Makrofotografie: Insekten - Wunder der Natur sichtbar machen

© Fotograf: Alfred Preuß, Blütenmantis beim drohen, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Alfred Preuß, Blütenmantis beim drohen, Blende-Fotowettbewerb
Fragt man sich, wann die Begeisterung für Insekten bei einem geweckt wurde, dann ist die Makrofotografie vielfach der Auslöser dafür gewesen. Mit Hilfe der Makrofotografie gelingt es, Dinge auf faszinierende Art sichtbar zu machen, die dem menschlichen Auge vielfach ansonsten verborgen geblieben wären. Nehmen wir das Allerweltinsekt Fliege, das nahezu jeder als störend empfindet, wenn es scheinbar orientierungslos um einen im geringen Abstand vor der Nase umherfliegt oder wenn es sich auf Lebensmitteln niederlässt. Da ist der Griff zur Fliegenklatsche nicht weit. Doch wer einmal durch die Fotografie die Fliege im Detail betrachtet hat, der wird ihr künftig hoffentlich anders begegnen und zwar mit viel Faszination für das, was die Natur geschaffen hat.

Eine Lanze brechen

Die Makrofotografen, die einem im Detail eine wunderbar sehenswerte Welt eröffnen, erfahren oftmals nicht die Würdigung, die sie verdienen. Das mag gerade bei Wettbewerbsbeiträgen auf den ersten Blick mit daran liegen, dass sich die Motive und deren Inszenierung im Gegensatz zu anderen Bereichen der Fotografie nicht so stark gewandelt zu schein haben. Wer jedoch genauer hinschaut und den Vergleich nicht scheut, der wird schnell erkennen, dass mit der technologischen Weiterentwicklung der Aufnahmegeräte sowie des Zubehörs auch in der Makrofotografie eine andere Bildsprache eingekehrt ist. Heute geht es wesentlich stärker ins Detail und auch das Spiel mit Schärfe und Unschärfe, von dem die Makrofotografie ja lebt, ist wesentlich imposanter als beispielsweise zu Zeiten der Analogfotografie. Möglicherweise liegt die nicht so hohe Akzeptanz aber auch an den Motiven wie eben der Fliege. Ihr gegenüber positive Emotionen zu entwickeln, ist sicherlich wesentlich schwerer als gegenüber Katzen, Bären, Affen und Co. Auch, wenn es an Emotionalität zum Motiv auf den ersten Blick fehlt, so warten Makrofotografien mit Reizen auf, von denen man sich fesseln lassen sollte. Nehmen wir nur das Facettenauge, allen bestens bekannt auch aus Biologielehrbüchern, hier meist grafisch dargestellt. So richtig faszinierend wird es doch erst durch das fotografische Abbild, dass das Wunder der Natur einem vor Augen führt.

Die Zutaten: Geduld, Beobachtungsgabe, Gespür und Können

© Fotograf: Andrea Mey, Fliege in Pink, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Andrea Mey, Fliege in Pink, Blende-Fotowettbewerb
So banal Makroaufnahmen mitunter auf den ersten Blick erscheinen, so wenig sind sie in ihrer Entstehung ein Selbstläufer. Gute Makrofotos klappen nicht mal so nebenbei. Jeder, der sich dem Thema der Makrofotografie stellt, wird schnell erkennen, dass es hier heißt, nicht nur über die richtige Ausrüstung zu verfügen, sondern auch über Geduld, Beobachtungsgabe, Gespür und Können.

Herausfordernd

Jeder der schon einmal versucht hat, Insekten zu fotografieren weiß, wie herausfordernd dies ist. Diese kleinen, quirligen Tierchen machen es dem Fotografen, der auf so vieles wie beispielsweise Schärfenverteilung, Lichtstimmung und Bildaufbau zu achten hat, nicht leicht. Da meint man, alles an Einstellungen im Kasten zu haben und schon ist das Insekt davongeschwirrt. Wesentlich einfacher hat man es da übrigens mit Blüten und Pilzen, die laufen wenigstens nicht weg und man hat fast alle Zeit, die bestmögliche Kameraeinstellung zu finden. An Einsteiger in die Makrofotografie deshalb die Empfehlung, erste Erfahrung mit dem Fotografieren von Blüten zu sammeln bevor man sich den Insekten zuwendet.

Fotoausrüstung – Eine Kamera sollte es sein

Mit dem Smartphone kann man natürlich den Blümchen ganz nah auf die Pelle rücken und die eine oder andere mehr oder weniger brauchbare Aufnahme einfangen. Bei Insekten mit ihrer Fluchtdistanz wird einem dies hingegen nicht gelingen. Ein weiteres Manko an Smartphones als Aufnahmegerät ist, dass die Aufnahmen durch eine durchgängige Schärfe gekennzeichnet sind – damit entfällt das Spiel von Schärfe und Unschärfe und das ist gerade in der Makrofotografie essenziel. Wesentlich bessere Bildergebnisse liefern Kompaktkameras, die mit einem Makromodus ausgestattet sind. Dieser ist gerade für den Einstieg eine gute Option wenn man in die Makrofotografie hineinschnuppern möchte. Sofern es die Optik der Kamera zulässt, kann man sich der Nahlinsen bedienen. Diese erlauben jedoch keine große Arbeitsentfernung, was beim Festhalten von Insekten von Nachteil ist. Möchte man sich die Makrofotografie mit ihren unbegrenzten Möglichkeiten erschließen, dann ist eine Spiegelreflex- oder kompakte Systemkamera mit einem Makroobjektiv mehr als ratsam. Natürlich kann man auch auf die kostengünstigeren Zwischenringe zurückgreifen. Mit diesen verringert man die Nahdistanz und erhöht dadurch den Vergrößerungsgrad. Zwischenringe haben keinen Einfluss auf die optische Qualität, jedoch reduzieren sie die Lichtmenge, was nicht günstig ist.

Nützliches Fotozubehör

© Fotograf: Harald Bott, Wollbiene beim schlafen, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Harald Bott, Wollbiene beim schlafen, Blende-Fotowettbewerb
Ein Stativ gehört zum grundlegenden Zubehör eines jeden Makrofotografen. Damit man sich als Fotograf alles offen hält, sollte es auch für das Fotografieren in Bodennähe geeignet sein. In der Praxis erweist sich der Fernauslöser als unerlässlich. Mit ihm lassen sich Erschütterungen durch das Auslösen der Kamera vermeiden. Immer verbreiteter sind inzwischen Infrarot-Fernauslöser – Kabelfernauslöser leisten aber auch sehr gute Dienste. Wesentlich mehr Spielraum als die Kamerasteuerung über einen Fernauslöser bietet die Steuerung über Smartphones/Tablets. Drahtlos ist das bis zu 12 Meter Entfernung möglich. Voraussetzung für diese Form der Kamerasteuerung ist, dass das Kameramodell dieses Feature unterstützt. Das tun nahezu alle aktuell auf den Markt gebrachten Kameras ebenso wie Aufnahmegeräte, die etwa in den letzten zwei bis drei Jahren in den Handel gekommen sind. Kamerahersteller sind heute auch Softwareschmieden und bringen entsprechende Kamera-Apps heraus, mit denen nicht nur der kabellose Bilddatentransfer möglich ist, sondern eben auch die Kamerasteuerung aus der Ferne über das Smartphone/Tablet. Es gibt natürlich auch zahlreiche Kamera-Apps von Dritt- beziehungsweise Fremdanbietern. Diese haben mitunter einen deutlich größeren Funktionsumfang und müssen in der Regel käuflich erworben werden.

Licht-Equipment

Kommen wir zum Licht – je nach Bedingungen und fotografischer Intentionen – bietet sich der Einsatz eines separaten Blitzgerätes an. Es gibt spezielle Blitzgeräte für die Makrofotografie, die mit Preisen ab € 500— nicht ganz kostengünstig sind. Die Investition lohnt sich aber in jedem Fall dann, wenn man der Makrofotografie intensiv nachgehen möchte. Eine schattenfreie Ausleuchtung ist mit einem LED-Ringblitz möglich. Gerade Einsteiger in die Makrofotografie greifen darauf gern zurück, weil dieser ab € 36,— kostengünstiger ist als ein Ringblitz, der ab € 200,— angeboten wird. Interessant ist auch der Ringblitzadapter für alle, die sich keinen Ringblitz anschaffen möchten. Ihn gibt es ab rund € 100,— und damit lässt sich ein auf den Blitzschuh aufgestecktes Blitzgerät in einen Ringblitz verwandeln. Als unerlässlich gilt in der Makrofotografie auch der Reflektor – hier muss man natürlich ausprobieren, ob er nicht gegebenenfalls das Insekt vertreibt. Reflektoren gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, wie beispielsweise in Weiß, Silber, Gold. Dadurch kann man auf die Lichtwirkung Einfluss nehmen. Da Reflektoren nun nicht die Welt kosten und bereits ab € 15,— schon zu haben sind, empfiehlt sich die Anschaffung dieser drei. Dies bringt auch den Vorteil mit sich, ihre Wirkungsweise testen zu können und dann für jede Situation bestens gewappnet zu sein. Ein Plamp (Gelenkarm) ist mit um die € 30,— nicht sonderlich teuer, dafür aber ein wichtiger Helfer, um beispielsweise den Reflektor in Position zu halten. Inwieweit ein Winkelsucher für einen wichtig ist, hängt vom zu fotografierenden Motiv, aber auch vom Kameraequipment ab. Gestattet die Kamera Live-View und ist sie mit einem stufenlos schwenk- und neigbaren LCD-Display ausgestattet, dann braucht man ihn nicht.

Fotografieren in der Praxis 05 / 2016

7 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden