Motivklassiker - Bäume im Bild

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“Bäume”
Erich Harzenetter

Bäume sind nicht nur ausgesprochen photogen, sondern äußerst symbolträchtig. Ungewöhnlich beeindruckende Aufnahmen von diesem Wunderwerk der Natur gelingen dann, wenn der Photograph den idealen Aufnahmewinkel und Standort gefunden, beziehungsweise sich das richtige Licht oder die entsprechende Jahreszeit eingestellt hat. Photoserien lohnen sich in jedem Fall und wie heißt es so schön: "Der Baum bleibt stehen, die Sonne wandert." - Eine Binsenwahrheit, die sich der versierte Photograph zu Nutze macht.

Wer die Liebe zur "Baumphotographie" für sich entdeckt hat, der beobachtet, wenn möglich, sein Motiv zu verschiedenen Tageszeiten. Denn von der Morgendämmerung mit dem leichten Bodennebel bis zum dramatisch farbigen Sonnenuntergang, wird sich der Baum beziehungsweise die Baumgruppe in völlig anderen Stimmungen zeigen. In welchem Winkel das Sonnenlicht auf den Baum fällt, ist entscheidend für das spätere Bildergebnis. Licht im Rücken, beleuchtet den Baum zwar schön, stellt ihn aber auf dem Photo flach und ohne Tiefe dar. Licht, das in einem 90 Grad Winkel seitlich einfällt, ist eher geeignet, um für Plastizität zu sorgen, denn es schafft attraktive Licht- und Schattenspiele. Bei Gegenlicht, ohne Aufhellung, die ohnehin nur mit einem starken Blitz möglich wäre, wird der Baum beziehungsweise die Baumgruppe zum dekorativen Scherenschnitt. Bei Gegenlicht gelingen Bilder aber nur dann, wenn der Baumstamm oder ein dicker Ast die Sonne verdeckt, so daß kein grelles Licht die Aufnahme zunichte macht. Die Belichtungsmessung ist dabei natürlich exakt einzustellen, um Fehlbelichtungen zu vermeiden. Am besten gelingt dies mit der Spotmessung auf den Baumstamm. Wenn die Kamera keine Spotmessung ermöglicht, können die Aufnahmen auch mit 1 bis 2 Blenden Überbelichtung gelingen.

Bäume verändern ihr Aussehen mit dem Licht, morgens, mittags oder abends. Bäume wandeln sich mit der Jahreszeit. Jeder Hobbyphotograph könnte sich einmal den Motivklassiker zur Aufgabe machen, einen Baum zu den verschiedensten Jahreszeiten abzulichten. Man sucht sich seinen leicht erreichbaren Lieblingsbaum und photographiert ihn zwölf Monate lang mindestens einmal im Monat, immer vom selben Standort aus mit der gleichen Brennweite. Eine beeindruckende Serie ist garantiert. Aber auch weitere Ideen für das Motiv "Baum" gibt es in Hülle und Fülle. Da denkt der photographische Motivsammler bestimmt nicht nur an den knorrigen Olivenbaum vor in Unschärfe verschwommenem Lavendelblütenfeld in der Provence, an die einsame Lärche an der Baumgrenze, an den einsamen Wächter auf der Spitze eines Hügels, an die ausgewaschenen, von Wind und Wetter gegerbten Baumskelette am Rande der Wüste, an die sturmgepeitschten Pappeln oder Birken an der nordischen Küste und an den Baum, der sein farbiges Kleid im Laufe der Jahreszeiten vom ersten zarten Grün bis zum üppigen Rot und Gelb des Herbstes wechselt. Natürlich ist der Baum im Sommer grün, im Herbst bunt gefärbt und im Winter schwarzweiß. Doch es geht auch darum, den Baum in einen direkten bildgestalterischen Zusammenhang mit seiner Umgebung zu stellen, etwa üppig rote Herbstfarben mit einem tiefblauen Himmel zu kombinieren.

Für besonders intensive Farben und ein dunkles Himmelsblau ist ein Polarisationsfilter, vor das Objektiv geschraubt, zu empfehlen. Fällt das Sonnenlicht seitlich ein, läßt sich die Wirkung durch Drehen von neutral bis intensiv verändern - alles ist im Sucher sichtbar. Für knackige Farben dürfen Diafilme etwas unterbelichtet werden.

Viele Hobbyphotographen - aber auch Berufsphotographen - machen gleich mehrere Aufnahmen von ein und demselben Motiv: Die erste Aufnahme wird photographiert, wie es die Programmautomatik der Kamera vorschlägt, eine zweite mit einer Belichtung von minus 1/3 Blende und eine dritte mit minus 2/3 Blende.

Bäume verstehen zu faszinieren, nicht nur in der Landschaft sondern auch im Photo. Als Einzelbild, schön gerahmt und aufgehängt, wird es bei jedem Betrachter Wirkung zeigen. Warum nicht zum Beispiel im heißen Sommer das Bild eines von Rauhreif überzogenen Baumes an die Wand hängen, im Winter hingegen einen in voller Blüte stehenden Baum als Vorboten eines erhofften Frühlings? Und bei einer Bildserie: Hier wirken vor allem mehrere, über- und nebeneinander präsentierte Bilder der unterschiedlichsten Baummotive besonders plakativ. Kaum ein anderes Motiv ist so gut dafür geeignet, als geschmackvolle, dekorative Kunst an Wänden ausgestellt zu werden. Abzüge in Galeriegröße von mindestens 24 x 30 cm gibt es im Photofachhandel oft auch als Aktionsangebote bis hin zur Postergröße. Ein 24 x 30 cm-Photoabzug vom Lieblingsbaum, liebevoll eingerahmt in einem Schrägpassepartout, ist dann schon ein kleines Kunstwerk.
 

Fotografieren in der Praxis 07 / 2004

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