Fototipp: Nachtfotografie - Stimmungsvolle Eyecatcher in der Blauen Stunde

Weil die Tage doch sehr kurz sind, mag man über die dunkle Jahreszeit im Winter mitunter fluchen. Aber warum negativ an diese Jahreszeit herangehen? Allein aus fotografischer Sicht ist sie genial, muss man als Fotobegeisterter und Motivhungriger doch weniger die Nacht zum Tage machen und kann auch etwas länger schlafen, um die Blaue Stunde zu erwischen. Die Digitalfotografie hat die Nachtfotografie revolutioniert und aktuelle Aufnahmegeräte sind mit ihrem Mehr an Optionen ein Garant für stimmungsvolle Eyecatcher, wie der „Blende“-Wettbewerbsbeitrag „castle eilean donan – schottland“ von Carsten Frenzl, eingereicht bei „Blende 2016“ zur thematischen Vorgabe „Doppelt gesehen – Spiegelungen“. Der Bildautor führt zu seiner Aufnahme aus „Castle Eilean Donan, aufgenommen nach einem genialen Sonnenuntergang“. Damit gibt er einen entscheidenden Tipp, hat er den Auslöser während der Blauen Stunde betätigt.

© Fotograf: Carsten Frenzl, castle eilean donan - schottland, Blende-Fotowettbewerb
Carsten Frenzl, castle eilean donan – schottland, Blende-Fotowettbewerb

Blaue Stunde – Besondere Lichtfarbe

Die Lichtfarbe ist es, die die Blaue Stunde für Fotografen so wertvoll macht. Wenn die Sonne aufgeht, ändert sich die Beleuchtung, da die Strahlen der tiefstehenden Sonne die Atmosphäre durchdringen. Die Farbe des Lichtes ist wärmer als am Tag, denn die Strahlen legen einen größeren Weg zurück. Da die kälteren blauen Anteile von der Atmosphäre herausgefiltert werden, enthält das Licht einen größeren Anteil an roten und gelben Strahlen. Schatten erscheinen dagegen blau, weil ihnen goldenes Sonnenlicht fehlt und sie das Blau des Himmels reflektieren. Je höher die Sonne am Himmel steht, desto größer wird der Kontrast zwischen den Farben. Am Mittag erreicht dieser Kontrast, insbesondere im Sommer, seinen Höhepunkt. Da das weiße Licht dann keine Färbung aufweist, ergeben sich auch keine Verschiebungen zwischen den Objektfarben. Die Schatten sind schwarz. Mit der untergehenden Sonne beginnt das Licht wieder wärmer zu werden. Das geschieht allerdings so allmählich, dass der Fotograf sein Farbsehen trainieren sollte, um es wahrzunehmen. Ist der Abend klar und bleibt die Sonne bis zum Untergang sichtbar, nehmen die Dinge eine übernatürliche Farbe an. Die Schatten werden länger und erscheinen blau. Die Oberflächenstrukturen werden interessanter.

Fotoequipment – Was braucht man?

Das Fotografieren bei wenig Licht verlangt nach einem passenden Aufnahmegerät wie nach einer hochwertigen Kompaktkamera, einer kompakten Systemkamera oder einer Spiegelreflexkamera. Diese Aufnahmegeräte verfügen zum einen über immer bessere Aufnahmeprogramme, die auch Einsteigern ohne großes fotografisches Wissen zu tollen Bildergebnissen verhalfen. Zum anderen bieten diese Kameras die Möglichkeit, auch außerhalb der Automatik manuell Einfluss zu nehmen. Das betrifft das Spiel mit Zeit und Blende ebenso wie beispielsweise die Sensorempfindlichkeit (ISO) nach seinen Vorstellungen verändern zu können.

Kompaktkameras mit einem großen Zoombereich – also die sogenannten Bridge- beziehungsweise Superzoomkameras – bieten die Option, nahezu alle Motive in der Nacht ins rechte Licht rücken zu können. Für welches Objektiv (Normal, Weitwinkel, Tele etc.) man sich beim Fotografieren mit Kameras mit Wechseloptik entscheidet, hängt vom Motivschwerpunkt, aber auch davon ab, wie Objekte in Szene gerückt werden sollen. Klar im Vorteil sind alle Fotografen, die über eine Auswahl an Objektiven verfügen, denn so erschließen sie sich alle fotografischen Freiheiten. Jeder, der über eine Kamera mit Wechseloptik verfügt, sollte aus unserer Sicht ein Normal-, ein leichtes Tele- und ein Weitwinkelobjektiv in seinem Besitz wissen. Liebt man das fotografische Detail, dann ist natürlich ein Makroobjektiv Pflicht.

Ein Muss für Nachtaufnahmen ist der Einsatz eines Stativs – wir raten zu einem Drei- beziehungsweise Vierbeinstativ, das sicheren Stand garantiert. Stabil und robust sollte das Stativ sein – hier zahlt sich Qualität aus, denn Erschütterungen können ihnen nichts anhaben. Dass Kamera und Stativ eine Einheit bilden müssen, versteht sich von selbst. So manches Stativ, dass nicht auf das Kameragewicht ausgerichtet war, ist schon in die Knie gegangen.

Nützlich sind zudem Fernbedienungen/Fernauslöser. Schon das Auslösen der Kamera kann zu Erschütterungen führen, die unscharfe Aufnahmen zur Folge haben. Bei Fernauslösern hat man die Wahl zwischen Drahtauslösern, einer elektrischen Kabelverbindung, optischen Einrichtungen, wie Infrarotsender und Empfänger, sowie Sklavenblitzauslöser und einer Funkverbindung. Weniger verbreitet sind pneumatische Verbindungen. Ist es nicht möglich, die Kamera mit einem Fernauslöser zu betreiben, so kann bedingt der Selbstauslöser helfen. Ist er einmal aktiviert, so läuft der Aufnahmemechanismus nach vorgegebener Zeit ab. Besser sind natürlich Fernauslöser – mit ihnen kann die Kamera im richtigen Moment und gegebenenfalls auch mehrfach hintereinander ausgelöst werden. Ist man im Besitz eines recht aktuellen Kameramodells, so kann die Kamerasteuerung kabellos auch über das Smartphone beziehungsweise Tablet erfolgen. Im Vorfeld ist entsprechende Kamera-App herunterzuladen. Zudem ist es ratsam, sich vorher mit der Kamerabedienung auf diese Weise auseinanderzusetzen, denn dann kann diese quasi zu einem Selbstläufer werden.

In die Fototasche sollte man, neben Ersatzakkus und -speicherkarten, zudem eine Taschenlampe packen. Mit dieser kann man nicht nur den Weg leuchten, sondern Licht ist auch beim Stativaufbau, der Befestigung sowie beim Einstellen der Kamera sehr von Vorteil. Empfehlenswert sind übrigens Lampen mit einem Rotfilter, da diese beim Ausschalten der Lampe die Sehfähigkeit im Dunkeln nicht so beeinträchtigen.

Kameraeinstellungen – Was ist ratsam?

Je nach Kameramodell hat der Fotograf die Option, den Nachtmodus zu wählen. Die Kamera nimmt alle Einstellungen automatisch vor und wählt die optimale Kombination aus Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert. Ratsam ist, sofern die Kamera die Möglichkeit bietet, die ISO-Empfindlichkeit nicht zu hoch zu wählen, da damit Bildrauschen einhergehen kann. Je nach Kameraausstattung können die Einstellungen auch manuell erfolgen. Dies hat den Vorteil, dass man sich als Fotograf stärker einbringen und seiner fotografischen Kreativität freien Lauf lassen kann. Beachten sollte man, dass automatische Belichtungsprogramme, je nach Motiv, in der Nacht nicht immer optimale Bildergebnisse garantieren. Aus diesem Grund ist der manuelle Modus ratsam. Die längste Belichtungszeit liegt bei einem Großteil der Kameras bei 30 Sekunden – dies ist meist auch ausreichend für überzeugende Nachtaufnahmen. Ist eine längere Belichtungszeit erforderlich, so muss man sich für den Bulb-Modus entscheiden.

Den Weißabgleich sollte man bei der Nachtfotografie im Auge behalten. In absoluter Dunkelheit entscheiden sich Fotografen bevorzugt für die Tageslicht-Voreinstellung. Als Bildspeicherformat sollte, sofern die Kamera die Option bietet und man sich der Bildbearbeitung hingeben möchte, RAW gewählt werden. Bei diesem Bilddatenrohformat hat man als Fotograf die Option, die Farbbalance nachträglich gezielt zu korrigieren. Zahlreiche aktuelle Kameramodelle bieten die Möglichkeit, Aufnahmen sowohl im RAW- als auch JPEG-Bildformat gleichzeitig abzuspeichern. Das benötigt zwar mehr Speicherplatz, aber man behält sich alle Optionen offen. Wer definitiv weiß, dass Bildbearbeitung kein Thema ist, der wählt das JPEG-Bildformat.

Kommen wir zum Autofokus, der je nach Dunkelheit nur unzureichend funktioniert. Verlässlicher ist der manuelle Fokus – auch, wenn es mitunter eine Herausforderung darstellt, das Objekt in der Dunkelheit zu finden und darauf scharf zu stellen. Hier ist die Lupenfunktion im Live-View-Modus sehr hilfreich, denn mit ihr lassen sich Motivbereiche auf dem Display größer darstellen.

Fotografieren in der Praxis 02 / 2017

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