Warum es durchaus Sinn macht mit fotografischen Regeln zu brechen

Man sollte die fotografischen Regeln kennen, um sie zu brechen

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Die Fotografie als Zeitzeugnis ist permanent bildlichen Trends ausgesetzt, die nicht nur auf die technischen Innovationen zurückzuführen sind. Um mit seinen Aufnahmen aus dem immer größeren Bilderberg herauszustechen, ist es eine Option, mit bestehenden fotografischen Regeln zu brechen. Adobe hat erkundet, wie Fotografen mit Blickwinkel, Balance und Perspektive umgehen. Bei der Analyse ging es nicht darum, wie man es „richtig“ macht. Vielmehr wurde geschaut, wie bewusst Fotoregeln in der Bildkomposition gebrochen wurden, um die Aufmerksamkeit des Bildbetrachters stärker auf sich zu lenken. Aus den von Adobe zusammengetragenen Expertentipps lässt sich für jeden Fotobegeisterten eine Menge ableiten. Konventionsbruch mit den fotografischen Regeln bedeutet nämlich nicht, automatisch auf der fotografischen Erfolgsspurt zu sein. Ja und um mit fotografischen Regeln brechen zu können ist es hilfreich, diese auch zu kennen.

Wollt ihr Regeln brechen, dann gebt richtig Gas

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Es mag unlogisch klingen, aber wer Regeln erfolgreich brechen will, muss sich an bestimmte Regeln halten, erklärt Morgan David de Lossy, Fotograf, Regisseur und leitender Produktentwickler bei Adobe. Man kann nicht einfach loslegen und die bestehende Ordnung durcheinanderbringen – um Regeln auseinandernehmen zu können, muss man sie zunächst einmal kennen: „Lernt von den Klassikern bis ihr die Grundlagen beherrscht. Erst dann kann man als Fotograf auch gezielt unausgewogene Kompositionen angehen.

Hat man einmal die grundlegende Gestaltungstechniken im Griff, zum Beispiel den goldenen Schnitt, kann man die Regeln auf den Kopf stellen – dann aber bitte voll und ganz! „Traut euch was“, rät Morgan. „Fährt man lediglich ein wenig neben der Spur, wirkt es wie ein Versehen. Ein eleganter Regelbruch ruft Bilder im Geist des Betrachters auf, die dieser nicht gewohnt ist, und genau das wird eine Arbeit aus der Masse hervortreten lassen.

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Allerdings gibt es da auch ein Gleichgewicht innerhalb des Ungleichgewichts, fügt Morgan an. Zur Erklärung nutzt er eine Metapher: „Im Film sagen die Figuren nie, was sie tun. Sie sagen nicht ‚Ich bin wütend‘, während sie Wut darstellen – das wäre zu flach. Sagt aber eine Figur ‚Mir geht‘s gut‘, verhält sich dabei jedoch, als wäre sie wütend, ist das Interesse des Zuschauers geweckt. Sein Verstand fragt sich, was wohl als nächstes passiert. Fotografie und Film ähneln sich. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, das Augenmerk zu lenken, aber jedes Element – Figuren, Komposition, Licht, Kleidung – muss seinen Teil zum Gesamtbild beitragen.

Wenn die Natur aus dem Gleichgewicht gerät, probiere sämtliche Blickwinkel

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Die Fotografin und Adobe-Stock-Mitwirkende Shannon Benson, die sich sehr für den Erhalt der Umwelt einsetzt, ist eine Meisterin der Naturfotografie – mit schönen, aber auch aufwühlenden Bildern. Sie vereint traditionelle Elemente der Komposition mit Blickwinkeln, die zum Nachdenken anregen und den Betrachter zweimal hinsehen lassen. „Wichtig ist, dass man dem jeweiligen Motiv gerecht wird, indem man diverse Kompositionen ausprobiert“, erläutert Shannon. „Bewegt euch umher, um dem Betrachter am Ende eine einzigartige Perspektive zu bieten und seine Aufmerksamkeit zu gewinnen. Das Wichtigste jedoch ist, dass ihr eine klare Botschaft habt, die ihr vermitteln wollt, und euch selbst fragt, ob ihr das mit diesem Bild tatsächlich erreichen könnt.“

Wagt euch an aufwühlende Motive

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Wer sich an unausgewogenen Kompositionen versuchen will, kann sich von provokativen Kunstwerken Inspiration holen – vielleicht gibt es ja ganz in der Nähe eine Galerie mit aufwühlenden Bildern. Eine Ausstellung zum Werk des Malers Otto Dix in der Tate-Galerie in Liverpool beleuchtete kürzlich die „roh realistischen“ Porträts von Deutschland in der Zeit zwischen den Weltkriegen. Wie auch Morgan rät, beunruhigt Dix‘ Kunst durch kreative Spannung – wir sind schockiert, in gewisser Weise aber auch erfreut. In einer Kritik zu der Ausstellung hebte die Zeitung The Guardian die Komplexität und Mehrdeutigkeit in Dix‘ anspruchsvollem Werk hervor und beschreibt dieses als „zynisch und vorsätzlich anstößig“, aber nicht als durchweg negativ. „Seine Kunst legt uns die Frage nah, was Dekadenz bedeutet, drückt doch das skandalöse erotische Chaos in seiner Darstellung einen gewissen Glauben an Fortschritt und Befreiung der Gesellschaft aus.“

Noch mehr unausgewogene Kompositionen zum Nachdenken finden Interessierte in der speziell zu diesem Thema aufgebauten Galerie bei Adobe Stock. Dort sind Bilder zusammengetragen, die vertraute Dinge in verblüffender Weise darstellen, von kubistischen Portraits über einen Schuh in einem Fuß bis zu einem verstörenden Moment während einer Demonstration: eine Frau in farbenfrohen Kleidern, wie sie vor einer Polizeiabsperrung aus dunkel gekleideten Beamten steht.

Fotografieren in der Praxis 05 / 2018

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