Motive der Naturphotographie - Vögel vor der Kamera

Lauter Leckereien Bildgalerie betrachten

Blende ,“Lauter Leckereien”
Willi Riedel

Unter allen Motiven der Naturphotographie gehören die Vögel zu den schwierigsten, aber mit zu den schönsten Objekten. Ihre Lebensräume reichen vom Garten am Haus bis hin zu den Eiskappen der Pole. Ein wahres Schauspiel ist der alljährliche Vogelzug, wenn sich mitunter der Himmel schwarz färbt und lautes Getöse alle anderen Geräusche überdeckt. Manche Vögel sind exotisch gefärbt, andere unauffällig; manche relativ scheu, daß sie nur mit extremen Teleobjektiven mit der Kamera formatfüllend eingefangen werden können. Alle Vögel haben jedoch eins gemeinsam: sie sind Gewohnheitstiere, und das kann und sollte sich der Naturphotograph zu Nutze machen.

Für den Naturphotographen gilt, bevor er den Auslöser der Kamera betätigt, die Verhaltensweisen der Vögel, die nach ganz bestimmten Mustern ablaufen, zu studieren. Man kann sich fast blind darauf verlassen, daß die Vertreter einer bestimmten Art in einer ganz bestimmten charakteristischen Weise sitzen, laufen oder fliegen. Auch die Freßgewohnheiten zeigen wenig Variation und genistet wird jedes Jahr zur selben Zeit und an vorhersehbaren Stellen. Grundkenntnisse zu den verschiedenen Vogelarten kann man sich zusätzlich über Naturkundebücher aneignen.

Welche Ausrüstung sich für die Vogelphotographie am besten eignet, hängt weitgehend davon ab, ob sich die betreffende Art besonders viel bewegt oder nicht. Für Aufnahmen von Vogelnestern kann praktisch jede transportable Kamera zum Einsatz kommen. Die Kamera wird vor dem Nest aufgebaut und eingestellt. Das Photo wird dann aus sicherer Entfernung mit einem Fernauslöser belichtet. Zweiäugige Spiegelreflex- und Sucherkameras sind gute Helfer, weil sie klein sind und relativ leise arbeiten. Auch Elektronenblitzgeräte können zum Einsatz kommen und stören die Vögel - da sie sich an den Blitz gewöhnen - nur anfänglich. Sofern die Analogkamera nicht über einen automatischen Filmtransport verfügt, bietet sich eine einäugige Spiegelreflexkamera mit Motorbetrieb an, denn dann muß man nicht nach jeder Aufnahme zur Kamera zurückkehren. Spiegelreflexkameras, ob analog oder digital, sind prädestiniert für die Vogelphotographie, denn sie garantieren durch die Möglichkeit des Objektiv-Wechsels dem Photographen viel Spielraum.

Dem Vogelphotographen bieten sich zwei Möglichkeiten um das Federvieh nah vor die Linse zu bekommen. Entweder lockt man die Vögel durch Futter an oder man spürt vorsichtig und leise ihren Nist- oder Schlafplatz auf. Der beste Platz für eine Futterstelle ist eine halb offene, helle Stelle in der Nähe eines Baumes mit niedrigen Ästen oder eines Busches, in dem sich die Vögel sicher fühlen. Die Kamera sollte möglichst unsichtbar bleiben oder getarnt werden. Ist das nicht möglich, so sollte man sich langsam den Vögeln nähern. Wichtig ist, ruhig zu bleiben und die Vögel nicht durch hektische Aktionen zu erschrecken. Reflektierende Teile am Stativ oder an der Kamera sollten mit schwarzem Klebeband verdeckt werden. Aber auch auf die Kleidung hat der Vogelphotograph zu achten: Auf bunte Kleider, glänzende Knöpfe und alles was Geräusche macht sollte verzichtet werden. Möchte man sich besonders scheuen Arten nähern, so muß man sich in der Regel tarnen. Das macht weiter keine Mühe - eine Decke oder ein Bettlaken, über Kopf und Schultern gelegt und so befestigt, daß nichts im Wind flattert, reicht für gewöhnlich. Noch besser ist natürlich ein Tarnnetz.
 

Fotografieren in der Praxis 04 / 2006

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