Licht ins Dunkel bringen

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“Galeries Lafyette”
Moritz Maler

Kurz vor Weihnachten sind die Nächte lang wie sonst das ganze Jahr über nicht. Doch es ist gar nicht so dunkel in den Städten und Dörfern, denn unzählige Lichterketten schmücken ganze Straßenzüge beziehungsweise Hausfassaden und erleuchtete Weihnachtsbäume, strahlende Weihnachtsmänner aus Plastik und Adventskränze zieren nicht nur die Weihnachtsmärkte.

Reizvolle Motive finden sich aber in jeder Nacht des Jahres. Straßenlaternen bilden Lichtinseln, Autos ziehen eine gleißende Lichtspur über Straßen und Autobahnen, erleuchtete Fassaden scheinen hinaus in die dunkle Nacht. Film oder Digitalsensor sehen das Licht mitunter anders, als das menschliche Auge, die chemischen (Film) oder elektronischen (Digitalkamera) Sensoren sind in der Lage, das Licht, das auf sie einfällt, zu addieren. Je länger belichtet wird, umso heller erscheint das Licht später im Bild.

Zwar ist es im Prinzip besser, Nachtaufnahmen während der Dämmerung zu machen, in der „Blauen Stunde“ zwischen Sonnenuntergang und absoluter Dunkelheit, weil dann die Kontraste zwischen Licht und Umgebung nicht so groß sind. Die Photographie inmitten der Nacht hat jedoch auch ihren eigenen Reiz und bietet sich in Winter und Frühjahr geradezu an, denn dann sind die Zeiten der Dämmerung ohnehin recht kurz.

Beim Photographieren in tiefer Nacht sollte keinesfalls auf die dunklen Motivteile belichtet werden. Die Lichter werden sonst total überbelichtet und fressen aus. Sinnvoll ist - beim Photographieren eines Straßenzugs mit Laterne beispielsweise - den Bereich für die Belichtungsmessung auszuwählen, der von der Laterne beschienen wird. So erscheint die Nacht zwar in tiefem Schwarz, es gelingt jedoch, die Szenerie noch im Bild zu zeigen. Eine Szene am Fluß oder See bietet sich für solche Bilder geradezu an, vor allem dann, wenn das Wasser den Lichtschein von Straßenlaternen, Mond oder fahrenden Autos reflektiert.

Idealerweise wird zur Ermittlung von Blende und Belichtungszeit die Spotbelichtungsfunktion der Kamera genutzt. Wenn der beleuchtete Teil des Bildes ausreichend groß ist, kann auch eine mittenbetonte Integralmessung einen richtigen Wert ermitteln. Auf der sicheren Seite ist der Photograph immer nur mit einer Belichtungsreihe.

Ein Stativ ist bei Nachtaufnahmen Pflicht. Bei Belichtungszeiten von zum Teil mehreren Sekunden oder gar Minuten kann kein Photograph die Kamera in der Hand ruhig halten. Es ist zwar möglich, mit entsprechender Einstellung der Empfindlichkeit an der Digitalkamera oder mit Wahl eines höchstempfindlichen Films, kürzere Verschlußzeiten zu erzielen. Meist geht dabei aber durch starkes Rauschen oder kräftiges Filmkorn ein gutes Stück der Bildqualität verloren - außer man möchte das Filmkorn gezielt zur Bildgestaltung nutzen.
 

Fotografieren in der Praxis 12 / 2005

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