Fototipp - Makrofotografie ein weites Feld

Die Makrofotografie ist ein Eldorado für jeden Fotoaffinen der Kleines nicht nur ganz groß herausbringen möchte sondern dessen Bestreben es ist, Dinge sichtbar zu machen, die dem menschlichen Auge oftmals verborgen sind. Ist von Makrofotografie die Rede, so assoziiert man damit oftmals das Ablichten von Insekten und Blüten – das Motivgebiet ist jedoch sehr viel weitreichender – denken wir hier nur an die Miniaturfotografie. Möchte man die Makrofotografie zu seinem Steckenpferd wie beispielsweise der „Blende“-Teilnehmer Thomas Eckstein machen, dem mit seinem Wettbewerbsbeitrag „Ready for Take-Off!“ eine eindrucksvolle Makroaufnahme gelungen ist, so bedarf es entsprechenden Fotoequipments. Den größten fotografischen Spielraum, der durch entsprechendes Zubehör noch erweitert werden kann, garantieren kompakte System- und Spiegelreflexkameras durch den Einsatz von Makroobjektiven, Zwischenringen, Nahlinsen, Balgengeräte oder Umkehrlinsen. Wer sich also dem Reiz der Makrofotografie hingeben möchte, der kommt um entsprechende technische Ausstattung nicht herum. Für welche technische Lösung man sich entscheidet, hängt von den eigenen Ansprüchen, den Einsatzgebieten und vom Budget ab.

Thomas Eckstein, Ready for Take-Off!, Blende-Fotowettbewerb
Thomas Eckstein, Ready for Take-Off!, Blende-Fotowettbewerb

Makroobjektive

Makroobjektive garantieren, nah an das Objekt der Begierde herangehen zu können. Ist von einem echten Makroobjektiv die Rede, so hat es einen Abbildungsmaßstab von 1:1. Als makrofähig wird ein Objektiv bezeichnet, wenn es einen Abbildungsmaßstab von zirka 1:4 hat. Nur zur Veranschaulichung: Normale Objektive erzielen maximale Abbildungsmaßstäbe im Bereich von 1:7 bis 1:9, unabhängig davon, ob es sich um eine Festbrennweite oder ein Zoomobjektiv handelt. Die meisten Hersteller bieten universelle Makroobjektive mit Brennweiten zwischen 50 bis 100 mm an. Diese Objektive sind recht leicht, klein und in der Regel günstiger als Telemakroobjektive. Sie bieten sich zum Beispiel für das Fotografieren von Blüten und Pilzen an, denen man sozusagen auf die Pelle rücken kann und dadurch den Aufnahmeabstand verringert, um formatfüllend abzulichten. Möchte man wie der „Blende“-Teilnehmer Thomas Eckstein hingegen Insekten fotografieren, so muss man sich für ein Telemakroobjektiv mit 180 oder 200 mm Brennweite entscheiden. Diese Objektive gestatten einen größeren Aufnahmeabstand, sind schwerer, der Einsatz eines Stativs ist Pflicht. Aber nicht nur das. Wegen des engeren Blickwinkels liegt eine geringere Schärfentiefe vor, weshalb man äußerst präzise scharfstellen muss.

Zwischenringe

Eine preiswertere Alternative zu Makroobjektiven stellen automatische Zwischenringe dar. Hierbei handelt es sich um einen hohlen Tubus, der zwischen Kamera und Objektiv angebracht wird. Mit Zwischenringen gelingt es, die Nahdistanz zu verringern und den Vergrößerungsgrad zu erhöhen. Die gängigsten Größen von Zwischenringen liegen bei 12, 25 und 36 mm. Zu beachten ist, dass Zwischenringe Lichtschlucker sind. Je höher die Vergrößerung ausfällt, desto mehr Licht geht verloren.

Nahlinsen

Nahlinsen sind ebenfalls eine preiswerte Alternative zu Makroobjektiven. Sie werden wie Filter auf das Objektiv aufgesetzt. Manche Fotografen erweitern das Spektrum ihres Makroobjektivs durch Nahlinsen. In ihrer Wirkung sind Nahlinsen vergleichbar mit einer Lesebrille. Die Stärke wird wie bei diesen in Dioptrien angegeben. Nahlinsen liefern übrigens einen interessanten Weichzeichner, wenn auf das Abblenden verzichtet und bei der Fokussierung auf den Nahbereich gesetzt wird. So lassen sich Motive durch gewollte Weichzeichnung hervorragend hervorheben.

Nahlinsen werden in zwei Versionen angeboten. Beim preiswerten einlinsigen System sind die Bildergebnisse beim Arbeiten mit offener Blende oftmals nicht zufriedenstellend. Die Schärfe geht merklich zu den Bildecken zurück und zudem treten an kontrastreichen Übergängen Farbsäume – chromatische Aberrationen – auf. Verhindern lässt sich dies durch Abblenden um zwei Stufen. Sogenannte Vorsatzchromate garantieren eine deutlich bessere Bildqualität. Es handelt sich hierbei um zweilinsige Systeme, bei denen die chromatische Aberration korrigiert wurde. Beim Kauf von Nahlinsen ist darauf zu achten, dass diese zum Objektiv passen.

Umkehrringe

In der Makrofotografie kommen gern auch Umkehrringe – auch als Retroring/Retroadapter – zum Einsatz. Mit Umkehrringen ist es möglich, ein Objektiv umgekehrt an der Kamera zu befestigen. Wird ein Objektiv in der Retrostellung verwendet, so kann man ein Objekt, das nun in der Schärfenebene des Sensors liegt, größer abbilden, da es näher an der jetzigen Frontlinse liegt.

In Bezug auf die Makrofotografie ist vielfach auch von Balgengeräten die Rede. Sie ermöglichen, die Bildweite erheblich zu vergrößern, wodurch die Gegenstandsweite verkleinert und der Abbildungsmaßstab vergrößert werden kann.

Ringleuchte

Die Ringleuchte ist ein wertvolles Zubehör, wenn man Insekten und Blüten perfekt ausleuchten möchte. Diese wird einfach auf das Objektiv geschraubt und leuchtet das Motiv gleichmäßig aus. Kleinste Blütenblätter können so traumhaft zur Geltung gebracht werden. Zahlreiche Naturfotografen lehnen Ringleuchten ab, da ihnen die Ausleuchtung zu unnatürlich erscheint.

Stativ

Ein Stativ gehört zum grundlegenden Zubehör eines jeden Makrofotografen. Damit man sich als Fotograf alles offen hält, sollte es auch für das Fotografieren in Bodennähe geeignet sein.

Fernauslöser/Smartphone/Tablet

Als unerlässlich in der Makrofotografie ist der Fernauslöser. Mit ihm lassen sich Erschütterungen durch das Auslösen der Kamera vermeiden. Immer verbreiteter sind inzwischen Infrarot-Fernauslöser. Sofern die Kamera über die Option verfügt, kann sie mit dem Smartphone/Tablet in Verbindung und darüber ausgelöst werden.

Blitzgerate und Reflektoren

Es gibt spezielle Blitzgeräte für die Makrofotografie, die mit Preisen ab € 500,— nicht ganz kostengünstig sind. Die Investition lohnt sich aber in jedem Fall dann, wenn man der Makrofotografie intensiv nachgehen möchte. Eine schattenfreie Ausleuchtung ist mit einem LED-Ringblitz möglich. Gerade Einsteiger in die Makrofotografie greifen darauf gern zurück, weil dieser ab € 36,— kostengünstiger ist als ein Ringblitz, der ab € 200,— angeboten wird. Interessant ist auch der Ringblitzadapter für alle, die sich keinen Ringblitz anschaffen möchten. Ihn gibt es ab rund € 100,— und damit lässt sich ein auf den Blitzschuh aufgestecktes Blitzgerät in einen Ringblitz verwandeln. Der Reflektor zur perfekten Ausleuchtung ist vielfach unerlässlich in der Makrofotografie. Diesen gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, wie beispielsweise in Weiß, Silber, Gold. Dadurch kann man auf die Lichtwirkung Einfluss nehmen. Da Reflektoren nicht die Welt kosten empfiehlt sich für die perfekte Ausleuchtung von beispielsweise Blüten die Anschaffung dieser drei. Dies bringt auch den Vorteil mit sich, ihre Wirkungsweise testen zu können und dann für jede Situation bestens gewappnet zu sein. Ein Plamp (Gelenkarm) ist nicht sonderlich teuer, dafür aber ein wichtiger Helfer, um beispielsweise den Reflektor in Position zu halten.

Winkelsucher

Inwieweit ein Winkelsucher für einen wichtig ist, hängt vom Kameraequipment ab. Gestattet die Kamera Live-View und ist sie mit einem stufenlos schwenk- und neigbaren LCD-Display ausgestattet, dann braucht man ihn nicht.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so einer sehenswerten Aufnahme, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Übrigens: in Kürze fällt mit „Blende 2017“ der Startschuß zur 43. Runde.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2017

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