Nachtfotografie - Ein Meer an Motiven

© Fotograf: Andreas Hohmann, Im Herzen von Europa - Frankfurt am Main, Blende-Fotowettbewerb
Frankfurt
© Fotograf: Andreas Hohmann, Im Herzen von Europa – Frankfurt am Main, Blende-Fotowettbewerb
Die Nacht, also die Dunkelheit, ist reich an Motiven, und dies nicht nur für alle Freunde der Sterne. Ein Ausflug zu den zahlreichen Autobahnbrücken lohnt sich ebenso wie nächtliche Impressionen von Landstraßen und natürlich von Städten mit ihrem Lichtermeer. Immer mehr Anhänger findet auch das Lightpainting, also das Malen mit Licht in der Dunkelheit. Facettenreich und weitreichend sind also die Motivgebiete bei Nacht. Wer sich diese erschließen möchte, der ist mit einer hochwertigen Kompaktkamera, einer kompakten Systemkamera oder einer Spiegelreflexkamera gut beraten. Auch, wenn Smartphones mit ihrer Fotofunktion immer besser werden, so sind nur ganz wenige Modelle unter ihnen für die Nachtfotografie geeignet. In unserem Beitrag „Smartphonekamera versus Kamerasmartphone“ hatten wir thematisiert, dass sich Smartphones in puncto Fotoqualität erheblich voneinander unterscheiden.

Fotoausrüstung

© Fotograf: Tobias Peetz, Light in Motion, Blende-Fotowettbewerb
Leuchtspuren
© Fotograf: Tobias Peetz, Light in Motion, Blende-Fotowettbewerb
Kompaktkameras mit einem großen Zoombereich – also die sogenannten Bridge- beziehungsweise Superzoomkameras – bieten die Option, nahezu alle Motive in der Nacht ins rechte Licht rücken zu können. Für welches Objektiv (Normal, Weitwinkel, Tele etc.) man sich beim Fotografieren mit Kameras mit Wechseloptik entscheidet, hängt vom Motivschwerpunkt, aber auch davon ab, wie Objekte in Szene gerückt werden sollen. Klar im Vorteil sind alle Fotografen, die über eine Auswahl an Objektiven verfügen, denn so erschließen sie sich alle fotografischen Freiheiten. Jeder, der über eine Kamera mit Wechseloptik verfügt, sollte aus unserer Sicht ein Normal-, ein leichtes Tele- und ein Weitwinkelobjektiv in seinem Besitz wissen. Liebt man das fotografische Detail, dann ist natürlich ein Makroobjektiv Pflicht.

Ein Muss für Nachtaufnahmen ist der Einsatz eines Stativs – wir raten zu einem Drei- beziehungsweise Vierbeinstativ, das sicheren Stand garantiert. Stabil und robust sollte das Stativ sein – hier zahlt sich Qualität aus, denn Erschütterungen können ihnen nichts anhaben. Dass Kamera und Stativ eine Einheit bilden müssen, versteht sich von selbst.

© Fotograf: Thomas Beyer, Tempus fugit, Blende-Fotowettbewerb
Sternenhimmel
© Fotograf: Thomas Beyer, Tempus fugit, Blende-Fotowettbewerb
Nützlich sind zudem Fernbedienungen/Fernauslöser. Schon das Auslösen der Kamera kann zu Erschütterungen führen, die unscharfe Aufnahmen zur Folge haben. Bei Fernauslösern hat man die Wahl zwischen Drahtauslösern, einer elektrischen Kabelverbindung, optischen Einrichtungen, wie Infrarotsender und Empfänger, sowie Sklavenblitzauslöser und einer Funkverbindung. Weniger verbreitet sind pneumatische Verbindungen. Ist es nicht möglich, die Kamera mit einem Fernauslöser zu betreiben, so kann bedingt der Selbstauslöser helfen. Ist er einmal aktiviert, so läuft der Aufnahmemechanismus nach vorgegebener Zeit ab. Besser sind natürlich Fernauslöser – mit ihnen kann die Kamera im richtigen Moment und gegebenenfalls auch mehrfach hintereinander ausgelöst werden.

In die Fototasche sollte man, neben Ersatzakkus und -speicherkarten, zudem eine Taschenlampe packen. Mit dieser kann man nicht nur den Weg leuchten, sondern Licht ist auch beim Stativaufbau, der Befestigung sowie beim Einstellen der Kamera sehr von Vorteil. Empfehlenswert sind übrigens Lampen mit einem Rotfilter, da diese beim Ausschalten der Lampe die Sehfähigkeit im Dunkeln nicht so beeinträchtigen.

Kameraeinstellungen

© Fotograf: Rudolf Mester, Funkenflug am See, Blende-Fotowettbewerb
Funkenflug
© Fotograf: Rudolf Mester, Funkenflug am See, Blende-Fotowettbewerb
Je nach Kameramodell hat der Fotograf die Option, den Nachtmodus zu wählen. Die Kamera nimmt alle Einstellungen automatisch vor und wählt die optimale Kombination aus Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert. Ratsam ist, sofern die Kamera die Möglichkeit bietet, die ISO-Empfindlichkeit nicht zu hoch zu wählen, da damit Bildrauschen einhergehen kann. Je nach Kameraausstattung können die Einstellungen auch manuell erfolgen. Dies hat den Vorteil, dass man sich als Fotograf stärker einbringen und seiner fotografischen Kreativität freien Lauf lassen kann. Beachten sollte man, dass automatische Belichtungsprogramme, je nach Motiv, in der Nacht nicht immer optimale Bildergebnisse garantieren. Aus diesem Grund ist der manuelle Modus ratsam. Die längste Belichtungszeit liegt bei einem Großteil der Kameras bei 30 Sekunden – dies ist meist auch ausreichend für überzeugende Nachtaufnahmen. Ist eine längere Belichtungszeit erforderlich, so muss man sich für den Bulb-Modus entscheiden.

Den Weißabgleich sollte man bei der Nachtfotografie im Auge behalten. In absoluter Dunkelheit entscheiden sich Fotografen bevorzugt für die Tageslicht-Voreinstellung. Als Bildspeicherformat sollte, sofern die Kamera die Option bietet und man sich der Bildbearbeitung hingeben möchte, RAW gewählt werden. Bei diesem Bilddatenrohformat hat man als Fotograf die Option, die Farbbalance nachträglich gezielt zu korrigieren. Zahlreiche aktuelle Kameramodelle bieten die Möglichkeit, Aufnahmen sowohl im RAW- als auch JPEG-Bildformat gleichzeitig abzuspeichern. Das benötigt zwar mehr Speicherplatz, aber man behält sich alle Optionen offen. Wer definitiv weiß, dass Bildbearbeitung kein Thema ist, der wählt das JPEG-Bildformat.

Kommen wir zum Autofokus, der je nach Dunkelheit nur unzureichend funktioniert. Verlässlicher ist der manuelle Fokus – auch, wenn es mitunter eine Herausforderung darstellt, das Objekt in der Dunkelheit zu finden und darauf scharf zu stellen. Hier ist die Lupenfunktion im Live-View-Modus sehr hilfreich, denn mit ihr lassen sich Motivbereiche auf dem Display größer darstellen.

Kleidung

© Fotograf: Christoph Mecking, Nachts im Ruhrgebiet, Blende-Fotowettbewerb
Ruhrgebiet
© Fotograf: Christoph Mecking, Nachts im Ruhrgebiet, Blende-Fotowettbewerb
Wer nachts unterwegs ist, der darf sich vor lauter Begeisterung für die Motive selbst nicht vergessen. Nicht nur in der kalten Jahreszeit – also auch im Sommer – können die Temperaturen empfindlich nach unten gehen. Dementsprechend gilt es, sich mit warmer Kleidung zu schützen. Die sollte so beschaffen sein, dass man seine Bewegungsfreiheiten behält und man nicht eingeengt wird, wenn es beispielsweise in die Hocke geht. Ist man auf Landstraßen etc. unterwegs, so sollte eine Warnweste, wie sie heute in jedem Fahrzeug mitgeführt werden muss, übergezogen werden. Mit dieser wird man von herannahenden Autos deutlich besser wahrgenommen.

Sich und andere nicht in Gefahr bringen

Für ein gutes Fotomotiv tun Fotografen nahezu alles – bitte aber den Bogen nicht überspannen und sich, aber auch Dritte nicht in Gefahr bringen. Ist man beispielsweise auf einer Landstraße unterwegs, so muss genügend Sicherheitsabstand zur Straße eingehalten werden. Das gleiche trifft natürlich auch auf die nächtliche Fototour in der Stadt zu.

Proviant nicht vergessen

Wer nachts auf Motivjagd geht, wird schnell zu der Erkenntnis kommen, dass die Zeit im Nu verfliegt. Aus diesem Grund sollte man auch an etwas Proviant denken. Wenn die Kehle trocken ist und der Magen knurrt, dann kommt schlichtweg keine Freude auf.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2015

2 Kommentare

Ja, Nachtfotografie kann eine wirklich spanende Sache sein bei der tolle Bilder raus kommen. Ein Tipp noch: Mansche Kameras nehmen es einem übell wenn sie auf einem Stativ stehen und der Bildstabilisator eingeschaltet ist (Sony und Minolta ganz besonders). Die beginnen dann nicht vorhandene Bewegungen auszugleichen. Also auf dem Stativ ruhig ausschalten und danach wieder einschalten nicht vergessen. Gruß Oli

Oliver Teske

von Oliver Teske
28. Januar 2015, 14:16:56 Uhr

Zitat: "Ein Muss für Nachtaufnahmen ist der Einsatz eines Stativs –" Wenn der Autor hier auch "Lightpainting" abhandelt, so trifft das nur auf den Fall zu: die Kamera steht fest und die Lichtquelle bewegt sich oder steht ebenfalls fest. Es gehört aber auch zu Lightpainting, dass die Kamera moderat oder sogar extrem bewegt (gedreht, geschwenkt oder gekippt) wird und die Lichtquelle selbst feststeht oder sichebenfalls bewegt. Mit dem ISO Wert muss man experimentieren. So gelingen z.B. Gegenverkehr-Aufnahmen im Tunnel durch die Frontscheibe aus der Hand mit Bel. 1 Sek, Iso 100 und F 5,6 https://flic.kr/s/aHsjDuumF8 viele Grüße Christian

Dr. Christian Credner

von Dr. Christian Credner
28. Januar 2015, 14:07:23 Uhr

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