Schneeglöckchen - Mit Makroaufnahmen ganz groß im Bild

Schneeglöckchen Bildgalerie betrachten “Schneeglöckchen”
Wolfgang Gabiel

Wenn die Tage wieder länger werden, erwacht die Natur aus ihrem Winterschlaf. Zu den Pflanzen, die die ersten warmen Sonnenstrahlen einfangen und die noch kahle Winterlandschaft mit Leben erfüllen, gehört Galanthus nivalis, das Schneeglöckchen. Von Februar bis März entfaltet es, meist etwas versteckt unter noch laublosen Büschen und Sträuchern, in Gruppen seine schneeweißen Blüten. Da diese auf langen Blütenstielen sitzen, vermag auch eine dünnere Schneedecke nicht, die Glöckchen einzuhüllen. Im Licht der wärmenden Sonne verkündet es so den nahenden Frühling. Bevor andere Frühjahrsblüher jedoch gemerkt haben, daß ihre Zeit begonnen hat, wirft das Schneeglöckchen seine verwelkten Blüten ab und zieht seine schmalen, spitzen Blätter wieder ein. Im Boden versteckt bereitet es sich so auf das kommende Frühjahr vor.

Wie bei Schneeglöckchen, Krokussen oder Märzenbechern verhindert die oft geringe Größe von Pflanzen ein unmittelbares Betrachten. Viele Details in der Wunderwelt der Natur bleiben so dem menschlichen Auge verborgen. Makroaufnahmen machen es möglich, auch in diesen Bereich vorzudringen.

Wer den Motiven mit der Kamera derart nahe auf den Pelz rückt, hat besondere, von der üblichen Photographie teilweise abweichende Regeln zu beachten. So schmilzt die Ausdehnung der Schärfentiefe auf einen winzigen Bereich, der oft nur wenige Millimeter beträgt, zusammen. Man muß also nicht nur sehr exakt fokussieren, sondern auch ziemlich weit abblenden, um die Schärfentiefe so groß wie möglich zu halten. Eine kleine Blendenöffnung wiederum verlangt eine längere Verschlußzeit, so daß man um den Einsatz eines Stativs kaum herumkommt. Dies hat außerdem den Vorteil, daß der Bildausschnitt in Ruhe festgelegt und die Schärfe recht genau eingestellt werden kann. Für ein Motiv wie dieses Schneeglöckchen, das sich nahe am Boden befindet, muß ein Stativ gewählt werden, das eine sehr niedrige Kameraposition erlaubt. Es gibt entsprechend kleine Ausführungen bis hin zum winzigen Tischstativ, die unter solchen Bedingungen ideal sind. Besitzt man ein größeres Dreibeinstativ mit auszieh- und abnehmbarer Mittelsäule, so kann diese umgekehrt von unten in die Halterung eingeschoben und die Kamera auf dem Kopf stehend montiert werden. Mit diesem Trick läßt sie sich in eine feste Position dicht über der Erde bringen. Einen Drahtauslöser sollte man auf jeden Fall verwenden, um Verwacklungen bei den anfallenden längeren Belichtungszeiten auszuschließen. Bei Aufnahmen in der freien Natur kommt es aber vor, daß sich das Motiv bewegt, etwa in Folge eines Windstoßes. Da nützt ein Stativ selbstverständlich nichts und man kann dem Problem nur mit größerer Helligkeit, etwa durch ein Blitzlicht, begegnen. Gerade bei einem so geringen Motivabstand erlauben selbst schwächer dimensionierte Geräte das Photographieren mit sehr kleiner Blende, die die notwendige große Schärfentiefe gewährleistet. Wird nur ein Blitz eingesetzt, entstehen durch diesen, etwas von der optischen Achse des Objektivs abweichenden Strahlungswinkel, ausgeprägte Schlagschatten, die aber bisweilen erwünscht sind, um einzelne Konturen und Details des Motivs besser hervorzuheben. So kam bei der hier gezeigten Aufnahme absichtlich nur ein Blitzgerät zum Einsatz, um die Konturen des Blütenglöckchens besonders zu betonen. Will man Schatten weitgehend vermeiden, muß ein zweites Blitzgerät auf der anderen Seite der Kamera aufgestellt werden. Eine völlig schattenfreie Ausleuchtung ist nur mit einem Ringblitz möglich. Das strahlende Weiß der Blüten kann Belichtungsprobleme bereiten. Bei einiger Erfahrung im Umgang mit der Kamera sind solche Schwierigkeiten aber zu bewältigen. Will man ganz sicher gehen, wird von jedem Motiv eine kleine Belichtungsreihe aufgenommen. Es wird also nicht nur ein Photo beim gemessenen Lichtwert, sondern jeweils noch eines bei einer halben Blendenstufe darunter und darüber gemacht. Dann ist mit großer Wahrscheinlichkeit wenigstens eine optimal belichtete Aufnahme dabei. Zeit genug dürfte dafür sein, da solch eine kleine Blume nicht weglaufen kann. Doch auch hier macht Übung mit der Kamera den Meister und es lohnt sich, tiefer in diese Materie einzudringen. Gerade die Makrophotographie bietet einzigartige Möglichkeiten, mit dem bloßen Auge nicht erkennbare Details und Strukturen im Reich der Natur sichtbar zu machen.
 

Fotografieren in der Praxis 03 / 2005

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