Miniaturfotografie – Nachschlag gefällig

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© Cornelia Nerlich, Tablette

Erst kürzlich hatten wir eingehend in einem Beitrag über die Miniaturfotografie berichtet, der auch auf unserem Facebook-Kanal breites Interesse fand. Cornelia Nerlich postete dazu eine ihrer zahlreichen Aufnahmen, die uns so begeisterten, dass wir bei ihr nachgefragt haben und hier nun ihre Werke vorstellen.

Cornelia Nerlich führt aus, dass die Miniaturfotografie süchtig machen kann. Sie kann einfach nicht genug von diesen kleinen Männchen bekommen. Immer wieder schießen ihr Bildideen durch den Kopf und da bleibt sozusagen auch schon einmal die Küche kalt, denn Champignon und Co. müssen für ihre kreativen Bildideen herhalten und dürfen erst einmal nicht in den Topf oder die Pfanne, weil bei ihr der visuellen Augenfreude der Vorzug vor der Gaumenfreude gegeben wird. Manchmal richtet sich sogar der Familienspeiseplan nach ihren Ideen und nach dem Fotografieren werden die Köstlichkeiten auch noch gegessen – wenn sie nicht gerade mit Kleber verunreinigt sind.

Das Tolle an der Miniaturfotografie ist für Cornelia Nerlich, dass sich bereits im Haushalt so unendlich viele nützliche Dinge befinden, mit denen man wunderbar einmalige Szenerien schaffen kann. Das kann eine Packung Taschentücher ebenso sein wie eine Wäscheklammer, ein Collegeblock oder der Kühlschrank mit Brokkoli, Erdbeere und dem bereits angesprochenen Champignon bis hin zu Dingen aus der Hausapotheke.

Der Fundus an Miniaturfiguren beläuft sich bei Cornelia Nerlich derzeit auf 250 bis 300 Figuren. „Gezählt hab ich sie nicht, nur mal so grob überschlagen. Monatlich kommen weitere hinzu, weil mich die Leidenschaft gepackt hat. Beim Kauf achte ich darauf, möglichst alles von einer Marke beziehungsweise in einer Größe zu kaufen. Auch mir sind da anfänglich Fehler unterlaufen. Mal waren die Figuren zu groß, mal zu klein. Inzwischen hab ich meine Favoriten gefunden. Ansonsten gilt zu erwähnen, dass ich bei der Befestigung der Figuren auf dem Untergrund darauf achte, woraus dieser besteht. Ich versuche möglichst die Figuren ohne Hilfsmittel an der gewünschten Stelle zu platzieren. Leider gelingt das nicht immer, weil sie nicht selbstständig stehen wollen. Auf Untergrund, der aus Papier, Pappe, Tonkarton ist, benutze ich Sekundenkleber. Nur eine winzige Menge und nur an einem Fuß, da manchmal beim Lösen Rückstände entstehen, die aber auch leicht mit Wasser zu entfernen sind. Allerdings ist dann der Untergrund, sprich Tonkarton etc. hinüber.“

Cornelia Nerlich fotografiert seit mehreren Jahren und führt aus: „Doch irgendwie wollte ich selber kreativ sein, anstatt Landschaften – die ja auch sehr schön sind und die ich auch nach wie vor fotografiere – abzulichten. Mich reizt es an der Miniaturfotografie, meine Ideen umzusetzen, kreativ zu sein, und so beschäftige mich seit zirka einem halben Jahr mit der Miniaturfotografie. Die Ideen dazu kommen mir manchmal spontan, wenn ich irgendein Objekt sehe – ein Schachbrett zum Beispiel oder während ich am Frühstückstisch sitze und den Eierbecher betrachte und ich denke: Daraus lässt sich was machen. Und dann fange ich gedanklich an, die Idee auszuarbeiten. Natürlich habe ich mir anfangs auch im Internet Anregungen geholt, aber ich möchte lieber meinen eigenen Stil sowie Ideen und Träume in meinen Fotos verwirklichen.“

Die Fotografie ist für Cornelia Nerlich ein wunderbarer Ausgleich zu ihrem Beruf. Oftmals schweifen Ihre Gedanken während der Arbeit ab und sie überlegt, welche Idee sie heute noch umsetzt. „Leider bleibt mir neben Beruf, Haushalt, Kinder, Enkelkinder nicht immer die Zeit, die ich gerne hätte, denn manchmal bedarf es doch einer gewissen Vorbereitungszeit, bevor ein Foto entstehen kann. Wenns komplizierter werden soll oder ich nicht alle Utensilien zu Hause habe, nutze ich die nächstbeste Gelegenheit beim Einkaufen. Da Ideen und Minitaturfiguren reichlich vorhanden sind, ist es nicht notwendig, immer gleich alles und sofort in die Tat umzusetzen. Einige meiner Ideen sind mehrere Wochen in meinem Kopf gereift.“

Einsteigern in die Miniaturfotografie gibt Cornelia Nerlich den Tipp, „es nicht gleich so aufwendig und kompliziert zu machen. Ein Set mit Figuren, die nicht allzu spezifisch sind, wie stehende oder sitzende Passanten reichen auch für den Anfang völlig aus. Später kann man immer noch zu den Sets wie Köche, Tennisspieler oder Badende übergehen.“

Entscheidend in der Miniaturfotografie ist die Perspektive, so Cornelia Nerlich. Mit dieser gilt es, zu spielen, ob nun von oben nach unten, von unten nach oben oder man wählt die gleiche Höhe. Während es bei dem einen Foto besser aussieht, wenn man von leicht schräg oben hinab fotografiert (Foto Taschentücher), ist das Fotografieren aus gleicher Höhe (Fotos Champignon, Brokkoli) wirkungsvoller, weil auf diese Art und Weise die unterschiedlichen Proportionen besser herausgestellt werden können. Ausprobieren heißt da die Devise. Auch Cornelia Nerlich geht das Spiel mit den verschiedenen Perspektiven ein und entscheidet anschließend, welche ihr am besten gefällt und ihre Bildaussage am meisten unterstützt – natürlich liegt das auch immer im Auge des Betrachters.

Nützliche Dinge für die Minitaturfotografie wie Hintergründe/Untergründe hat sich Cornelia Nerlich in Form von bedrucktem Karton besorgt (Foto: Taschentücher). Beim Foto Brokkoli musste ein vom Renovieren übrig gebliebener Laminatuntergrund (Korkmatte) herhalten. Es findet sich immer irgendetwas in den eigenen vier Wänden, das sich wunderbar für die Miniaturfotografie nutzen lässt. Neben Sekundenkleber, Vaseline, Zuckerguss setzt Cornelia Nerlich auch die Heißklebepistole für die Befestigung ein – wenn es etwas größer ist, wie zum Beispiel der Broccoli, hält es einfach besser. Kleine Utensilien kann man überdies prima in 1-Euro-Shops kaufen, wie etwa Tonkarton, Luftballons, Pins, Konfetti usw.

Über die Wahl des Objektivs entscheidet Cornelia Nerlich spontan. Mal setzt sie das 50 mm Makroobjektiv ein, dann aber auch wieder mal auch das Telezoom. Auch mit Schärfe und Unschärfe sollte man das Spiel eingehen – einfach alle Optionen durchspielen, bis einem das Ergebnis gefällt.

Liebhaber der Miniaturfotografie sollten sich nicht beirren lassen, denn auch Cornelia Nerlich hat bereits die Erfahrung machen dürfen, dass sie für ihr Hobby belächelt wird. „Ich werde auch weiterhin meine Miniaturfotos machen. Letztendlich muss es ja mir Freude bereiten. Und wenn ich andere ebenso erfreuen kann – umso besser.“

Weitere Tipps zur Miniaturfotografie: http://www.prophoto-online.de/fotopraxis/fototipp-miniaturfotografie-10008978

Fotografieren in der Praxis 03 / 2015

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3 Kommentare

Sehr schön; und noch einen "Nachschlag" von mir. siehe http://kleineleute.tumblr.com/ Viele Grüße, D.Mock PS: Ich benutze übrigens einen sogenannten "Hin & Weg - Kleber", der sich mühelos wieder entfernen lässt. Gib es in Bastel- oder in Modellbaugeschäften.

von Dieter Mock
26. März 2015, 09:32:03 Uhr

Ja Frau Nerlich, es macht Spass. Bei mir sind auch schon Stiefelschäfte und Bergschuhsohlen "beklettert" worden. Schon probiert ?? Weiterhin viel Spass.

von horst fey
18. März 2015, 18:19:46 Uhr

Gratuliere der Frau Nerlich. Zum Befestigen der Utensilien, wenn es nicht gerade feuchtes Gemüse ist, bietet sich auch Haftplast in klEinstein Mengen an. Mfg Herbert Kreß

von Herbert Kress
18. März 2015, 10:04:24 Uhr

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