Absolute Stille, Blende-Fotowettbewerb
Roland Blanck, Absolute Stille, Blende-Fotowettbewerb

Fotografieren in der Praxis 04 / 2017

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