Kleines ganz groß gesehen: Mikrophotographie - ein interessantes und lehrreiches Hobby

Kolibrifeder Bildgalerie betrachten “Kolibrifeder”
Herbert E. Maas

Im Kleinen ist die Natur besonders reizvoll und lehrreich. Schon die Nahaufnahme eines Kleintieres oder Pflanzendetails vermittelt dem Betrachter eine gänzlich neue Art des Erkennens und Erlebens. Je größer solche Motive photographisch wiedergegeben werden, desto verblüffender wirken sie, machen sie doch Strukturen, Formen, Farben sichtbar, die das Auge beim Original nicht wahrnimmt.

Was früher bei der Nah-, Makro- und Mikrophotographie mit vielen Umständen, kompliziertem Zubehör, Rechnerei und Herumexperimentieren verbunden war, ist heute recht einfach geworden, denn es gibt starke Kaltlichtleuchten, handliche Blitzgeräte, Spiegelreflexkameras, die auch im Langzeitbereich die Belichtungszeit automatisch steuern, echte Makro-Objektive, preiswerte, aber leistungsfähige Schul- und Labormikroskope sowie umfangreiches Zubehör.

Die Begriffe Nah-, Makro- und Mikroaufnahmen werden indessen häufig verwechselt und selbst in der Fachliteratur hin und wieder falsch verwendet. Auch weisen manche sogenannte Makro-Objektive einen relativ kleinen Abbildungsmaßstab auf und sind nur für Nahaufnahmen geeignet. Für Makroaufnahmen bedarf es dann weiteren Zubehörs.

Zur Unterscheidung und Definition der drei Aufnahmegebiete darf daher nicht von den Aufnahmeabständen (= Entfernung Filmebene beziehungsweise CCD-Sensor - Motiv) ausgegangen werden, sondern von den Abbildungsmaßstäben. Nahaufnahmen sind hiernach Photos, die das Motiv im Maßstab 1:10 bis 1:2 wiedergeben. Als Makrophotos werden Aufnahmen bezeichnet, die ein Motiv in Originalgröße, also im Maßstab 1:1 bis zur vergrößerten Abbildung von etwa 15:1 darstellen.

Und Mikroaufnahmen geben winzige Vorlagen oder Ausschnitte aus solchen im Vergrößerungsmaßstab von etwa 20:1 bis rund 1.000:1 wieder. Außer der einäugigen Spiegelreflexkamera oder einer speziellen Mikrokamera benötigt man hierzu ein Mikroskop mit standfestem Stativ. Als Zubehör werden verschiedene Ansätze geliefert zum Photographieren im Durch- und Auflicht. Mittels eines T-2-Zwischenrings wird dann das Kameragehäuse (also die Kamera ohne Objektiv) auf dem Mikroskopansatz befestigt. Bei den meisten modernen Kameras bleibt die automatische Belichtungsfunktion erhalten. Welche fiktive Blende Sie bei Ihrer Kamera einstellen müssen, das steht in der Bedienungsanleitung. Unter Umständen müssen Sie eine Feinregulierung der Schärfe am Mikroskop vornehmen.

Was dem Anfänger beim Mikrophotographieren meist schwerfällt, ist die Auswahl von geeigneten Objekten. Nach dem Motto "Probieren geht über Studieren" wird er bald erkennen, daß die Zahl der Materialien und Kleinlebewesen, die sich im Frischzustand ohne besondere Präparations- und Färbetechnik zur Betrachtung unter dem Mikroskop und zur Mikroaufnahme eignen, schier unerschöpflich ist. Menschliche und tierische Haare, durchscheinende Blättchen, Textilfasern und Federn kann man für erste Versuche verwenden. Interessante Aufschlüsse und ebensolche Photos ergeben auch Kochsalzkristalle, Substanzen aus der Hausapotheke, Milch, Blut, Speichel, Schimmelpilze und Hefen oder Kleinlebewesen wie Wasserflöhe, Hüpferlinge, Wimperntierchen, Spinnen.

Das Mikroskop eröffnet den Einblick in die faszinierende, den meisten unbekannte Welt des Winzigen. Mit Ihren Mikrophotos können Sie auch andere daran teilhaben lassen.
 

Fotografieren in der Praxis 08 / 2004

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