Luftbildfotografie: Flugübungen - Mit der Fotodrohne abheben

Die Luftbildfotografie begeistert die Sinne durch Ansichten jenseits des Alltäglichen, aber auch dadurch, dass man sich neue Motivwelten erschließen kann. Dank sogenannter Fotodrohnen, ein vielfach negativ belegtes Wort und deshalb bevorzugt als Multicopter bezeichnet – ist es heute theoretisch für jeden ein Leichtes, damit abzuheben und für sich die Luftbildfotografie zu erschließen. Das Angebot an Fotodrohnen/Multicoptern ist umfangreich und reicht von ein paar wenigen 100 € bis mehreren 1.000 €. Der Markt boomt seit einigen Jahren – ein Indiz für die große Begeisterung. Fotodrohne kaufen, abheben und mit der Luftbildfotografie loslegen ist alles andere als eine gute Idee. Über geltendes Recht gilt es, sich im Vorfeld zu informieren. Zudem sollte man sich auch im Eigeninteresse die Fähigkeit der Steuerung von Flugköpern – nichts anderes ist eine Fotodrohne – aneignen. So schnell wie eine Fotodrohne nämlich aufsteigt, kann sie bei falscher Bedienung auch abstürzen und einen Totalschaden erleiden. Damit wäre die Investition dahin. Aber nicht nur das, denn man kann auch Schaden anrichten der mit möglichen weiteren Kosten verbunden ist. Aus diesem Grund ist eine entsprechende Haftpflichtversicherung in jedem Fall anzuraten.

Vor dem Start

Bevor es mit den ersten Flugübungen losgeht gilt es, die Fotodrohne auf mögliche Beschädigungen, die zum Beispiel durch den Transport entstanden sein könnten, hin zu überprüfen. Dazu gehört auch zu sichten, ob die Propeller fest und unbeschadet sind. Alle Akkus gehören vor dem Start geladen und müssten richtig arretiert sein. Wichtig ist zudem, dass sich die Schalter der Fernsteuerung in der richtigen Position befinden. Vor jedem Start der Fotodrohne ist sicher zu stellen, dass man weder Menschen noch Tiere in Gefahr bringt und man bei der Wahl des Start- und Landeplatz sowie des Flugbereiches die geltenden Gesetze beziehungsweise Vorschriften auch hinsichtlich der Flughöhe einhält.

Flugmodi – Sich nicht verleiten lassen

Fotodrohnen sind mit eingebauten Flugmodi ausgestattet. In der Praxis zeigt sich, so die Recherche, dass das autarke Fliegen hervorragend funktioniert. Dies mag den einen oder anderen dazu verleiten, Flugübungen als nicht notwendig einzustufen. Dem ist aber nicht so, denn beispielsweise ein auftretendes Hindernis oder eine Windböe erfordert schnelles und gezieltes Eingreifen. Nur wer Kenntnisse über die grundsätzlichen Flugeigenschaften seiner Fotodrohne hat, kann gezielt eingreifen und sicher zur Landung ansetzen.

Flugübungen das A und O

Bevor es mit der Luftbildfotografie so richtig losgehen kann sind Flugübungen mehr als empfehlenswert. Wie so vieles kann man sich die Handhabung einer Fotodrohne selbst beibringen oder einen Workshop besuchen – hier erhält man zudem wertvolle Kniffe, die einen noch schneller in die Luftbildfotografie einsteigen lassen. Übung macht bekanntlich den Meister. Dennoch sollte man sich darüber bewusst sein, dass trotz aller erworbener Flugerfahrungen es jederzeit passieren kann, dass beispielsweise die Landung einer Fotodrohne auch mal weniger sanft ausfällt und sie dadurch Schaden erleiden kann. Die ersten Flugübungen sollten – sofern es das Fotodrohnenmodell zulässt – ohne Kamera erfolgen.

Die ersten Schritte: Start und Landung

Fotodrohnen werden in der Regel über einen Joystick manövriert. Bewegt man diesen nach vorne (vorwärts nicken) so fliegt die Fotodrohne vorwärts. Wird der Joystick zurück geschoben (rückwärts nicken) dann legt man quasi den Rückwärtsgang ein. Beim Druck nach links oder rechts fliegt die Fotodrohne in die jeweilige Richtung (rollen). Von Nicken ist die Rede bei Flugbewegungen um die Querachse und von Rollen spricht man bei Flugmanövern um die Längsachse.

Wie beim Fliegen mit einem Flugzeug gelten auch beim Flug mit der Fotodrohne der Start und die Landung als die heikelsten Flugphasen. Bevor es an andere Flugmanöver geht sollte man Start und Landung blind beherrschen. Die Übungsfläche sollte zugelassen sein und wenigstens drei Meter Platz in alle Richtungen haben sowie frei von Hindernissen sein. Rasenflächen bieten sich perfekt an. Landwirtschaftlich genutzte Flächen sind nach der Ernte eine Option – mit dem Landwirt ist jedoch im Vorfeld abzuklären, ob er dem Vorhaben zustimmt.

Verfügt die Fotodrohne über einen „Autostart“, was bei den meisten der Fall ist, dann ist es bei Windstille und wenn die Fläche groß genug ist, ein leichtes, sie abheben zu lassen. Wird der manuelle Start bevorzugt, dann gilt es den linken Joystick so lange nach vorne zu schieben bis die Fotodrohne in einem Zug auf rund zwei Meter aufsteigt. Die Höhe von zwei Metern ist anzuraten, weil nicht alle Fotodrohnen die Luftverwirbelungen in Bodennähe auszugleichen verstehen. Es kann dann zum Bodeneffekt kommen und die Fotodrohne beginnt zu schaukeln und zu driften.

Hat der Start schon mal geklappt, dann versucht man, die Fotodrohne eine Zeitlang ruhig in der Luft stehen zu lassen, bis man zur Landung ansetzt. Die sollte beherzt und sanft zugleich sein. Wichtig ist, dass man die Fotodrohne nicht zu lange möglichen Turbulenzen in Bodennähe aussetzt, denn sonst kann der Bodeneffekt auftreten und die Fotodrohne beginnt wie besagt zu schaukeln und zu driften. Wichtig ist, dass man bis zur Landung, auch wenn man dazu den Autopiloten nutzt, die Finger an der Fernbedingung hat, denn nur dann kann man beispielsweise auf eine mögliche Windböe entsprechend sofort reagieren.

Die nächsten Flugübungen – Vom Rechteck zur Acht

Sind Start und Landung sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen stehen die nächsten Flugübungen mit Rechteck, Vor und Zurück, Rechteck mit Gierung, Kreis und zu guter Letzt die Acht an. Die einzelnen Flugübungen bauen auch hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades aufeinander auf.

Rechteck

Das Rechteck gilt als die leichteste Flugübung. Mit dem rechten Joystick – Bewegung der Fotodrohne in der waagrechten – erfolgt die Steuerung vorwärts, rückwärts, rechts, links. Die Höhe bleibt konstant. Während der Flugübung sollte man mit der Geschwindigkeit, dem Abbremsen und der Beschleunigung immer wieder experimentieren und beispielsweise an den Eckpunkten die Fotodrohne sozusagen anhalten, so dass sie in der Luft steht. Man sollte diese Flugübung so lange wiederholen, bis man das Gefühl hat, sie zu beherrschen.

1 Übung: Rechteck

Vor und zurück

Bei dieser Flugübung kommen sowohl der rechte (vorwärts, rückwärts) als auch der linke Joystick (Drehung/Gieren links und rechts, entlang der Hochachse) zum Einsatz. Die Bewegungen des rechten Joysticks entsprechen so lange der Bewegung der Fotodrohne, solange die Richtung nach vorne gerichtet ist. Beim Rückflug macht man Erfahrungen mit den vertauschten Achsen. Gerade Einsteiger haben mit dem Umdenken gegebenenfalls Probleme. Hier sollte man die Fotodrohne in den Anfänger-Modus umschalten. Die Bewegung der Fotodrohne orientiert sich in diesem Fall an der Blickrichtung des Piloten.

2 Übung: Vor und zurück

Rechteck mit Gierung

Die Flugübung Rechteck mit Gierung stellt eine Kombination aus den Flugübungen „Rechteck“ und „Vor und Zurück“ dar. An jedem der vier Eckpunkte wird die Fotodrohne um 90 Grad gedreht. Damit befindet sie sich stets in Vorwärtsrichtung des rechten Joysticks. Wie schon bei der Flugübung „Vor und Zurück“ geht es hier auch darum Routine zu erhalten und über die Änderung der Achsen nicht mehr nachdenken zu müssen.

3 Übung: Rechteck mit Gierung

Kreis

Der Kreis gilt als fortgeschrittene Flugübung – beide Joysticks sind in Aktion. Bei den ersten Flugübungen sollte man die Geschwindigkeit der Fotodrohne moderat halten, denn während mit dem rechten Joystick die Vorwärtsbewegung erfolgt muss man gleichzeitig den linken Joystick leicht nach rechts schieben, wenn der Kreis um Uhrzeigersinn geflogen wird. Die geflogene Kreisgröße hängt von der Geschwindigkeit und der Gierung ab. Die Kreise werden übrigens beim Rollen enger – Zur Bewegung der Fotodrohne vorwärts durch Gieren kommt orthogonal in Richtung Kreismitte hinzu.

4 Übung: Kreis

Acht

Die geflogene Acht ist nichts weiter als die Kombination zweier Kreise. Nur mit dem Unterschied, dass der erste Kreis im Uhrzeigersinn geflogen wird und der zweite Kreis gegen den Uhrzeigersinn. Mit der Handhabung der Steuerung muss man sich vertraut machen, da im Schnittpunkt der beiden Kreise die Bewegungsrichtung wechselt.

5 Übung: Acht

Das Flugmanöver dieser Übung vereint, abgesehen vom Steig- und Sinkflug, alle Bewegungen, die zur Steuerung einer Fotodrohne benötigt werden. Ein Pilot sollte immer wissen wie das Fluggerät reagiert, welche Bewegung dieses gerade vollführt und die beiden Steuerknüppel intuitiv bedienen können. Wie so oft, macht auch hier Übung den Meister.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2017

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