Nachtfotografie: Leuchtspuren - Die Kraft des wenigen Lichts

Mit den kürzer werdenden Tagen hat die Nachtfotografie, die übrigens reich an Motiven und deren visueller Interpretation ist, wieder Hochkonjunktur. Man muss für imposante Fotografien die Nacht nicht zum Tage machen. Leuchtspuren, hervorgerufen durch Autos, Busse und Laster, sind ein beliebtes gestalterisches Bildelement. Grund dafür ist auch, dass heutige Kameras die technischen Voraussetzungen mitbringen, dass solche Aufnahmen, wie sie dem „Blende 2017“-Teilnehmer Detlev Wischerhoff mit seinem eingereichten Wettbewerbsbeitrag „Berlin leuchtet“ gelungen ist, für jedermann realisierbar sind. Prädestiniert für das Festhalten von Leuchtspuren mit Langzeitbelichtung sind Bridgekameras – auch als Superzoomkameras bezeichnet – und natürlich Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras. Weitwinkelobjektive garantieren einen großen Bildausschnitt.

Nachtfotografie - Leuchtspuren. © Fotograf: Detlev Wischerhoff, Berlin leuchtet, Blende-Fotowettbewerb
Detlev Wischerhoff, Berlin leuchtet, Blende-Fotowettbewerb

Wer sich fotografisch dem Fotothema Leuchtspuren zuwendet, der braucht Geduld und Experimentierfreude, muss man sich fotografisch an den Bilderfolg herantasten, so Detlev Wischerhoff. Er war in Berlin unterwegs und auf der Suche nach „Licht“. Letztlich ist er am Berliner Dom hängen geblieben. Die Szenerie war ihm aber für sich genommen nicht spannend genug für eine interessante und damit zum Blickfang werdende Aufnahme. Erst unter Einbeziehung des Umfelds mit den zusätzlichen Lichtern der Autoscheinwerfer und Straßenlampen war die Bildkomposition im Oktober am frühen Abend geboren.

Aus der Fotopraxis für die Fotopraxis – Detlev Wischerhoff weiht uns ein

“Licht”-quelle an. Also, die Kamera auf das Stativ gestellt und mehrere Versuche gestartet – sowohl um die korrekte Belichtung herauszufinden, als auch um bildwirksame Lichtspuren der Autos einzufangen. Und die Blende so weit wie möglich geschlossen, um die Licht-Sterne zu erhalten (f/13). 30 Sekunden Belichtungszeit bei Zeitautomatik und dabei knapp 2 Blendenstufen überbelichtet. ISO, also die Sensorempfindlichkeit, sollte man möglichst niedrig wählen, hier 100, um das Bildrauschen zu vermeiden. Gerade bei Nachtaufnahmen sieht man das Bildrauschen in den dunklen Bildanteilen umso deutlicher. Und nicht alles Rauschen lässt sich so einfach am PC korrigieren.

„Die Lichtspuren (nur) der Autos gaben dem Bild noch nicht genug Tiefe, weil die sich lediglich auf der Straße unten abzeichneten. Jetzt war Geduld angesagt. So wartete ich günstige Momente ab, bis der ein oder andere Bus vorbeifuhr, um Lichtspuren auch im oberen Bildbereich zu erhalten. Dazu musste ich mein Stativ nahe am Straßenrand platzieren. Es waren wieder mehrere Versuche notwendig, weil des Öfteren ein Stau entstand und so keine gleichmäßigen Lichtspuren einzufangen waren“, erklärt Wischerhoff.

Letztlich wurde die beste RAW-Datei in verschiedenen Versionen mit Adobe Photoshop Lightroom und Adobe Photoshop CC entwickelt. Dazu hat Wischerhoff zum Teil die Presets in Lightroom verwendet, die von diversen Anbietern im Internet angeboten werden. „Ich bearbeite die Aufnahme aber auch noch nach meinen eigenen Vorstellungen. Diverse störende Lichtflecken wurden eliminiert und in Photoshop mit dem perspektivischen Freistellungswerkzeug die stürzenden Linien ausgerichtet. Die „normale“ Farbgebung war ja schon ganz interessant, aber ich wollte noch etwas mehr herausholen, weil es ja so viele „normale“ Nachtaufnahmen gibt. Also habe ich herumexperimentiert mit den Farbreglern in Lightroom und bin letztlich bei den Komplementärfarben blau und gelb gelandet. Dazu die Lichter und Weiß heruntergeregelt, das Schwarz etwas erhöht, den Kontrast und Klarheit deutlich rauf und natürlich auch nachgeschärft.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zum laufenden Fotowettbewerb „Blende 2017“.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2017

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