Makrofotografie - Zehn Tipps für bessere Fotos

In der Makrofotografie wird Kleines ganz groß abgebildet. Das kann mitunter schon ein bisschen knifflig sein. Schließlich geht es da um Zentimeter, oft auch nur um Millimeter. Und so ganz im Kleinen ist das mit der Beleuchtung auch nicht so einfach. Verzweifeln muss trotzdem niemand, hier sind zehn Tipps für bessere Makroaufnahmen.

  1. © Fotograf: Ludmila Franz, Tropfenfänger, Blende-Fotowettbewerb
    © Fotograf: Ludmila Franz, Tropfenfänger, Blende-Fotowettbewerb
    Wählen Sie an Ihrer Kamera, falls vorhanden, die Makroeinstellung. Die meisten Kompaktkameras besitzen so etwas. Wenn Sie eine kompakte System- beziehungsweise digitale Spiegelreflexkamera verwenden, dann haben viele Objektive einen speziellen Bereich für die Makrofotografie. Am besten ist natürlich die Verwendung eines speziellen Makroobjektivs. Für manche Systeme gibt es auch so genannte Zwischenringe, die dazu dienen, den Abstand zwischen Objektiv und Sensor zu vergrößern. Dadurch kann der Abstand zwischen Objektiv und Motiv verkleinert werden.

  2. Wenn der Schärfebereich nur einige wenige Millimeter beträgt, ist es schwierig, aus der Hand richtig zu fokussieren oder den Bildausschnitt zu wählen. Ein Stativ ist deshalb das Mittel der Wahl. Besonders fein lässt es sich einstellen, wenn ein so genannter Getriebeneiger verwendet wird. Er ermöglicht es, die Kamera millimeterweise zu verstellen. Zusätzlich kann ein Schlitten, auf dem die Kamera montiert wird, hilfreich sein. Damit lässt sie sich auch in kleinen Schritten vor und zurück bewegen.

  3. © Fotograf: Michael Rossner, Roter Traum im Magentamantel, Blende-Fotowettbewerb
    © Fotograf: Michael Rossner, Roter Traum im Magentamantel, Blende-Fotowettbewerb
    Sorgen Sie für gleichmäßiges Licht. Ein Aufsteckblitz ist dafür eher schlecht geeignet, weil der Abstand zwischen Blitz und Motiv zu gering ist und es dadurch auch zu Abschattungen durch das Objektiv kommen kann. Wenn sie einen Systemblitz verwenden, dann sollte er etwas seitlich platziert und entfesselt ausgelöst werden. Ein Studioblitz sorgt leichter für richtiges Licht. Je nach Motiv kann das Licht durch eine Softbox oder einen Schirm entsprechend weich ausgestaltet werden. Gerade bei dunklen Motiven kann es auch sinnvoll sein, von schräg hinten zusätzliches Licht einzusetzen. Kaffeebohnen zum Beispiel sehen nämlich nur appetitlich aus, wenn sie glänzen. Ein solches Licht muss dann gerichtet werden, entweder durch eine Wabe oder durch einen ähnlichen Vorbau. Diese gibt es in verschiedenen Ausführungen.

  4. Überlegen Sie gut, welchen Hintergrund Sie verwenden. Für ein Schmuckstück kann ein Kissen einen guten Hintergrund abgeben. Vielleicht wollen Sie Ihr Objekt aber auch freistellen, dann ist ein so genanntes Lichtzelt das Mittel der Wahl. Bei Makrofotografie in der Natur sollte darauf geachtet werden, dass keine störende Elemente ins Bild tragen. Zwar ist es nicht sinnvoll, das Biotop selbst zu verändern, aber den einen oder anderen abgestorbenen Grashalm kann der Fotograf dann schon entfernen, ohne den Charakter des Bildes wesentlich zu verändern.

  5. © Fotograf: Michael Rossner, Libellenpause, Blende-Fotowettbewerb
    © Fotograf: Michael Rossner, Libellenpause, Blende-Fotowettbewerb
    Schauen Sie Ihr Motiv von verschiedenen Seiten an. Die frontale Blickrichtung muss nicht immer die beste sein. Manchmal ist es besser, ein wenig von der Seite zu fotografieren, um dem Bild mehr Tiefe zu verleihen. Gleiches gilt natürlich auch für die Bewegung nach oben oder unten. Fotografieren Sie beispielsweise ein Schmuckstück, dann ist es hilfreich, das zuerst einmal von allen Seiten zu betrachten, um den interessantesten Blickwinkel zu finden.

  6. Benutzen Sie für Makroaufnahmen kein Weitwinkelobjektiv. Damit kommen sie zwar nahe an das Motiv heran, durch die geringe Brennweite bleibt das Motiv jedoch klein. Außerdem erzeugt ein Weitwinkelobjektiv unerwünschte Verzerrungen. Die meisten Makroobjektive sind leicht Telebrennweiten, sie eignen sich wegen ihrer hervorragenden Schärfeleistung auch sehr gut für Porträtaufnahmen.

  7. © Fotograf: Nils Badt, Gebrauchsspuren, Blende-Fotowettbewerb
    © Fotograf: Nils Badt, Gebrauchsspuren, Blende-Fotowettbewerb
    Blenden Sie immer ab. Die beste Abbildungsleistung erreicht ein Objektiv in der Regel immer dann, wenn es um zwei Blendenstufen abgeblendet wird. Für eine Makroaufnahme kann das aber immer noch deutlich zu wenig sein, da der Schärfebereich umso kleiner ist, je näher das Motiv an die Kamera rückt. Die geringe Schärfentiefe verlangt also automatisch, dass abgeblendet wird. Allerdings sollten Sie nicht ganz abblenden, da es sonst zu Beugungsunschärfe kommen kann.

  8. Bei Makroaufnahmen kommt es vor allem auf Details an. Nutzen Sie deshalb an ihrer Kamera den RAW-Modus. Nur so erhalten sie ein Bild, das alle Informationen mitbringt. Wenn Ihre Kamera kein RAW unterstützt, wählen Sie die bestmögliche Qualitätsstufe. Denken Sie daran, ausreichend Speicherkarten bereitzuhalten.

  9. © Fotograf: Hartwig Braun, Wassertropfen auf CD, Blende-Fotowettbewerb
    © Fotograf: Hartwig Braun, Wassertropfen auf CD, Blende-Fotowettbewerb
    Wenn möglich, fixieren Sie das Objekt, das sie fotografieren wollen. Einen Gegenstand können Sie ganz leicht ein wenig schräg aufstellen, wenn Sie Knetmasse verwenden. Oder vielleicht auch ein doppelseitiges Klebeband. In der Natur geht das freilich nicht, trotzdem muss niemand verzweifeln, wenn sich die Blume ständig im Wind bewegt. Der schlaue Fotograf baut vor und nimmt einen Schirm mit, den er als Windschutz einsetzt. Es sollte allerdings kein farbiger Schirm sei, ideal eignet sich dafür ein Schirm wie er für Blitzanlagen verwendet wird. Diese verursachen keine Verfärbungen.

  10. Vermeiden Sie Erschütterungen an der Kamera. Dazu gehört ein stabiles Stativ. Viele Spiegelreflexkameras bieten außerdem die Möglichkeit der Spiegelvorauslösung. Dabei wird der Spiegel im Kameragehäuse arretiert, Erschütterungen durch den Spiegelschlag werden verhindert. Schließlich kann dann auch noch das Drücken des Auslösers für verwackelte Bilder sorgen. Ein Fernauslöser, ob mit Kabel oder per Funk, schafft zuverlässig Abhilfe.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2015

1 Kommentare

Guten Tag! Zu Punkt 3: Ein Makroringlicht, das sich zudem noch rechts und links, bzw. oben und unten separat einschalten lässt, ist in vielen Fällen ausgesprochen hilfreich. Mit freundlichen Grüßen, D.Mock

Dieter Mock

von Dieter Mock
12. April 2015, 10:21:30 Uhr

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