Landschaftsfotografie - Zehn Tipps für bessere Fotos

© Fotograf: Mario Weinert, Zwei Steine, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Mario Weinert, Zwei Steine, Blende-Fotowettbewerb
Die Landschaftsfotografie gehört seit jeher zu den Klassikern. Schon immer haben Menschen Landschaften im Bild festgehalten, auch schon zu Zeiten, als es noch gar keine Fotografie gab und die Malerei das Maß aller Dinge war. Aber wie macht man eigentlich ein gutes Landschaftsbild? Schließlich soll ein solches Foto auch die Stimmung transportieren, die der Fotograf vor Ort erlebt. Und so ein Bild soll zeigen, wie es denn an einem bestimmten Ort aussieht. Die gebräuchlichste Form der Landschaftsfotografie ist nicht umsonst die Postkarte. Hier sind zehn Tipps für bessere Landschaftsfotos.

  1. Gehen Sie rechtzeitig los. Eine Landschaft in der prallen Mittagssonne ist meist langweilig, flach und emotionslos. Die beste Zeit, eine Landschaft zu fotografieren, ist deshalb der Moment, in dem das Licht wechselt. Also wenn die Nacht zum Tag wird oder wenn die Sonne langsam untergeht. Deshalb ist es wichtig, sich rechtzeitig auf den Weg zu machen und auch einen Zeitpuffer einzuplanen. Gleiches gilt übrigens bei schlechtem Wetter. Am dramatischsten werden Fotos, die aufgenommen werden, wenn sich das Wetter gerade wieder bessert. Das heißt: Der Fotograf muss losgehen, so lange es noch regnet.

  2. © Fotograf: Julia Knuth, Der Selenter See brennt!, Blende-Fotowettbewerb
    © Fotograf: Julia Knuth, Der Selenter See brennt!, Blende-Fotowettbewerb
    Nehmen Sie sich Zeit für Ihr Foto. Es gibt einiges, worüber Sie sich Gedanken machen sollten, Bilder, die in Hektik entstehen, sind klassische Schnappschüsse. Deren Qualität reicht aber oft nicht an das heran, was man von einer tollen Landschaftsaufnahme erwartet. Lassen Sie das Motiv auf sich wirken, gehen Sie auch mal einige Schritte zur Seite, zurück oder nach vorne und manchmal entdeckt man die bessere Perspektive schon nach einigen Metern bergauf.

  3. Nehmen Sie ein Stativ mit. Gerade dann, wenn die Sonne nicht mehr allzu hoch am Himmel steht, können längere Belichtungszeiten notwendig sein. Dann ist ein Stativ ohnehin obligatorisch, da sonst die Gefahr besteht, dass die Fotos verwackeln. Aber auch sonst ist ein Stativ eine große Hilfe, denn so hat der Fotograf ausreichend Zeit und Gelegenheit, sich über die Gestaltung seines Bildes Gedanken zu machen und die Kamera richtig auszurichten. Nichts ist schlimmer als ein schiefer Horizont, wenn es aussieht, als ob das Meer zu einer Seite hin ausläuft.

  4. © Fotograf: Marlena Wels, Abendstimmung am Selker Noor, Blende-Fotowettbewerb
    © Fotograf: Marlena Wels, Abendstimmung am Selker Noor, Blende-Fotowettbewerb
    Machen Sie sich Gedanken darüber, was das Hauptmotiv sein soll. Das sollte dann auch prominent in Bild platziert sein. Das heißt nicht, dass das Hauptmotiv das ganze Bild ausfüllen muss oder gar in der Bildmitte sein muss, aber es sollte dem Betrachter sofort klar sein, was wichtig ist. Muss sich der Betrachter nämlich zu erst einmal im Bild zurechtfinden, dann besteht die Gefahr, dass er das Foto schnell wegklickt oder zur Seite legt. Vorder- und Hintergrund gehören zu jedem Foto dazu. Beide sind deshalb wichtig, fast so wichtig wie das Hauptmotiv. Schauen Sie deshalb genau, was Sie alles im Sucher sehen. Wenn Sie etwas Störendes entdecken, reicht es manchmal schon, die Position ein wenig zu verändern, um einen anderen Bildwinkel zu erhalten. Besonders störend sind vor allem Objekte, die vom Hauptmotiv ablenken, also alles was besonders hell, farbig oder glänzend ist.

  5. Bauen Sie Ihr Bild spannend auf. Eine Diagonale sorgt immer für Spannung, also ein Weg oder eine Straße, die sich durchs Bild schlängelt. Ansonsten gilt nach wie vor die Regel des Goldenen Schnitts. Um diese besagt, dass der beste Platz für das Hauptmotiv nicht in der Bildmitte liegt, sondern etwas außerhalb davon, kurz vor dem äußeren Bilddrittel. Lassen Sie den Horizont niemals in der Bildmitte verlaufen.

  6. © Fotograf: Stefan Werner, Blau Gelb Grün - Weferlingen, Blende-Fotowettbewerb
    © Fotograf: Stefan Werner, Blau Gelb Grün – Weferlingen, Blende-Fotowettbewerb
    Wählen Sie die verwendete Brennweite sorgsam aus. Es muss nicht immer das Weitwinkelobjektiv sein. Für eine Panoramaaufnahme ist es natürlich das Mittel der Wahl, ebenso wenn die Landschaft besonders weit wirken soll. Aber ist das Bild dann auch spannend? Manchmal ist es besser, sich auf das Hauptmotiv zu konzentrieren und einige Millimeter mehr Brennweite einzusetzen. Es sollte in jedem Fall nichts Überflüssiges im Bild sein. Und wenn es doch so ist, dann müssen Sie entweder näher ans Motiv ran oder eine größere Brennweite wählen.

  7. Fotografieren ist nichts anderes als malen mit Licht. Nutzen Sie also diese Möglichkeit. Gegenlicht kann zwar manchmal Probleme machen, es kann aber auch für interessante Lichteffekte sorgen. Spielen Sie mit dem Licht – der Wald, in dem einzelne Lichtstrahlen durch das Blätterdach fallen, ist ein bekanntes Beispiel. Wenn Sie die Möglichkeit haben, dann schauen Sie, wie sich das Licht den Tag über in einer Landschaft verändert. In jedem Fall ist es besser, mit einer flach stehenden Sonne zu fotografieren, weil dadurch Hügel und Täler durch Licht und Schatten besser modelliert werden.

  8. © Fotograf: gisela köhler, Kajak a.d. Umbagog Lake in New hampshire, Blende-Fotowettbewerb
    © Fotograf: gisela köhler, Kajak a.d. Umbagog Lake in New hampshire, Blende-Fotowettbewerb
    Schalten Sie die Automatik ihrer Kamera ab. Denn gerade flach einfallendes Licht oder das Licht in der Dämmerung kann die Automatik der Belichtungssteuerung nicht richtig einordnen. Automatiken an Kameras versuchen in der Regel, ein gleichmäßig berichtetes Bild zu erhalten. Wenn es aber nicht taghell ist, dann besteht die Gefahr, dass das Bild überbelichtet wird. Bei Gegenlicht oder dem angeführten Beispiel von Sonnenstrahlen im Wald besteht dagegen die Gefahr, dass Fotos unterbelichtet werden, weil der Belichtungsmesser von den hellen Bildteilen irritiert wird. Im Zweifelsfall machen Sie eine Belichtungsreihe über drei Belichtungsstufen, um auf der sicheren Seite zu sein.

  9. Gerade bei Landschaftsaufnahmen verspricht ein Polarisationsfilter bessere Ergebnisse. Es eliminiert Streulicht und erzeugt damit klarere Farben sowie bessere Kontraste. Ein Polarisationsfilter kann natürlich nicht zaubern, aber gerade, wenn es etwas dunstig ist oder sich am Himmel weiße Wolken vom tiefen Himmelsblau abheben sollen, kann er doch kleine Wunder vollbringen. Er gehört zur Standardausrüstung eines Landschaftsfotografen.

  10. © Fotograf: Heike Anna Wedekind, Nordsee bei Hvide Sande, Blende-Fotowettbewerb
    © Fotograf: Heike Anna Wedekind, Nordsee bei Hvide Sande, Blende-Fotowettbewerb
    Wählen Sie an Ihrer Kamera das RAW-Format. Nur so erhalten sie Dateien, die ein Maximum an Bildinformationen enthalten. Außerdem verhindern Sie so, dass es zu Abrissen in Farbverläufen kommt. Diese Gefahr besteht vor allem in Flächen mit sanften Farbverläufen, wie beispielsweise einem Himmel. Wenn ihre Kamera kein RAW unterstützt, dann wählen Sie die bestmögliche Qualitätsstufe. Nehmen Sie dafür ausreichend Speicherkarten mit.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2014

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