Lightpainting - Die große Kunst in der Fotografie

© Fotograf: Karin König, Geisterstunde, Blende-Fotowettbewerb
Geisterstunde
Lightpainting mit BMX-Rad, präpariert mit LED-Leuchten und schwarzem Tape, Langzeitbelichtung, Stativ, Feld und Bäume als Hintergrund
© Fotograf: Karin König, Blende-Fotowettbewerb
Fotografieren bedeutet, mit Licht zu malen und Lightpainting, das absolut im Trend liegt, kann als die besondere Form des fotografischen Malens mit Licht verstanden werden. Wir sind absolut begeisterte Anhänger von Lightpainting, dieser großen Kunst in der Fotografie, mit Aufnahmen, die einzigartig sind und die für ein hohes Maß an künstlerischer Kreativität auch vor der Kamera stehen. Solche Aufnahmen, in XXL ausgegeben, sind in den eigenen vier Wänden ein grandioser Blickfang und wer gar beispielsweise 12 tolle Aufnahmen aus diesem Themengebiet hat, kann daraus einen großformatigen Jahreskalender gestalten. Lightpainting hat sicherlich die wachsende Anzahl der Anhänger auch deshalb, weil sich jeder Fotobegeisterte dieses Themengebiet erschließen kann. Wir können es nur empfehlen – der Suchtfaktor ist auch aufgrund der unendlichen Möglichkeiten gigantisch.

© Fotograf: Laura Sperl, Lichtbildmalerei, Blende-Fotowettbewerb
Lichtbildmalerei – Durch einen Zufall die Möglichkeiten der Lichtbildmalerei mit Taschenlampe und Langzeitbelichtung entdeckt. Und nach einigen Experimentier-Stunden in Kroatien einige schöne Motive im Kasten gehabt. Hier ein Beispiel!
© Fotograf: Laura Sperl, Blende-Fotowettbewerb
Dunkel sollte es sein, wenn es um Lightpainting geht. Das kann draußen unter freiem Himmel sein, im eigenen Studio oder beispielsweise in verlassenen alten Industrieanlagen. Welche Örtlichkeit man bevorzugt, hängt natürlich von der Intention ab. Für Einsteiger in dieses Themengebiet sind die eigenen vier Wände zunächst ratsam – der Raum sollte schon eine gewisse Größe von um die 20 m2 und mehr haben und auch nicht so zugestellt sein, damit man sich darin mit seinen Leuchtkörpern auch bewegen kann. Stolperfallen gehören aus dem Weg geräumt, denn da es nahezu dunkel ist, möchte man ungern über etwas fallen, was im Weg steht. Für die Akteure vor der Kamera empfehlenswert ist schwarze Kleidung. Auch an die Hände sollte man denken – hier bieten sich leichte Handschuhe an, mit denen die Bedienung der Leuchtkörper noch sichergestellt ist. Fehlt es einem an Mitstreitern, so kann man sich natürlich auch selbst vor die Kamera begeben. Eine Alternative zu sich bewegenden Personen sind Leuchtkörper an sich bewegenden Geräten zu befestigen. Das kann der Mixer ebenso sein wie der Ventilator oder die Bohrmaschine. Wichtig ist natürlich, die Sicherheit zu beachten und sich sowie andere, aber auch die eigenen vier Wände nicht in Gefahr zu bringen. Der Einsatz von Wunderkerzen beispielsweise sollte unserer Ansicht nach draußen verlegt werden, denn ansonsten ist der Ärger über mögliche Brandlöcher im Parkett oder auf dem Teppich groß.

© Fotograf: Thomas Villagomez, Light-Orb Lostplace, Blende-Fotowettbewerb
Light-Orb Lostplace
Ich habe in einem alten verlassenen Gutshof im Dachgeschoss eine Lichtkugel entworfen. Diese Bild ist eine Langzeitaufnahme. Ein einziges Bild. Zuerst wurde der Dachstuhl ausgeleuchtet und dann der sog. Orb erstellt
© Fotograf: Thomas Villagomez, Blende-Fotowettbewerb
Warum empfehlen wir Einsteigern, Lightpainting zunächst in die eigenen vier Wände zu verlegen? Ganz einfach, denn man muss sich an dieses Themengebiet herantasten und ein Gefühl dafür bekommen. Dazu gehört natürlich am Anfang auch die regelmäßige Bildbeurteilung. Auch, wenn die Kameradisplays immer größer und besser werden, so können die Aufnahmen über einen Computerbildschirm natürlich wesentlich besser bewertet werden. Nach der Bildkontrolle kann man dann gegebenenfalls gleich entsprechende Korrekturen vornehmen. Hat man zu Hause erste Erfahrungen gesammelt, so helfen diese einem dann, wenn das Shooting nach draußen verlegt wird.

Wichtig ist natürlich eine Kamera – mit einer hochwertigen Kompaktkamera ist man ebenso gut beraten wie mit einer kompakten System- und/oder Spiegelreflexkamera. Manuelle Fokussierung und ein „B“-Modus (Bulb) sind Pflicht. Möchte man noch mehr aus seinen Fotografien herausholen, dann sollte im RAW-Format fotografiert werden. Dies setzt natürlich die anschließende Bereitschaft zur Bildbearbeitung voraus. Sofern die Kamera die Option bietet, sollte die Rauschunterdrückung aktiviert sein. Mit einem Smartphone sollte man sich diesem Themengebiet der Fotografie nicht stellen. Es kann getrost in der Hosentasche verbleiben oder als künstliche Lichtquelle herangezogen werden.

© Fotograf: Bernhard Rauscher, Aurora Fireflies, Blende-Fotowettbewerb
Aurora Fireflies
Nordlicht, kombiniert mit minimalem Lightpainting
© Fotograf: Bernhard Rauscher, Blende-Fotowettbewerb
Die verwendete Optik bestimmt den Radius, indem man sich mit seinen Leuchtkörpern bewegen kann, und was man außerhalb dessen fotografisch noch einfangen möchte. Mit der Weitwinkeloptik kann ein deutlich größerer Bildausschnitt eingefangen werden als mit einer Telebrennweite. Kommen Akteure mit ihrer Lichtkunst zum Einsatz, so ist ein größerer Abstand zwischen Kamera und ihnen ebenso ratsam wie die Wahl einer längeren Brennweite. Geht es um das künstlerische Gestalten mit Licht im Nahbereich, dann ist natürlich das Makroobjektiv die erste Wahl. Wie wir eingangs schon ausführten, ist die Bandbreite von Lightpainting schier unerschöpflich. Ein Stativ ist Pflicht – wir raten zu einem Drei- oder Vierbeinstativ.

Ohne künstliche Lichtquellen geht es beim Lightpainting natürlich nicht, denn sie stehen für das Malen mit Licht. Für welche man sich entscheidet, hängt natürlich von der Bildidee und der eigenen Intention ab. Sehr beliebt sind Taschenlampen, die jeder von uns zu Hause hat. Tolle Bildergebnisse liefern aber auch unterschiedlich eingefärbte Leuchtstäbe, Lichterketten, Laserpointer und die schon erwähnten Wunderkerzen. Natürlich können die unterschiedlichen Lichtquellen miteinander kombiniert werden, was für besondere Effekte sorgt. LED-Taschenlampen bieten den großen Vorteil, dass sie dem Fotografen eine tagesähnliche Farbe garantieren und die Batterien auch lange Zeit halten. Wer sich für Glühlampen entscheidet, der erhält einen wärmeren Ton.

© Fotograf: Andreas Bender, Funkenregen mit Regenschirm, Blende-Fotowettbewerb
Funkenregen mit Regenschirm
© Fotograf: Andreas Bender, Blende-Fotowettbewerb
Bei Lightpainting handelt es sich um Langzeitbelichtungen von Bewegungen einer oder mehrerer Lichtquellen oder durch Bewegung der Kamera. Es stehen einem also zwei Optionen beim Fotografieren offen. Entweder wird das Licht in Richtung der Kamera gehalten und während der Belichtung bewegt, um Formen oder Linien zu erzeugen oder umgekehrt, indem die Kamera in bestimmte Richtungen bewegt wird, um durch die Veränderung der Position der stationären Lichtquellen im Bildausschnitt Linien zu erzeugen. Lightpainting braucht prinzipiell Dunkelheit – ist aber bei Einsatz von ND-Filtern auch bei Tageslicht möglich. In diesem Fall wird jedoch ein entsprechend helleres Leuchtmittel benötigt.

Entscheidend ist die Choreographie und für sie ist es hilfreich, dass die Bildvisionen bereits im Kopf vorliegen, bevor das Licht den Sensor der Kamera berührt. Je mehr Akteure vor der Kamera mit ihren Lichtquellen das Kunstwerk ergeben, desto wichtiger ist es, sie in Einklang zu bringen und die Bewegungsabläufe vorab einzustudieren. Die Lichtquellen können auf unterschiedlichste Art und Weise sozusagen in Schwingung versetzt werden, sei es durch Bewegung der Hände, unter Zuhilfenahme eines Rührmixers oder beispielsweise einer Bohrmaschine. Hier lohnt sich das Experiment ebenso wie mit den Lichtquellen, um die Wirkungsweise in Erfahrung zu bringen.

Fotografieren in der Praxis 07 / 2015

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3 Kommentare

Hier könnt ihr euch viele Tipps und auch Inspirationen holen: www.lightart-photography.de

von JanLeonardo
30. September 2015, 05:36:44 Uhr

Ich kann es nur empfehlen. Hat riesigen Spaß gemacht den hier abgebildeten Orb zu erstellen. Bin Grad geflasht den hier zu sehen. Nehmt noch ein paar Leute mit...tauscht Erfahrung aus und der Tag(die Nacht) wird der Hammer.

von Thomas
14. Juli 2015, 14:25:22 Uhr

Habe durch den Beitrag richtig Lust darauf bekommen und die ersten Aufnahmen am letzten heißen Wochenende gemacht. Ist echt ein tolles Thema mit Suchtfaktor. Paul

von Paul
07. Juli 2015, 08:50:01 Uhr

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