Nachtfotografie: Naturschauspiel XXL - Die lange Nacht der Sternschnuppen

© Fotograf: Hubert Steinmetz, Sternschnuppe, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Hubert Steinmetz, Sternschnuppe, Blende-Fotowettbewerb
In den kommenden Tagen erwartet uns ein wahres Sternschnuppen-Feuerwerk am Nachthimmel. Der stärkste Meteoritenschwarm des Jahres, die sogenannten Geminiden, ist noch bis etwa 17. Dezember zu sehen. Das Highlight des Schauspiels wird in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember erwartet – Experten prognostizieren bis zu 120 verglühende Meteoren pro Stunde (!).

Jährlich gibt es mehrere Dutzend Meteorströme, die in Form von Sternschnuppen zu betrachten sind. Nicht nur für Romantiker und Sternschnuppen-Fans, sondern auch für Fotografen stellen die Geminiden im Dezember ein absolutes Highlight dar. Dann heißt es, sich warm anzuziehen, der Kälte zu trotzen und zu hoffen, dass klare Sicht ist. Der Name Geminiden leitet sich vom Sternbild Zwilling (lat. Gémini) ab, welches der Ursprung des Meteorstroms scheint. Die aktuelle Wettervorschau für die Nacht der Nächte verspricht überall einen nahezu wolkenfreien Nachthimmel und damit eine gute Sicht auf die Sternschnuppen. Fotografen dürfen also jubeln.

Sternschnuppen richtig toll sehen?

Um das Naturschauspiel in voller Pracht erleben und genießen zu können, sollte man sich in die Natur begeben und helle Lichtquellen meiden. Das bedeutet, einen Ort jenseits der beleuchteten Städte oder befahrenen Straßen anzusteuern. Je weiter man von künstlichen Lichtquellen entfernt ist, umso besser. Das ist notwendig, damit sich die Augen von Hell- auf Nachtsichtigkeit umstellen können. Die menschlichen Augen brauchen für die Anpassung der Lichtrezeptoren gut eine halbe Stunde.

Die Geminiden sind lichtstärker als andere Sternschnuppenschwärme und zeichnen sich durch helle, meist gelb-weiss verglühende Meteoriten aus. Am besten beobachten kann man das Schauspiel, sobald der Himmel richtig dunkel ist, also etwa ab 19 Uhr. Dabei ist es nicht nötig, einen bestimmten Sektor des Himmels anzuvisieren – die Sternschnuppen flitzen über das gesamte Firmament. Machen Sie es sich bequem, nehmen Sie sich einen Liegestuhl sowie eine dicke Decke und/oder Wärmflasche mit. Eine lange Unterhose kann ebenso wenig schaden wie ein Heißgetränk. Wer im Stehen das Sternschnuppenschauspiel erlebt, wird früher oder später wegen eines schmerzenden Nackens nicht so viel Freude haben.

Sternschnuppen fotografisch in Szene setzen

© Fotograf: Felix Isack, Unterwegs in der Sternschnuppennacht, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Felix Isack, Unterwegs in der Sternschnuppennacht, Blende-Fotowettbewerb
Ohne Frage gelingen die besten Aufnahmen mit einer kompakten System- und Spiegelreflexkamera. Wer kann, benutzt eine Vollformatkamera mit möglichst gutem High-ISO-Rauschverhalten. Sofern eine Kompaktkamera zum Einsatz kommt, sollte möglichst die Belichtungszeit manuell einstellbar sein. Im Regelfall ist ein Weitwinkel das Objektiv der Wahl, da das Erscheinen einer Sternschnuppe unvorhersehbar ist. Durch ein Weitwinkelobjektiv kann ein weiter Himmelsbereich abgelichtet werden und damit verpasst man quasi keine Sternschnuppe. Eine wirkungsvolle Abwechslung bietet der Einsatz eines Fisheye-Objektivs.

Man kann es nicht oft genug sagen, dass die Verwendung eines Stativs ein absolutes Muss ist, denn nur so lassen sich verwackelte Aufnahmen bei den langen Belichtungszeiten vermeiden. Wer hat, sollte zudem einen Fernauslöser verwenden, da dieser vor Vibrationen bzw. Erschütterungen der Kamera schützt und zu einem entspannten Fotografieren beiträgt. Reizvoll ist in diesem Zusammenhang eventuell auch ein Kabelfernauslöser mit Timerfunktion, mit dem die Kamera im vorgegebenen Intervall automatisch die Belichtungen vornimmt.

Weil wir wissen, was wir tun, wird die Kamera in den manuellen Modus gebracht. Der Autofokus wird abgeschaltet und manuell auf unendlich fokussiert. Wer das missachtet, darf sich nicht über unscharfe Bilder wundern, da die Kamera den Himmel automatisch fokussiert hat. Wir empfehlen, den Dunkelbildabzug auszustellen – also die kamerainterne Rauschreduzierung zu deaktivieren. Ansonsten muss man nach jedem Bild sehr lange warten, bis das Darkframe in gleicher Länge wie die Originalaufnahme abgelegt wird. Die Blende sollte so klein wie nur irgendwie möglich gewählt werden. Generell wird die Offenblende empfohlen, um den Lichteinfall zu maximieren. Ob dies allerding sinnvoll ist, hängt vom Objektiv ab. Gerade bei extrem lichtstarken Objektiven kann die Abbildungsqualität im Offenblendmodus im Einzelfall sichtbar sinken, weshalb es dann ratsamer ist, etwas abzublenden. An die Belichtungszeit gilt es sich heranzutasten, die bei 30 Sekunden und mehr liegen wird. Je nach Brennweite gilt es die Maximalzeit zu berücksichtigen, bis zu der belichtet werden kann, ohne dass die Sterne Streifen statt Punkte werden. Um das Bildrauschen bestmöglich zu unterbinden, sollte die ISO-Empfindlichkeit so gering wie nur möglich eingestellt werden.

Die relativ kleinen Kameradisplays lassen – im Vergleich zu Tablets und Laptops – nur bedingt eine umfassende Bildkontrolle zu. Nützlich ist in dieser Situation, die Kamera mit dem Laptop/Tablet zu verbinden. Über deren Displays kann man dann einfacher kontrollieren, ob die Sternschnuppen wirkungsvoll abgelichtet wurden. Dazu benötigt man natürlich ein entsprechendes USB-Kabel, mit dem Kamera und Laptop verbunden werden und die passende Software des Kameraherstellers. Sofern es das Kameramodell zulässt, kann es auch mit dem Tablet in Verbindung gebracht werden – hierüber können nicht nur Kameraeinstellungen vorgenommen werden, sondern man kann auch auslösen und die Bilder anschließend kontrollieren. Nachteil der Bildkontrolle über die Displays von Laptop/Tablet ist, dass die Augen mit hellem Licht konfrontiert werden und sich beim Blick gen Himmel erst wieder an die Dunkelheit gewöhnen müssen, damit sie auch das Naturschauspiel wahrnehmen können.

© Fotograf: Tobias Fröhlich, Sternschnuppe, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Tobias Fröhlich, Sternschnuppe, Blende-Fotowettbewerb
Bildgestaltung: Selbstredend muss man nicht nur den Himmel fotografieren, sondern man kann auch Teile der Umgebung einbeziehen oder ein interessantes Objekt in den Vordergrund stellen. Der Bildaufbau kann durchaus ein wenig anregend gestaltet werden, um das finale Foto noch einen Tick spannender zu machen. Vielleicht gibt es einen besonders urigen Baum, den man einbeziehen kann, eine freistehende Scheune oder einen alten Telefonmast. Die Kombination der Sternschnuppen mit einem solchen Objekt und dem Horizont als Bezugspunkt schafft schnell ein reizvolles Gesamtbild.

Sofern man seine Bilder bearbeitet, empfiehlt sich im RAW-Modus in höchster Bildqualität zu fotografieren. Einige Kameras bieten die Bildaufzeichnung parallel in JPEG und RAW an. Damit hält man sich natürlich alle späteren Optionen offen. In jedem Fall ist an genügend Speicherplatz zu denken. Und nicht vergessen, wenn es draußen kalt ist, machen die Akkus der Kameras schneller schlapp – also entweder mehrere geladene Akkus zum Wechseln mitbringen oder einen Powerpack mit Dummy-Akku anschließen, der hält dann die ganze Nacht.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2015

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