Makrofotografie - Objektive, Zwischenringe, Nahlinsen, Balgengeräte, Umkehrringe

© Fotograf: Ulrich Heermann, Verfolgungsjagd, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Ulrich Heermann, Verfolgungsjagd, Blende-Fotowettbewerb
Makrofotos gelingen heute schon mit Kompaktkameras, sofern sie über eine entsprechende Optik verfügen. Die Makrofunktion ist an den meisten Kompaktkameras eine Selbstverständlichkeit. Für den Einstieg in die Makrofotografie liefern diese Kameras gute Bildergebnisse. In der Praxis wird man jedoch feststellen, dass man mit Kompaktkameras schnell an die Grenzen des Machbaren stößt. Den größten fotografischen Spielraum, der durch entsprechendes Zubehör noch erweitert werden kann, garantieren kompakte System- und Spiegelreflexkameras durch den Einsatz von Makroobjektiven, Zwischenringen, Nahlinsen, Balgengeräte oder Umkehrlinsen. Wer sich also dem Reiz der Makrofotografie hingeben möchte, der kommt um entsprechende technische Ausstattung nicht umhin. Für welche technische Lösung man sich entscheidet, hängt von den eigenen Ansprüchen, den Einsatzgebieten und vom Budget ab.

Voraussetzung für Makrofotos ist also die Möglichkeit der Vergrößerung. Makroobjektive garantieren, nah an das Objekt der Begierde herangehen zu können. Ist von einem echten Makroobjektiv die Rede, so hat es einen Abbildungsmaßstab von 1:1. Als makrofähig wird ein Objektiv bezeichnet, wenn es einen Abbildungsmaßstab von zirka 1:4 hat. Nur zur Veranschaulichung: Normale Objektive erzielen maximale Abbildungsmaßstäbe im Bereich von 1:7 bis 1:9, unabhängig davon, ob es sich um eine Festbrennweite oder ein Zoomobjektiv handelt.

© Fotograf: Thomas Siegl,, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Thomas Siegl, “Und sie sagte, sie könne keiner Fliege etwas zu Leide tun..”, Blende-Fotowettbewerb
Das Angebot an Makroobjektiven ist umfangreich. Die meisten Hersteller bieten universelle Makroobjektive mit Brennweiten zwischen 50 bis 100 mm an. Diese Objektive sind recht leicht, klein und in der Regel günstiger als Telemakroobjektive. Sie bieten sich zum Beispiel für das Fotografieren von Blüten und Pilzen an, denen man sozusagen auf die Pelle rücken kann und dadurch den Aufnahmeabstand verringert, um formatfüllend abzulichten. Möchte man hingegen Insekten fotografieren, so muss man sich für ein Telemakroobjektiv mit 180 oder 200 mm Brennweite entscheiden. Diese Objektive gestatten einen größeren Aufnahmeabstand, sind schwerer, der Einsatz eines Stativs ist Pflicht. Aber nicht nur das. Wegen des engeren Blickwinkels liegt eine geringere Schärfentiefe vor, weshalb man äußerst präzise scharfstellen muss.

Liebäugelt man mit der Anschaffung eines Makroobjektivs, so sollte man mit seiner kompakten System- beziehungsweise Spiegelreflexkamera den Fotofachhandel aufsuchen und das Angebot an Makroobjektiven für sich visuell erlebbar machen.

Einen Kompromiss stellt – aus unserer Sicht – die mit nahezu jedem Zoomobjektiv angebotene Makroeinstellung dar. Von diesen Objektiven darf und kann man nicht die Qualitäten wie von Makroobjektiven erwarten. Der Grund liegt auf der Hand. Um Fehler bei objektnaher Abbildung zu reduzieren, wird bei diesen Objektiven in der Regel eine Linsengruppe innerhalb des Objektivs verschoben. Diese Korrektur über mehrere Brennweiten und verschiedene Objektabstände ist jedoch nur begrenzt zu erreichen, wodurch die Abbildungsschärfe von Zoomobjektiven hinter dem optischen Potenzial von Festbrennweiten liegt.

© Fotograf: Annika Giese, Farbenspiel mit Wassertropfen, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Annika Giese, Farbenspiel mit Wassertropfen, Blende-Fotowettbewerb
Eine preiswertere Alternative zu Makroobjektiven stellen automatische Zwischenringe dar. Hierbei handelt es sich um einen hohlen Tubus, der zwischen Kamera und Objektiv angebracht wird. Mit Zwischenringen gelingt es, die Nahdistanz zu verringern und den Vergrößerungsgrad zu erhöhen. Die gängigsten Größen von Zwischenringen liegen bei 12, 25 und 36 mm. Zu beachten ist, dass Zwischenringe Lichtschlucker sind. Je höher die Vergrößerung ausfällt, desto mehr Licht geht verloren.

Eine weitere mögliche preiswerte Alternative zu Makroobjektiven sind Nahlinsen, die wie Filter auf das Objektiv aufgesetzt werden, um mit normalen Objektiven Makrofotografie zu ermöglichen. Manche Fotografen erweitern das Spektrum ihres Makroobjektivs durch Nahlinsen. In ihrer Wirkung sind Nahlinsen vergleichbar mit einer Lesebrille. Die Stärke wird wie bei diesen in Dioptrien angegeben. Nahlinsen liefern übrigens einen interessanten Weichzeichner, wenn auf das Abblenden verzichtet und bei der Fokussierung auf den Nahbereich gesetzt wird. So lassen sich Motive durch gewollte Weichzeichnung hervorragend hervorheben.

© Fotograf: Siegfried Rath, Halm-Akrobat, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Siegfried Rath, Halm-Akrobat, Blende-Fotowettbewerb
Nahlinsen werden in zwei Versionen angeboten. Beim preiswerten einlinsigen System sind die Bildergebnisse beim Arbeiten mit offener Blende oftmals nicht zufriedenstellend. Die Schärfe geht merklich zu den Bildecken zurück und zudem treten an kontrastreichen Übergängen Farbsäume – chromatische Aberrationen – auf. Verhindern lässt sich dies durch Abblenden um zwei Stufen und die Bildergebnisse sind brauchbar. Sogenannte Vorsatzchromate garantieren eine deutlich bessere Bildqualität. Es handelt sich hierbei um zweilinsige Systeme, bei denen die chromatische Aberration korrigiert wurde. Beim Kauf von Nahlinsen ist darauf zu achten, dass diese zum Objektiv passen.

In Bezug auf die Makrofotografie ist vielfach auch von Balgengeräten die Rede. Sie ermöglichen, die Bildweite erheblich zu vergrößern, wodurch die Gegenstandsweite verkleinert und der Abbildungsmaßstab vergrößert werden kann.

Zu guter Letzt kommen in der Makrofotografie auch Umkehrringe – auch als Retroring/Retroadapter – zum Einsatz. Mit Umkehrringen ist es möglich, ein Objektiv umgekehrt an der Kamera zu befestigen. Wird ein Objektiv in der Retrostellung verwendet, so kann man ein Objekt, das nun in der Schärfenebene des Sensors liegt, größer abbilden, da es näher an der jetzigen Frontlinse liegt.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2014

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