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Macht Fotografieren vergesslich?
Dass die Fotografie begeistert und dass die Zahl der Bildermacher mit der wachsenden Vielfalt an Aufnahmegeräten stetig zunimmt, ist sicherlich ebenso nichts Neues, wie dass die Zahl der Klicks weltweit ins Unermessliche steigt. Allein für Deutschland liegt deren Anzahl bei über 2.000 pro Sekunde – eine beeindruckende Zahl, die für eine nie zuvor dagewesene Bilderflut sorgt. Dass mit dem gestiegenen Interesse an der Fotografie auch die Zahl an Studien rund um die Fotografie wächst, liegt sicherlich auf der Hand, möchte man doch herausfinden, welche Auswirkungen die Fotografie auf Verbraucher hat. So hatten wir neulich auf unserer Homepage mit einem Augenzwinkern über die Studie berichtet, dass Fotografen schlauer sind. Welcher Fotograf hört das nicht gern? Eine weitere Studie hatte zum Ergebnis, dass man mithilfe der Fotografie abnehmen kann, indem man sich Bilder vom Essen anschaut und sich quasi dann schon ein Sättigungsgefühl einstellt – preiswerter kann demnach Abnehmen nicht sein. Kurz vor dem Jahreswechsel hat eine weitere Studie zutage gebracht, dass Fotografieren vergesslich machen soll.

Dieses Ergebnis überrascht, steht es doch konträr zu unseren eigenen Erfahrungen, und auch zu denen vieler anderer mit uns. Uns hilft die Fotografie, die Welt um uns herum sehr viel aufmerksamer wahrzunehmen. Uns hilft die Fotografie zudem, flüchtige Momente zu konservieren und damit in Erinnerung zu behalten – ob wir sie ohne die Fotografie vergessen würden, ist sicherlich von der Art der Ereignisse als solche abhängig. Die Frage, die wir uns aufgrund der Studie stellen, ist natürlich, ob es nicht mehr als legitim ist, auf die Fotografie zu setzen, um quasi die Festplatte unseres Gehirns bei den millionenfachen täglichen Sinneseindrücken zu entlasten.

An der Studie, wonach laut Linda Henkel (Fairfeld University in Connecticut) Fotografieren vergesslich machen soll, ja sich sogar ein „schädlicher Fotografie-Effekt“ einstellt, nahmen 28 Probanden teil, die im Universitätsmuseum 30 verschiedene Objekte anschauen sollten. Die ersten 15 Kunstwerke sollten die Probanden nur ansehen und die anderen 15 zusätzlich auch fotografieren. Am Folgetag wurden die Probanden von der Leiterin nach den gesehenen Motiven befragt. Dabei stellte sich nach Linda Henkel heraus, dass die lediglich betrachteten und nicht fotografierten Objekte noch gut in Erinnerung waren, während die Teilnehmer Schwierigkeiten hatten, sich an die fotografierten Motive zu erinnern. Linda Henkel interpretiert das Ergebnis so, dass „wenn Leute auf Technologie setzen, die sie später erinnern soll, sie sich bei der Ereignisspeicherung auf die Kamera verlassen und damit ihre Aufmerksamkeit verlassen.“ Dies, so Henkel, habe einen negativen Einfluss auf die Erinnerungen eines Erlebnisses – mit der Folge, dass wir uns auf die Fotografie verlassen und das Erlebte schnell vergessen.

Macht fotografieren vergesslich – Wie ist Ihre Meinung?

http://www.nydailynews.com/life-style/health/photos-hamper-memory-study-article-1.1543166
http://www.chip.de/news/Uni-Studie-_Fotografieren-macht-vergesslich__66075732.html

Fotografieren in der Praxis 01 / 2014

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2 Kommentare

Ich halte die Studie für bedingt aussagekräftig 1. wegen der geringen Anzahl an Probanden 2. hinsichtlich der Aufgabenstellung "Kunstwerke im Museum" Was sicher zutrifft: Wenn man Objekte fotografiert, für die man sich nicht sonderlich interessiert, wird man sich daran auch nicht besonders gut erinnern. Das Foto wird zu einer Notiz, die man sich bei Bedarf später noch genauer ansehen kann. Man muss sein Gedächtnis also nicht mit überflüssigen Inhalten belasten. Das Studienergebnis spricht deshalb eher für die automatische Intelligenz des Gedächtnisprozesses. Interessant wäre in diesem Zusammenhang die Fragestellung, ob sich die Teilnehmer erinnern konnten, welche Objekte sie fotografiert hatten und welche nicht. Denn wenn das der Fall wäre, dann hätte das Gehirn eine Querverweis angelegt ("brauch ich mir nicht merken, habe ja ein Foto"). Meine persönliche Erfahrung zeigt, dass ich als "Vielfotografiererin" Ereignisse, die 20 oder mehr Jahre zurückliegen, erheblich besser erinnern kann, wenn ich davon Fotos gemacht habe. Bei den wenigen Urlaubsreisen oder Ausflügen, bei denen keine Kamera dabei war, fehlt meinem Gedächtnis manchmal die korrekte Zuordnung in welchem Jahr die Reise stattgefunden hat. Extremfall: War ich überhaupt da oder dort, wenn es davon keine Bilder gibt? ;-) Ich denke so eine Studie sollte auch unterscheiden, ob die Teilnehmer begeisterte Fotografen oder Gelegenheitsknipser sind. Bei Gelegenheitsknipsern würde ich das Studienergebnis als eher zutreffend einstufen, bei engagierten Fotografen käme sicher etwas anderes heraus. Wer begeistert fotografiert, beschäftigt sich im Nachhinein auch z.T. sehr intensiv mit den Motiven (Nachbearbeitung, Archivierung, Fotobuchgestaltung), so dass davon auszugehen ist, dass bei jedem Aufruf / Ansehen des Bildmotivs die Erinnerung verstärkt und die Gedächtnisleistung verbessert wird.

von Jacqueline Esen
15. Januar 2014, 11:57:02 Uhr

Manche Studien muss es nicht geben wobei man sich fragt, ob solch eine Aussage bei so einer geringen Zahl an Befragten zulässig ist. Mein Auge hat die Fotografie geschärft und vergesslich macht sie mich bestimmt nicht.

von Felix
15. Januar 2014, 09:37:30 Uhr

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