Nachtfotografie - Lange Zeiten richtig dosieren

© Fotograf: Towerstreet, David Engel, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Towerstreet, David Engel, Blende-Fotowettbewerb
Die Stadt bei Nacht ist ein beliebtes Fotomotiv. Dazu der Verkehr, Scheinwerfer und Rücklichter von Autos, ein grandios-blauer Himmel, vor dem sich beleuchtete Gebäude abzeichnen, das ist das, was die Stadt wohl ausmacht. Damit das alles auch ansehnlich aufs Bild kommt, gibt es einiges zu beachten und einige Fallstricke zu vermeiden, die sich fast alle um die Belichtung drehen.

Wer eine Stadt bei Nacht, ihre Lichter und Hausfassaden fotografieren möchte, muss rechtzeitig losgehen. Denn die besseren Bilder entstehen während der Dämmerung, der Zeit zwischen Sonnenuntergang und Dunkelheit. Denn dann sieht es schon nach spätem Abend aus, aber die Gebäude versinken nicht im Schwarz, der Himmel ist kein großes, dunkles Loch. Denn gerade angestrahlte Gebäude haben das Problem, dass die Beleuchtung nicht gleichmäßig ist. Das Restlicht des Tages hilft, diese Unterschiede auszugleichen.

Zudem wird dabei ein weiteres Problem elegant umgangen. Denn wer Bewegung im Bild möchte, beispielsweise die Rücklichter von Autos, die ja in attraktivem Rot leuchten, hat zwangsläufig auch die Scheinwerfer auf der Vorderseite im Bild. Da mag ein Lichtkegel wenig ausmachen, wenn dann aber mal zwei, drei Minuten lang belichtet wird, kann es an einigen Stellen einfach wieder zu hell werden. Ist noch ausreichend Tageslicht vorhanden, tritt dieser Effekt gar nicht oder nur stark abgemildert auf.

Wer lange belichtet, braucht ein Stativ. Idealerweise sollte dann die Kamera mit einem Fernauslöser, egal ob über Funk oder Kabel, ausgelöst werden. Ansonsten kann es an der Kamera zu Erschütterungen kommen, wenn der Auslöser gedrückt wird. Das Stativ ermöglicht quasi beliebig lange Belichtungszeiten, so ist es auch kein Problem, eine möglichst niedrige ISO-Einstellung zu wählen und damit das Bildrauschen zu reduzieren. Außerdem sollte bei Nachtaufnahmen die Kameraautomatik abgeschaltet und die Belichtung per Hand eingestellt werden. Der Belichtungsmesser der Kamera wird zu leicht von Scheinwerfern irritiert und liefert falsche Werte. Und weil ein Stativ praktisch unbegrenzte Belichtungszeiten ermöglicht, sollte auch die maximale Schärfe des Objektivs genutzt werden, die in der Regel bei einem Abblenden um zwei Stufen erreicht wird.

Wie lange belichtet wird, muss jeder Fotograf natürlich an seiner Bildidee festmachen. Die Zeit kann über die Blende des Objektivs gesteuert werden. Da Lichtstreifen, die mitten im Bild aufhören, komisch aussehen können, sollte also so lange belichtet werden, bis ein Fahrzeug den gesamten Bildbereich durchquert hat. Andererseits können abgehackte Lichtspuren natürlich auch als gestalterische Mittel eingesetzt werden. Fahrende Autos selbst werden bei ausreichend langer Belichtungszeit nur noch schwach als Streifen im Bild zu sehen sein.

Wenn der Himmel zu hell ist, dann kann ein Grauverlaufsfilter helfen. Dadurch kann der Himmel abgedunkelt werden und der untere Bildbereich mehr Licht erhalten. Das funktioniert natürlich nicht, wenn Türme ins Bild ragen und teilweise den Himmel bedecken. Ist partout keine ausreichend lange Belichtungszeit zu erreichen, weil die Kamera keine ausreichend niedrige ISO-Einstellung zulässt oder die Großstadt einfach zu hell ist, hilft ein ND-Filter, die es in den verschiedensten Stärken gibt.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2014

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