Fototipp: Menschen im Fokus

Der Mensch zählt sicherlich zu den am meisten fotografierten Motiven. Im Mittelpunkt stehen hier mit Familie und Freunden jene aus dem nahen und nähren Umfeld. Menschen außerhalb dieses Radius werden bevorzugt dann fotografiert, wenn diese einzigartig sind und die Situation sich außergewöhnlich darstellt. Lebensnahes, mahnendes, kurioses, skurriles etc. wird gleichermaßen thematisiert – das macht die Bildnisse so vielschichtig und zu solch wichtigen Zeitdokumenten. Gerade Aufnahmen von Menschen, wie sie tagtäglich Fotohungrige einfangen, spiegeln das Leben der aktuellen Zeit eindringlich wider. Solche Aufnahmen sind es, die der Welt von morgen Einblicke in die Welt von heute geben. Von solchen Aufnahmen kann es nicht genug geben, auch allein schon wegen der Vielfalt, die das Leben bietet. Dem „Blende“-Teilnehmer Andreas Kling ist mit seinem Wettbewerbsbeitrag „Lebensfreude.Unvergänglich“, mit dem er in der Finalrunde von „Blende 2016“ erfolgreich war, ein alles andere als alltägliches Zeitdokument gelungen. Seine Zutaten sind umfangreich wobei die wichtigste, neben dem fotografischen Können, sicherlich sein großes Einfühlungsvermögen ist.

Andreas Kling, Lebensfreude.Unvergänglich, Blende-Fotowettbewerb
Andreas Kling, Lebensfreude.Unvergänglich, Blende-Fotowettbewerb

Alte Menschen, und gerade jene in einer nicht alltäglichen Situation, tanzend in der Ostsee zu fotografieren, verlangt nach viel Fingerspitzengefühl. Der Grad ist schmal – allzu schnell können gerade ältere Menschen vor der Kamera der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Und hier der erste und wichtigste Tipp, nämlich wie Andreas Kling den Akteuren vor der Kamera respektvoll gegenüber zu stehen. Das ist vielfach wesentlich einfacher gesagt als bildlich umgesetzt. Distanz, wie von Andreas Kling gewählt, ist bei seinem Motiv das Mittel auf dem Weg zum Erfolg. Seine lebensbejahende Aufnahme zeigt klar und deutlich drei ältere Menschen – durch die Distanz wird das Detail vermieden und zugleich Respekt gezollt.

Die Aufnahme von Andreas Kling erzählt durch seinen geschickt gewählten Bildaufbau eine Geschichte, bei der der Betrachter durch das Bild geführt wird. Diese Aufnahme ist aus dem Leben gegriffen, nicht gestellt und die Situation gut beobachtet. Andreas Kling hat sich in seinem Wettbewerbsbeitrag auf das Wesentliche fokussiert und sich zusätzlich ganz bewusst für schwarzweiß entschieden. Ob die gleiche Aufnahme in Farbe diese Ausstrahlung hätte muss bezweifelt werden.

Opfer brachte Andreas Kling, denn auch er musste mit seinen Füßen in das kalte Nass. Durch seinen Aufnahmestandpunkt auf nahezu gleicher Augenhöhe befindet er sich mit den Akteuren vor der Kamera auf gleicher Ebene.

Wenn es darum geht, keine großen Distanzen überbrücken zu müssen, dann ist ein Normalobjektiv oder ein leichtes Teleobjektiv empfehlenswert. Kommt eine Kompaktkamera zum Einsatz, so muss diese für solche Aufnahmen nicht über einen gigantischen Zoom verfügen. Ist die Aufnahme im Kasten sollte man diese den an der Aufnahme beteiligten zeigen und beispielsweise das Einverständnis einholen, dass sie zu einem Fotowettbewerb wie unserer Blende eingereicht werden kann. Die an einer Aufnahme beteiligten Personen freuen sich übrigens über einen kostenfreien Abzug, den man ihnen zur Verfügung stellt.

Wichtig ist, die Kameraausrüstung vor dem Salzwasser und Sand zu schützen. Ist man mit einer Kamera für Wechseloptik unterwegs, so sollte der Objektivwechsel am Strand vermieden werden. Verfügt die Kamera über ein Filtergewinde, so sind die Augen der Kamera mit einem UV-Filter zu schützen. Sandkörner können wie Schmirgelpapier wirken und ein UV-Filter zu ersetzen ist weniger kostspielig als ein Objektiv. Ist man nach der Fototour wieder zu Hause oder im Hotel angekommen, so gehört die Kamera aus der Fototasche und mit einem leicht feuchtem fusselfreiem Tuch „getrocknet“.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so einer sehenswerten Aufnahme, wie sie Andreas Kling gelungen ist, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende.

Fotografieren in der Praxis 02 / 2017

3 Kommentare

überzeugende Aufnahme auf die ich länger als eine Sekunde schaue. Da ist mir egal ob inszeniert oder Realität

Matthias S.

von Matthias S.
03. März 2017, 15:32:53 Uhr

Diese Szene scheint mir doch sehr gestellt. Die Oma mit ihrem Krückstock...Man kann auch alles schön reden...

Lutz Klapp

von Lutz Klapp
03. März 2017, 06:18:03 Uhr

Super Aufnahme und guter Artikel

Aron D

von Aron D
27. Februar 2017, 08:32:28 Uhr

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden