Makrofotografie - Insekten vor der Linse

Erst kürzlich wurde wieder auf das große Insektensterben in Deutschland hingewiesen. Insekten sollte man also fotografieren, solange sie uns noch umgeben. Das soll nicht zynisch klingen, aber Bilder werden es am Ende sein, die irgendwann einmal Zeugnis ablegen werden von einer beeindruckenden und vielseitigen Insektenwelt. Bilder sind es aber auch, die für diese Tiere, eine Lobby darstellen und möglicherweise zu ihrem Erhalt beitragen können.

© Fotograf: Sabine Janzen, Glückskäfer, Blende-Fotowettbewerb
Sabine Janzen, Glückskäfer, Blende-Fotowettbewerb

Aktuelle Zahlen

Im Umlauf ist aktuell ein Insektenrückgang von 80 Prozent. Die Zahl wurde manchmal auf ganz Deutschland bezogen, manchmal nur auf bestimmte Regionen, teilweise war von 80 Prozent, teilweise von bis zu 80 Prozent die Rede. Die Zahl geht zurück auf eine Veröffentlichung von Krefelder Hobbyforschern von 2013. Diese betreiben seit Jahrzehnten Dutzende Messstellen in Nordrhein-Westfalen. An zwei Messstellen wurde ein Rückgang der Insektenbiomasse von 80 Prozent festgestellt.

Fotoausrüstung – Eine Kamera sollte es sein

Mit dem Smartphone als Aufnahmegerät ist man bei Insekten aufgrund ihrer Fluchtdistanz nicht gut beraten. Ein weiteres Manko an Smartphones als Aufnahmegerät ist, dass die Aufnahmen durch eine durchgängige Schärfe gekennzeichnet sind – damit entfällt das Spiel von Schärfe und Unschärfe und das ist gerade in der Makrofotografie essenziel. Wesentlich bessere Bildergebnisse liefern Kompaktkameras, die mit einem Makromodus ausgestattet sind. Dieser ist gerade für den Einstieg eine gute Option, wenn man in die Makrofotografie hineinschnuppern möchte. Sofern es die Optik der Kamera zulässt, kann man sich der Nahlinsen bedienen. Diese erlauben jedoch keine große Arbeitsentfernung, was beim Festhalten von Insekten von Nachteil ist. Möchte man sich die Makrofotografie mit ihren unbegrenzten Möglichkeiten erschließen, dann ist eine Spiegelreflex- oder kompakte Systemkamera mit einem Makroobjektiv mehr als ratsam. Natürlich kann man auch auf die kostengünstigeren Zwischenringe zurückgreifen. Mit diesen verringert man die Nahdistanz und erhöht dadurch den Vergrößerungsgrad. Zwischenringe haben keinen Einfluss auf die optische Qualität, jedoch reduzieren sie die Lichtmenge, was nicht günstig ist.

© Fotograf: Thomas Dimroth, Lecker Mohn, Blende-Fotowettbewerb
Thomas Dimroth, Lecker Mohn, Blende-Fotowettbewerb

Nützliches Fotozubehör

Ein Stativ gehört zum grundlegenden Zubehör eines jeden Makrofotografen. Damit man sich als Fotograf alles offen hält, sollte es auch für das Fotografieren in Bodennähe geeignet sein. In der Praxis erweist sich der Fernauslöser als unerlässlich. Mit ihm lassen sich Erschütterungen durch das Auslösen der Kamera vermeiden. Immer verbreiteter sind inzwischen Infrarot-Fernauslöser – Kabelfernauslöser leisten aber auch sehr gute Dienste. Wesentlich mehr Spielraum als die Kamerasteuerung über einen Fernauslöser bietet die Steuerung über Smartphones/Tablets. Drahtlos ist das aus bis zu 12 Meter Entfernung möglich. Voraussetzung für diese Form der Kamerasteuerung ist, dass das Kameramodell dieses Feature unterstützt. Das tun nahezu alle aktuell auf den Markt gebrachten Kameras ebenso wie Aufnahmegeräte, die etwa in den letzten zwei bis drei Jahren in den Handel gekommen sind. Kamerahersteller sind heute auch Softwareschmieden und bringen entsprechende Kamera-Apps heraus, mit denen nicht nur der kabellose Bilddatentransfer möglich ist, sondern eben auch die Kamerasteuerung aus der Ferne über das Smartphone/Tablet. Es gibt natürlich auch zahlreiche Kamera-Apps von Dritt- beziehungsweise Fremdanbietern. Diese haben mitunter einen deutlich größeren Funktionsumfang und müssen in der Regel käuflich erworben werden.

© Fotograf: Barbara Hucke, fliegender Edelstein, Blende-Fotowettbewerb
Barbara Hucke, fliegender Edelstein, Blende-Fotowettbewerb

Je nach Bedingungen und fotografischer Intentionen – bietet sich der Einsatz eines separaten Blitzgerätes an. Es gibt spezielle Blitzgeräte für die Makrofotografie, die mit Preisen ab € 500,— nicht ganz kostengünstig sind. Die Investition lohnt sich aber in jedem Fall dann, wenn man der Makrofotografie intensiv nachgehen möchte. Eine schattenfreie Ausleuchtung ist mit einem LED-Ringblitz möglich. Gerade Einsteiger in die Makrofotografie greifen darauf gern zurück, weil dieser ab € 36,— kostengünstiger ist als ein Ringblitz, der ab € 200,— angeboten wird. Interessant ist auch der Ringblitzadapter für alle, die sich keinen Ringblitz anschaffen möchten. Ihn gibt es ab rund € 100,— und damit lässt sich ein auf den Blitzschuh aufgestecktes Blitzgerät in einen Ringblitz verwandeln. Als unerlässlich gilt in der Makrofotografie auch der Reflektor – hier muss man natürlich ausprobieren, ob er nicht gegebenenfalls das Insekt vertreibt. Reflektoren gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, wie beispielsweise in Weiß, Silber, Gold. Dadurch kann man auf die Lichtwirkung Einfluss nehmen. Da Reflektoren nun nicht die Welt kosten und bereits ab € 15,— schon zu haben sind, empfiehlt sich die Anschaffung dieser drei. Dies bringt auch den Vorteil mit sich, ihre Wirkungsweise testen zu können und dann für jede Situation bestens gewappnet zu sein. Ein Plamp (Gelenkarm) ist mit um die € 30,— auch nicht sonderlich teuer, dafür aber ein wichtiger Helfer, um beispielsweise den Reflektor in Position zu halten. Inwieweit ein Winkelsucher für einen wichtig ist, hängt vom zu fotografierenden Motiv, aber auch vom Kameraequipment ab. Gestattet die Kamera Live-View und ist sie mit einem stufenlos schwenk- und neigbaren LCD-Display ausgestattet, dann braucht man ihn nicht.

© Fotograf: Sven Kutscher, show time, Blende-Fotowettbewerb
Sven Kutscher, show time, Blende-Fotowettbewerb

Kameraeinstellung

Die größte Herausforderung besteht in der richtigen Scharfstellung. Die Schärfe sollte natürlich auf dem Insekt liegen. Das ist oft einfacher gesagt als getan, denn selbst bei hohen Blendenwerten ist die Schärfentiefe sehr begrenzt. Auch, wenn Autofokussysteme grundsätzlich sehr gute Ergebnisse liefern, so ist der manuellen Scharfstellung oftmals der Vorzug zu geben. Die AF-Funktion lässt sich übrigens optimieren, indem man nur einen Schärfepunkt nutzt. Bewegt sich das Motiv, so muss man den Schärfepunkt entsprechend ändern. Ist man im Besitz einer Kamera, die die Auswahl mehrerer benachbarter Schärfepunkte erlaubt, so ist diese Funktion zum Ablichten von einer Vielzahl an Insekten prädestiniert. Die Serienbildfunktion Ihrer Kamera erhöht zudem die Wahrscheinlichkeit auf mindestens eine gelungene Aufnahme. Nach den ersten Aufnahmen sollte man diese in jedem Fall überprüfen und gegebenenfalls die Bildkomposition ändern. Der Bilderfolg liegt vielfach auch im fotografischen Experiment.

© Fotograf: Rolf Gorges, Fliegenpaar auf Sonnenhut, Blende-Fotowettbewerb
Rolf Gorges, Fliegenpaar auf Sonnenhut, Blende-Fotowettbewerb

Die Zutaten: Geduld, Beobachtungsgabe, Gespür und Können

So banal Makroaufnahmen mitunter auf den ersten Blick erscheinen, so wenig sind sie in ihrer Entstehung ein Selbstläufer. Gute Makrofotos, insbesondere von Insekten, klappen nicht mal so nebenbei. Jeder, der sich dem Thema der Makrofotografie stellt, wird schnell erkennen, dass es hier heißt, nicht nur über die richtige Ausrüstung zu verfügen, sondern auch über Geduld, Beobachtungsgabe, Gespür und Können.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zum laufenden Fotowettbewerb „Blende 2017“.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2017

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