Langzeitbelichtung - Das Spiel mit der Belichtungszeit

© Fotograf: Diana Schmidt, Morgenröte, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Diana Schmidt, Morgenröte, Blende-Fotowettbewerb
Langzeitbelichtungen sind nicht nur dafür da, die Nacht aus fotografischer Sicht im überspitzen Sinne zum Tage werden zu lassen und um durch Bewegungsunschärfe mehr Dynamik in Fotografien zu erzeugen, sondern sie sind ein grandioses Gestaltungsmittel. Denken wir hier beispielsweise an das Meer mit seinen Wellenbewegungen – möglicherweise stören diese die gewünschte Bildaussage und es wäre sehr viel passender, wenn die Wasseroberfläche geglättet wirkt, weil dann die aus dem Meer herausragenden Steine besser zur Geltung kommen. Langzeitbelichtungen steigern die fotografischen Möglichkeiten quasi ins Unermessliche mit atemberaubenden Bildergebnissen.

Ausrüstung für Langzeitbelichtungen

© Fotograf: Robert Hammann, Schirme, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Robert Hammann, Schirme, Blende-Fotowettbewerb
Als Kameras für Langzeitbelichtungen bestens geeignet sind kompakte System- und Spiegelreflexkameras sowie hochwertige Kompaktkameras. Die Kamera sollte bestenfalls über nachstehenden Funktionsumfang verfügen:

  • Manueller Modus (Wahl von Blende und Verschlusszeit)
  • Bulb-Modus – mehr als 30 Sekunden Aufnahmezeit
  • RAW-Modus
  • Objektiv mit Objektivgewinde zur Befestigung eines Filters
  • Fernauslöser-Anschlussmöglichkeit
  • Spiegelvorauslösung

© Fotograf: Helmut Strauß, Harmonie, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Helmut Strauß, Harmonie, Blende-Fotowettbewerb
Ein Stativ ist für Langzeitbelichtungen Pflicht – dem Drei- beziehungsweise Vierbeinstativ ist hier der Vorzug zu geben. Qualität hat ihren Preis und es lohnt sich, zu investieren, denn ein Stativ ist ein jahrzehntelanger Begleiter. Für welches Material (Holz, Kunststoff, Aluminium, Carbon) man sich entscheidet, ist sicherlich vielfach auch eine Geschmackssache. Holzstative sind recht schwer, Aluminiumstative schon wesentlich leichter und Carbonstative tragen noch weniger auf. Wichtig ist beim Kauf auf die Stabilität und Belastbarkeit zu achten. Nicht minder wichtig ist der Stativkopf. Ihm wird oftmals viel zu wenig Beachtung geschenkt, was sicherlich auch mit daran liegt, dass Stative zusammen mit Stativkopf angeboten werden. Ein Gang zum Fotohändler lohnt sich, um das breite Angebot an Stativköpfen nicht nur in Augenschein zu nehmen, sondern auch gleich die Funktionsweise zu testen. Wichtig ist natürlich, auch beim Stativkopf auf die Belastbarkeit zu achten. Unser Tipp: immer etwas Reserve mit einplanen. Um jegliche Erschütterungen beim Auslösen der Kamera zu vermeiden, empfiehlt sich das Fotografieren mit einem Fernauslöser. Bis 20 Sekunden kann man sich übrigens notfalls des Selbstauslösers bedienen. Möchte man am Tag der Langzeitfotografie nachgehen, dann ist das Graufilter Pflicht, denn ansonsten hat man schlichtweg überbelichtete Aufnahmen. Das Graufilter hat die Aufgabe, das durch das Objektiv auf den Kamerasensor fallende Licht zu reduzieren. Dadurch kann man als Fotograf die Belichtungszeit verlängern. Die neutrale Graufärbung garantiert in der Regel eine unverfälschte Farbwiedergabe. Laut Literatur gibt es jedoch mit dem Filter ND 3.0 eine Ausnahme – je nach Kamerahersteller kann es zu einem rötlichen (wärmeren) oder bläulichen (kühleren) Ton kommen. Wird im RAW-Format – was zu empfehlen ist – fotografiert, dann lässt sich dieser Farbstich schnell korrigieren. Graufilter gibt es in unterschiedlichen Stärken – es ist ratsam verschiedene Stärken in seinem Besitz zu wissen. Sehr beliebt ist die gemeinsame Nutzung mehrerer Filter – die Gesamtschärfe der Aufnahme leidet übrigens nicht unbedingt darunter. Das hängt jedoch auch davon ab, mit welcher Blende fotografiert wird.

© Fotograf: Renate Bonse, Himmelstor, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Renate Bonse, Himmelstor, Blende-Fotowettbewerb
Kommen wir zu den Augen der Kamera, und zwar zum Objektiv. Prinzipiell ist jedes für Langzeitbelichtungen geeignet. In der Praxis – und zwar nicht nur in der Landschaftsfotografie – zeigt sich, dass man mit einem Weitwinkelobjektiv sehr gut beraten ist. Es bietet einen großen Freiraum und zudem lässt es bereits ab einem geringen Blendenwert eine hohe Schärfentiefe zu.

Kameraeinstellungen

Nur wer seine Bilder nicht bearbeitet, der fotografiert im JPEG-Format. Wesentlich empfehlenswerter ist das RAW-Format, über das nahezu alle aktuellen Kameramodelle verfügen. Das RAW-Format räumt Fotografen einen großen Spielraum in Sachen Bildanpassung, Kontrastregelungen etc. ein, um am Ende eine ausgewogene Tonwertverteilung in der Aufnahme zu erhalten.

© Fotograf: Martin Wasilewski, Harzer Sommerfrische, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Martin Wasilewski, Harzer Sommerfrische, Blende-Fotowettbewerb
Nahezu alle Kameras bieten die Option der Rauschreduzierung – nicht zu verwechseln mit Rauschunterdrückung – bei Langzeitbelichtungen. Ohne zu sehr in die Technik zu gehen, erstellt die Kamera ein sogenanntes Schwarzbild, legt dieses über die Aufnahme und berechnet die ganze Aufnahme. Hierbei werden die fehlerhaften Pixel eliminiert. Das klingt hilfreich. In der Praxis bedeutet dies jedoch, dass es bei sehr langen Belichtungszeiten von beispielsweise 10 oder gar 20 Minuten durchaus 30 Minuten und mehr dauern kann, bis das endgültige Foto auf dem Kameradisplay erscheint. Die Kamera ist für diese Zeitspanne blockiert. Sollte der Akku die Neige machen, dann ist die Aufnahme unwiederbringlich weg. Aus unserer Sicht macht die Rauschunterdrückung bei Belichtungen von bis zu 2 Minuten sicherlich Sinn – darüber würden wir sie deaktivieren.

Die Lichtempfindlichkeit des Sensors sollte unserer Ansicht nach so klein wie nur möglich gewählt werden. Je nach Kameramodell liegt die ISO-Empfindlichkeit bei ISO 100 oder ISO 200. Zahlreiche Kameramodelle bieten die Option, die ISO-Zahl weiter nach unten auf z.B. ISO 50 zu berechnen.

Fotografieren in der Praxis 06 / 2015

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