Langzeitbelichtungen

Metro Bildgalerie betrachten “Metro”
Moritz Maler

Die Photographie friert Bewegungen ein, hält einen Augenblick fest und bannt eben diesen kurzen Moment auf Film oder Sensor. Dieser Zeitraum erstreckt sich in der Freihandphotographie meist im Bereich zwischen 1/1.000 und 1/60 Sekunde.

Eine kurze Belichtungszeit eignet sich gut für ein punktförmiges Ereignis. Wenn der Schnee spritzt, wenn der Skifahrer eine Kurve macht, oder ein Brett noch an der letzten Faser zusammenhängt, während es von einem Karate-Kämpfer durchschlagen wird - das sind die Ereignisse, die sich wunderbar als ganz kurzer Moment in einem Photo festhalten lassen. Möchte man jedoch Bewegung und Dynamik im Photo zum Ausdruck bringen, ist eine längere Belichtungszeit ratsam.

Welche Kameraeinstellungen bei Langzeitbelichtungen nun die genau richtigen sind, läßt sich oft nur durch Probieren herausfinden. Bei unserem Motiv „Metro-Station Louvre-Rivoli in Paris“ lag die Belichtungszeit bei zwei Sekunden. Zum Einsatz kam ein Objektiv mit 24 mm Brennweite, die Blende wurde auf 4,5 eingestellt. Um Verwacklungen zu vermeiden, kam ein Stativ und ein Drahtauslöser zum Einsatz. Während der Belichtung des Dia-Positivfilms 100 ASA fuhr der Zug in den Bahnhof ein und bremste bis zum Stillstand ab. Eine längere Belichtungszeit hätte bei unserem Motiv dazu geführt, daß die Umrisse, auch die der umhergehenden Menschen, verschwimmen.

Langzeitbelichtungen mit Stativ bieten den Vorteil, daß eine geringere Film- oder Sensorempfindlichkeit gewählt werden kann. Dadurch lassen sich feinkörnigere Aufnahmen (durch niedrigempfindliche Filme) beziehungsweise solche ohne Rauschen (kleine ISO-Einstellung an der Digitalkamera) erstellen. Gute Dienste leisten bereits Einbeinstative, die einerseits der Kamera festen Halt verschaffen, andererseits dem Photographen genügend Bewegungsspielraum lassen. Je länger die Belichtungszeit gewählt wird, desto unerläßlicher ist der Einsatz eines Dreibeinstativs, da nur mit diesem die Kamera über Sekunden still gehalten werden kann.

Bleibt noch die Frage der richtigen Blende. Einen Anhaltswert bietet in jedem Fall die Messung der Kamera. Noch nicht so geübte Photographen können zunächst mit der Blendenautomatik arbeiten, bei der die Zeit vorgewählt wird und die Kamera die richtige Blende heraussucht. Da Langzeitbelichtungen meist aber unter schwierigen Lichtverhältnissen entstehen (Bühne, Bahnhof bei Nacht, Innenräume), ist eine Belichtungsreihe in jedem Fall ratsam.
 

Fotografieren in der Praxis 02 / 2005

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden