Nachtfotografie - Was ist die beste Kamera

Die Nachtfotografie ist ein spannendes, herausforderndes Genre, das imposante Aufnahmen hervorzubringen vermag. Voraussetzung dafür ist eine Kameraausrüstung – das Smartphone als Aufnahmegerät kann man getrost beiseitelegen. Hilfreich ist es nur zur Steuerung der Kamera – sofern diese dieses Feature unterstützt – oder beispielsweise, um im Vorfeld sich über entsprechende Apps über das Wetter zu informieren. Die gute Nachricht: Alle aktuellen Kameramodelle mit einem Stativgewinde und deren Belichtung sich manuell einstellen lässt und dabei längere Belichtungen billigen sind für das Fotografieren bei wenig Licht bestens geeignet. Von Vorteil sind Kameras mit einer robusten und wettergeschützten Bauweise. Betrachtet man die Kameraneuheiten im höherpreisigen Segment, so sind diese nahezu alle wetterfest. Feuchtigkeit und Regen kann ihnen kaum etwas anhaben. Wichtig ist natürlich die Einheit zwischen Anwender und Kamera. Nur wenn diese gegeben und somit das Menü für einen logisch, intuitiv und einfach zu bedienen ist, bleibt der Spaß nicht auf der Strecke.

Nachtfotografie - Was ist die beste Kamera

Kameras werden heute in die Kategorien Kompakt-, kompakte System- (oftmals auch als spiegellose Kameras) und Spiegelreflexkameras unterteilt. Auch wenn vom Prinzip her jedes aktuelle Kameramodell für die Nachtfotografie geeignet ist, so gelten Kompaktkameras nicht als das Optimum wenn man in die sogenannten „höheren Sphären“ der Nachtfotografie eintauchen möchte. Grund hierfür ist die Festbrennweite. Zudem bieten nur wenige Modelle die B-Einstellung (Bulb) für unbegrenzt lange Belichtungszeiten.

Von Vorteil ist ohne Umschweife, wenn man über ein aktuelles Kameramodell verfügt. Grund hierfür ist, dass sich die technischen Fortschritte hinsichtlich geringeren Bildrauschens bei höheren ISO-Einstellungen und längeren Belichtungszeiten deutlich sind. Das zeigt sich in einer unverkennbar besseren Bildqualität bei allen drei oben aufgeführten Kamerakategorien.

Schaut man sich aktuelle Kameraeinführungen im höherpreisigen Segment an, so ist hier eine zunehmende Spezialisierung auf bestimmte fotografische Sujets festzustellen. Das bedeutet für den Nutzer, sich die einzelnen Kameramodelle mit ihren Features genauestens anzuschauen. Hat man nur ein bestimmtes Budget für sein Kameraequipment, so muss man ggf. abwägen. Es nützt einem nämlich ein Profikamerabody nichts, wenn man an der Optik spart. Aus diesem Grund ist es im ersten Schritt ratsamer, eine Kamera im mittleren Preissegment auszuwählen und dafür lieber mehr in die Optik zu investieren.

Henrik Schnappauf, windmill at night..., Blende-Fotowettbewerb
Henrik Schnappauf, windmill at night…, Blende-Fotowettbewerb
Bild zeigt die Bockwindmühle in Tüngeda in Thüringen. Aufgenommen in einer Sternenklaren Nacht Anfang Juli.

Fällt die Entscheidung auf eine Kamera für Wechseloptik (kompakte System- und Spiegelreflexkamera) – was zu empfehlen ist – so sollte man sich informieren, welche Objektive im Sortiment geführt werden. Das Angebot an Weitwinkel-Festbrennweiten und manuell fokussierbaren Objektiven für Spiegelreflexkameras ist weitreichender als für kompakte Systemkameras. Allerdings wird das Objektivangebot für Systemkameras kontinuierlich von den Herstellern weiter ausgebaut. Aktuell ist es jedoch so, dass das Objektivangebot für APS-C-Sensor-Kameras sich häufig auf Zoom-Objektive beschränkt. Mit diesen, so ist zu lesen, stößt man schnell an die Grenzen des Machbaren. In keinem Fall sollte man beim Objektivkauf am falschen Ende sparen – hier handelt es sich um die Augen der Kameras. Lichtstarke Objektive spielen gerade ich der Fotografie bei wenig Licht ihre Stärken aus.

Steigt man tiefer in die Nachtfotografie und hier in die Landschaftsfotografie und Astrofotografie ein, so ist eine Kamera mit einem Vollformatsensor das bevorzugte Aufnahmegerät. Der Vorteil liegt im größeren Sensor, so dass das Bildrauschen weniger ins Gewicht fällt als beim Kameras mit kleineren Sensoren. Spiegelreflexkameras gelten für viele Fotografen nach wie vor als das Nonplusultra. Doch die kompakten Systemkameras gewinnen zunehmend an Relevanz und stellen eine gute Alternative für alle dar, die eine leichtere Lösung wünschen. Wichtig ist bei der Kameraneuanschaffung auch auf zusätzliche Features zu achten, die einen deutlichen Mehrwert gegenüber anderen Kameras bieten können. Als ein Beispiel wäre hier die Funktion Live Bulb von Olympus zu nennen. Während der Langzeitbelichtung kann man in Echtzeit die Entwicklung des Histogramms beobachten, so dass man die optimale Belichtungszeit im Verlauf der Belichtung festlegen kann.

Richard Dresel, Köln am Rhein, Blende-Fotowettbewerb
Richard Dresel, Köln am Rhein, Blende-Fotowettbewerb

Fällt die Kamerakaufentscheidung auf eine Spiegelreflexkamera mit Vollformatsensor so wird man zwischen den Herstellern Nikon, Canon und Pentax wählen. Nikon-SLR-Kameras sagt man einen größeren Dynamikumfang – ist bei der Nachtfotografie von großem Vorteil – und eine etwas höhere Bildqualität nach. Canon, so ist zu lesen, soll hingegen ein besseres Live-View-Bild liefern. Dadurch wird das Fokussieren bei wenig Licht erleichtert. Interessant ist bei Canon zudem die automatische Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung (Long exposure noise reduction, LENR). In der Praxis ist diese effektiver und damit nützlicher als Systeme, die man ein- oder ausschalten kann. Pentax hat für alle Liebhaber der Sternenfotografie mit dem sogenannten Astrotracer eine tolle Lösung, damit die Sterne durch die Erdrotation nicht als Striche abgelichtet werden. Der Astrotracer verbindet den kamerainternen Bildstabilisator mit einem GPS-Modul, das sich auf dem Blitzschuh befindet. Der Sensor wird während der Langzeitbelichtung nachgeführt und zwar in dem Maße der Erdrotation.

Von Nutzen ist, wenn die Kamera das RAW-Bilddateiformat unterstützt, gilt dieses doch als Nonplusultra. Kommt das RAW-Bilddateiformat zur Anwendung, dann setzt dies allerdings eine anschließende Bildbearbeitung voraus. Beim RAW-Bildformat handelt es sich nämlich um ein Rohdatenformat – alle Bilddaten packt der Prozessor zu einer Rohversion zusammen. Die Daten setzen sich aus Belichtungszeit, Blende und Sensorempfindlichkeit (ISO-Wert) zusammen. Manchmal werden noch weitere Informationen mitgeliefert wie beispielsweise zum Weißabgleich. RAW-Dateien – und daran hat sich auch durch neue Kameratechnologien nichts geändert – bringen vor allem die entscheidenden Vorteile mit, sei es die gute Durchzeichnung in den Details, als auch die feinen Abstufungen in besonders hellen oder dunklen Bereichen. Was im JPEG schon reinweiß aussieht, kann in einem RAW-Konverter oft noch gerettet werden, weil eben doch noch Bildinformationen vorhanden sind, die im JPEG einfach nicht mehr dargestellt werden. Oder wenn es darum geht, in dunklen Bereichen auch noch etwas erkennen zu können. In den kritischen Bildbereichen liefert RAW einfach die wenigen verfügbaren Informationen mit, die sonst der Komprimierung zum Opfer fallen.

Sebastian Schneider, Brücke am Wasserfall, Blende-Fotowettbewerb
Sebastian Schneider, Brücke am Wasserfall, Blende-Fotowettbewerb
Die Brücke am Wasserfall in Cracau auch genannt “Golden Gate Bridge” :) Fotografiert mit Langzeitbelichtung im Sommer

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2017

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