Motivkontraste - reizvoll und zugleich eine photographische Herausforderung

Schloß Rappenau Bildgalerie betrachten “Schloß Rappenau”
Moritz Maler

Motive mit großen Hell-Dunkel-Kontrasten sind überaus reizvoll und der Wunsch, sie im Bild einzufangen, ist groß. Das Auge sieht dabei aber meistens mehr als der Film beziehungsweise der Sensor. Möchte der Photograph die richtige Balance zwischen gleißendem Hell und pechschwarzer Nacht finden, braucht er außer einem Belichtungsmesser, idealerweise ein Stativ und Geduld.

Ein beleuchtetes Gebäude, beispielsweise ein Schloß oder eine Kirche, vor dunklem Nachthimmel ist dank des großen Kontrastes, im Vergleich zur Umgebung, relativ einfach zu photographieren. Voraussetzung für eine wirkungsvolle Aufnahme ist, daß das angestrahlte Gebäude zur Belichtungsmessung herangezogen wird. Eine Spotmessung der Kamera kann dabei wertvolle Dienste leisten. Daß der ohnehin schon schwarze Hintergrund dabei unterbelichtet wird, spielt keine Rolle und kann vernachlässigt werden.

Schwieriger wird die Situation, wenn ein schwach oder gar nicht beleuchtetes Objekt und ein stark beleuchtetes Objekt zusammen auf ein Photo sollen. Also beispielsweise ein Schloß und eine leuchtende Kunstinstallation im Vordergrund. Der Photograph muß in so einer Situation zunächst seine Präferenzen setzen. Was soll das Hauptmotiv werden? Die Kunst oder das Schloß? Oder soll die Kunst beim Schloß gezeigt werden? Bei letzterem muß ein Mittelweg gefunden werden zwischen korrekter Belichtung für das Schloß und der Belichtung, die das Kunstwerk benötigt.

Gut beraten ist jeder, der den Kontrast stimmungsvoll mit der Kamera einfangen möchte, wenn er rechtzeitig vor Ort ist. Ist die Umgebung erst einmal stockfinster und wird das ohnehin schwach beleuchtete Gebäude auch nicht mehr vom restlichen Tageslicht aufgehellt, so ist es eine noch größere photographische Herausforderung, zu aussagekräftigen und gut belichteten Aufnahmen zu gelangen. Stimmungsvolle Aufnahmen von beleuchteten Objekten lassen sich am besten während der „blauen Stunde“, also in der Zeit zwischen Sonnenuntergang und Dunkelheit, machen.

Verfügt die Kamera über keine Spotmessung, kann man sich behelfen, indem einmal das eine, dann das andere Objekt prominent ins Bildfeld gerückt und die Belichtung gemessen wird - so geschehen auch bei unserer Beispielsaufnahme. Die beiden gemessenen Werte bilden die Grenzen der Belichtung nach oben und unten. Wenn es ohnehin dunkel ist und dies auch im Bild vermittelt werden soll, dann kann von der maximalen Belichtung zumindest eine Stufe abgezogen werden, ebenso beim minimalen Wert, denn das beleuchtete Kunstwerk soll ja nicht überbelichtet werden. Eine Belichtungsreihe ist in jedem Fall anzuraten, denn trotz aller sorgfältigen Belichtungsmessung, ist man dann auf der sicheren Seite, daß wenigstens eine Aufnahme den persönlichen Ansprüchen genügt. Ein Stativ ist ratsam und leistet wertvolle Dienste, da sich der Photograph voll auf die Belichtung konzentrieren kann und nicht immer auch noch darauf achten muß, daß sein Motiv gerade im Sucher erscheint. Ohnehin bedürfen Aufnahmen bei wenig Licht längere Belichtungszeiten. Ohne Stativ droht die Gefahr des Verwackelns.

Während Digitalphotographen mit einer ausgedehnten Belichtungsreihe ihrem Ziel einer gelungenen Aufnahme sehr schnell nahe kommen, müssen sich all die Photographen, die ihre Aufnahmen auf Film bannen, noch einige Gedanken über die richtige Filmwahl machen. Ein Diafilm kann höhere Kontrastumfänge in einem Bild verarbeiten, als auf Papier ausbelichtet werden können. Der Diafilm bietet damit zwar die Gewähr für „knackigere“ Kontraste, er muß gleichzeitig aber auch korrekt belichtet werden. Farbnegativfilme sind bei der Belichtung toleranter, manches kann im Nachhinein im Labor noch korrigiert werden. Eine interessante Alternative zum „normalen“ Negativfilm bieten in diesem Fall spezielle Portraitfilme, die einen verminderten Kontrastumfang besitzen.
 

Fotografieren in der Praxis 04 / 2005

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden