Nachtfotografie - Leuchtspuren

© Fotograf: Marcus Heinz, LIGHT LINE, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Marcus Heinz, LIGHT LINE, Blende-Fotowettbewerb
Die Dunkelheit hat in Städten und auf den Straßen unendlich viele Motive zu bieten, weshalb es sich als Fotograf immer wieder lohnt, sich aufs Neue auf Fototour zu begeben. Angesagt sind derzeit besonders Leuchtspuren, hervorgerufen durch Autos, Busse und Laster. Ein Grund für diesen Hype liegt sicherlich auch in den technischen Weiterentwicklungen der Kameraindustrie begründet, die solche Aufnahmen für jedermann heute möglich machen. Auch, wenn Smartphones inzwischen meist eine akzeptable Bildqualität liefern, so sind sie für diese Art der Fotografie aufgrund der Lichtverhältnisse schlichtweg ungeeignet. Von Kompaktkameras mit geringer Ausstattung darf auch nicht zu viel erwartet werden, denn sie bieten in der Regel dem Fotografen nicht die Option, auf die Blendeneinstellung Einfluss zu nehmen. Prädestiniert für das Festhalten von Leuchtspuren mit Langzeitbelichtung sind die Bridgekameras – auch als Superzoomkameras bezeichnet – und natürlich die Spiegelreflex- und kompakten Systemkameras. Weitwinkelobjektive garantieren einen großen Bildausschnitt.

© Fotograf: Christoph Mecking, Schnelllebiges Ruhrgebiet, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Christoph Mecking, Schnelllebiges Ruhrgebiet, Blende-Fotowettbewerb
Vorbereitung ist beim Festhalten von Leuchtspuren die halbe Miete. Zunächst gilt es, den optimalen Standpunkt zu ermitteln. Das können die Autobahnbrücken sein oder aber beispielsweise der Bürgersteig an einer befahrenen Straße – selbst an einer Landstraße. Bei letzterer sollte der Fotograf aber in jedem Fall eine Warnweste tragen, um von den Verkehrsteilnehmern auch wahrgenommen zu werden. Fotografisch interessanter ist es, wenn die Landstraße nicht gerade verläuft und etwas entfernt eine Kurve macht. Interessant in Städten ist es, markante beleuchtete Gebäude in die Bildkomposition mit aufzunehmen.

© Fotograf: Danny Degelmann, Night Train, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Danny Degelmann, Night Train, Blende-Fotowettbewerb
Der Kamerastandpunkt sollte möglichst schon dann eingenommen werden, wenn es noch hell ist. Die beste Zeit zum Fotografieren von Leuchtspuren ist in der sogenannten blauen Stunde, also wenn Zwielicht vorliegt, der Himmel noch blau schimmert und somit noch genügend reflektierendes Umgebungslicht vorliegt. Fotografisch interessant ist es, wenn gerade ein Schauer herunter gekommen ist, denn die Reflektionen der Lichter durch das Nass geben eine ganz besondere Bildwirkung.

© Fotograf: Norbert Jordan, Spuren in der Nacht, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Norbert Jordan, Spuren in der Nacht, Blende-Fotowettbewerb
Ist der Standpunkt gefunden, dann gilt es, die Kamera auf einem Drei- oder Vierbeinstativ zu befestigen. Ohne Stativ braucht man sich diesem Motivgebiet der Fotografie aus unserer Sicht nicht hingeben. Natürlich hat man auch die Option, die Kamera aufzulegen – aber Hand aufs Herz – entspanntes Fotografieren sieht anders aus. Ein Fernauslöser ist nicht unbedingt Pflicht, aber mehr als empfehlenswert, denn mit ihm lässt sich jegliche Erschütterung beim Auslösen der Kamera vermeiden. Prädestiniert ist als Kameraeinstellung die Zeitautomatik – die Kamera liefert die richtige Belichtung. Möchte man mit Belichtungszeiten von mehr als 30 Sekunden fotografieren, so empfiehlt sich der B-Modus. Der bietet den großen Vorteil, dass man die Belichtung „anhalten“ kann – wenn beispielsweise der Verkehr nachlässt – indem man einfach einen Karton oder aber die Hand vor das Objektiv hält. Sobald wieder Autos vorbeikommen, nimmt man den Karton/die Hand weg und setzt die Belichtung fort. Für durchgängige Lichtspuren ist natürlich ein stetiger Verkehrsfluss wichtig. Zu achten ist zudem auf störende Elemente, wie beispielsweise Ampeln. Für viel Schärfentiefe in der Aufnahme sorgt eine Blende von 11 oder 16. Die ISO-Einstellung sollte bei 100 liegen. Um die Leuchtspuren des fließenden Verkehrs einzufangen, liegt die Belichtungszeit bei 20 bis 30 Sekunden.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2014

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